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TEIL 3 – NEBEL, TEMPEL & SEHR VIELE SCHRITTE

Veröffentlicht: 17.12.2025

Pünktlich um 7 Uhr wird Wagen 8 vom Schaffner geweckt. Ich habe erstaunlich gut geschlafen. Das gleichmäßige Wackeln des Zuges hat mich sanft in den Schlaf geschaukelt – und dort auch festgehalten. Die Fahrt hat ziemlich genau zwölf Stunden gedauert. Bahnfahren kann also doch entspannend sein. Wer hätte das gedacht.

In Chiang Mai angekommen, machen wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Und weil wir offenbar lernresistent sind, gehen wir zu Fuß. Überraschenderweise klappt das diesmal sogar. Trotzdem verfluche ich innerlich jedes einzelne Kilo meines Rucksacks und überlege ernsthaft, ob ich wirklich all das gebraucht habe. Spoiler: Nein.

Unsere Unterkunft liegt perfekt in der Altstadt von Chiang Mai. Wir dürfen unsere Rucksäcke direkt abladen – ein Moment puren Glücks. Mit deutlich leichteren Schultern ziehen wir los zur ersten Erkundungstour. Chiang Mai hat ungefähr so viele Tempel, dass man irgendwann aufhört zu zählen (30 alleine in der Altstadt welche innerhalb eines quadratischen Wassergrabes liegt). Wir entscheiden uns für Wat Chet Lin.

Dort schlagen wir einen Gong. Der soll Kummer, Krankheit und Gefahr vertreiben und Glück bringen. Ich denke mir: Schaden kann’s nicht. Im Tempel spricht uns ein Thai an und erzählt, dass er extra hierhergekommen ist, um einen Wunsch auszusprechen – weil sein letzter Wunsch an genau diesem Ort tatsächlich in Erfüllung gegangen sei. Ich nicke ehrfürchtig und überlege kurz, ob ich mir nicht auch schnell was wünschen sollte. Sicher ist sicher.

Später landen wir im See You Soon Café (große Empfehlung!) und planen bei Cocktails und leckerem Essen die kommenden Tage. Der Mai Tai ist gefährlich gut. So gut, dass wir leicht beschwingt und minimal torkelnd den Heimweg antreten. Nennt man wohl kulturelle Integration.

Am nächsten Tag steht Großes an: Doi Inthanon, der höchste Punkt Thailands. Dazu die Zwillingspagoden und ein Wasserfall. Uns wurde gesagt, dass es dort oben etwas kühler sein könnte – 13 Grad. Klingt machbar.
Oben angekommen fühlen sich diese 13 Grad allerdings deutlich nach „Warum habe ich nichts Warmes eingepackt?“ an.

Ein dichter Nieselnebel liegt über allem. So dicht, dass man den berühmten Ausblick nicht einmal erahnen kann. Statt Panorama gibt es weiße Wand. Und trotzdem: Es ist wunderschön. Mystisch. Still. Als hätte jemand den Wald auf Fantasy-Modus gestellt.

Auch die Zwillingspagoden, erbaut zu Ehren von König Bhumibol und Königin Sirikit, verschwinden fast vollständig im Nebel. Beeindruckend sind sie trotzdem. Wir erfahren nebenbei, dass sogar ein dritter Tempel geplant ist. Ich frage mich kurz, ob man den dann überhaupt noch sehen würde.

Weiter geht’s auf einem sehr einfachen Naturpfad zum Wachirathan-Wasserfall. Rund 70 Meter stürzt das Wasser in die Tiefe. Laut, kraftvoll, aber gleichzeitig unglaublich meditativ. Ich stehe da, höre zu und denke mir: Genau dafür bin ich hier.

Zurück geht’s mit dem Minivan nach Chiang Mai – und plötzlich: Sonne. Wärme. Kein Nebel. Als wäre der ganze mystische Berg einfach nie da gewesen.

Am Abend wartet der Nachtmarkt von Chiang Mai. Er startet am Tha Phae Gate und endet am Wat Phra Singh Tempel. Und meine Güte – hier ist alles. Streetfood in jeder denkbaren Variante, Souvenirs, die ich nicht brauche, Straßenkünstler, Livemusik und ungefähr die halbe Menschheit. Ich liebe es. Reizüberflutung auf Thai-Art.

Am nächsten Tag geht es auf Tempeltour Richtung Chiang Rai. Auf dem Plan stehen: der weiße, der blaue und der rote Tempel. Fast drei Stunden Fahrt. Unterwegs lerne ich immerhin etwas: Chiang bedeutet „Stadt“, Mai „neu“ – und Rai ist der Name eines Königs. Bildungsreise also.

Zwischenstopp an den Hot Springs. Hier kann man Eier kaufen, die direkt in den heißen Quellen gekocht werden. Sehr praktisch – der intensive Schwefelgeruch sorgt dafür, dass man sofort weiß, warum es hier Eier gibt. Appetitlich… irgendwie.

Dann der erste Wow-Moment: der weiße Tempel, Wat Rong Khun. Und ja – WOW. Der Tempel ist noch nicht einmal fertig. Baubeginn 1997, geplantes Ende: irgendwann um 2070. Der Künstler Chalermchai Kositpipat hat hier sein Lebenswerk geschaffen. Kein klassischer Tempel, sondern ein Kunstprojekt. Im Inneren treffen buddhistische Motive auf Marvel-Superhelden, Sailor Moon und Michael Jackson. Mein Gehirn braucht kurz ein Update – aber es funktioniert erstaunlich gut.

Der blaue Tempel, Wat Rong Suea Ten, wirkt im Vergleich fast schon zurückhaltend. Leuchtend blau, goldene Verzierungen, ein großer weißer Buddha. Ebenfalls relativ jung, aber sehr eindrucksvoll.

Und dann mein persönlicher Favorit: der rote Tempel. Eigentlich komplett weiß, aber mit roten Dächern – Details. Er heißt Wat Huay Pla Kang und ist im chinesischen Stil erbaut. Die riesige Statue der Göttin Guan Yin thront über allem. Der Ausblick von ganz oben ist schlichtweg unfassbar. Dazu eine neunstöckige Pagode – drei Bauwerke, die locker für einen Tag Staunen reichen.

Nach weiteren drei Stunden Rückfahrt sind wir offiziell durch.
Essen. Schlafen. Ende.

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