Letzte Tage in Amman. Vorerst.
25. – 31. Januar In diesem Beitrag fasse ich grob meine vorerst letzte Woche in Amman zusammen, bevor ich mit Lea zu unserer 3-wöchigen Palästina-Reise aufbreche, und dann die...

Veröffentlicht: 02.02.2020
























Samstag, 1. Februar
7 am. Wir stehen auf, packen unsere letzten Sachen zusammen, verabschieden uns von Rebecca und machen uns dann auf den Weg zur Nord-Bushaltestelle. Wir haben uns gestern sagen lassen, dass abgesehen von dem extrem frühen Jett-Bus von dort auch local Busse und Service Taxis zur Grenze fahren. Wir sagen unserem Taxifahrer also, dass wir zur Nord-Haltestelle und von dahin weiter zur Grenze an der King Hussein Bridge wollen, woraufhin er uns schnurstracks zur Haltestelle bringt, mitten in einen Schwarm Taxifahrer hinein. Ich will Lea gerade sagen, dass ich ein Déjà-vu von damals habe, als wir von hier aus nach Salt fahren wollten, als ich sehe, dass einer der Taxifahrer meinen großen Reiserucksack aus unserem Kofferraum in sein Taxi schleppt. Lea und ich fangen lautstark an, aus unserem Auto heraus zu intervenieren, in dem wir noch sitzen. Dann stellt sich jedoch heraus, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Die Service Taxis heute sind keine Kleinbusse wie sonst immer, sondern diese normalen gelben Taxis, die zum selben Preis zur Grenze fahren. Wir werden nun also zusammen mit zwei anderen Fahrgästen zur King Hussein Bridge gebracht.
… wo uns dann das schon bekannte Spiel erwartet: Pass auf der jordanischen Seite abgeben, Exit-Gebühr zahlen, nach Wartezeit mit dem Shuttle zur israelischen Grenze fahren, dort Gepäck- und Personenkontrolle. Dann, die Befragung. In der aktuellen angespannten Situation zwischen Israel und Palästina ist es heute besonders wichtig, keinen Verdacht aufkommen zu lassen. Wenn der Grenzbeamte wüsste, dass wir von hier aus straight in die West Bank fahren, würde er uns sicherlich kein Visum ausstellen. Auf die Frage, wohin wir wollen, geben wir also nicht wahrheitsgemäß Jerusalem und Tel Aviv and und nennen das Cinema Hostel in Jerusalem, wo ich damals mit Hanni war. Wann es wieder nach Deutschland zurückgeht, will der Beamte noch wissen. Ende Februar, sage ich ihm, woraufhin er das Flugticket sehen will. Das Flugticket. Dieses Mal ist es keine Lüge, zu sagen, dass ich das noch nicht bei mir habe. Ich bin trotzdem gewillt, in meinem E-Mail-Verkehr am Handy nach einer Bestätigung zu suchen, als er mir sagt, dass es okay ist. Und uns unsere Pässe samt Visa in die Hand gibt. Puh. Geschafft.
Wir heben uns noch ein paar israelische Schekel ab, dann setzen wir uns in einen der großen roten Busse, die nach Jericho fahren. Von dort, ganz in der Nähe der Grenze, wollen wir unsere Reise starten. Was „ganz in der Nähe“ bedeutet, merken wir dann nach 5 Minuten Fahrt – wir sind schon da. Ein wenig verwirrt schauen wir aus dem Busfenster. Wir stehen vor einem riesigen Gebäude, vor dem ein paar Männer jetzt die Gepäckstücke aus dem Bus abladen. Wir warten kurz ab, was die anderen Fahrgäste machen, und folgen ihnen dann hinein in das Gebäude.
Innen hängen zwei riesige Bilder, eins von Arafat, eins von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Unser Gepäck ist auch schon da. Hinter Plexiglaswänden sitzen uniformierte Beamte. Wir reihen uns hinter anderen Fahrgästen aus unserem Bus ein, bis uns jemand darauf aufmerksam macht, dass wir an der falschen Schlange stehen – wir müssen in die „Foreigner“-Reihe. Der Beamte nimmt unsere Pässe und schreibt unsere Namen in eine Tabelle. Er gibt uns dann einen pinken Zettel, den wir ausfüllen sollen. Auf dem Zettel, nur arabische Begriffe. Wir wollen beim nächsten Beamten also nachfragen, was wir genau machen sollen, als der die unausgefüllten Zettel entgegennimmt und uns weiterwinkt, wieder aus dem Gebäude heraus.
Da stehen wir jetzt also mit unserem Gepäck, unwissend, was das hier gerade war und ahnungslos, wo wir gerade sind. Die unzähligen Taxifahrer, die hier mit ihren Fahrzeugen bereitstehen, sind weniger ahnungslos, aber wissen um ihre Macht. Unsere Rucksäcke sind zu schwer, als dass wir damit jetzt längere Wanderungen machen wollen. Außerdem können wir ohne Internet nicht genau abschätzen, wie weit das Stadtzentrum wirklich entfernt ist. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als für einen viel zu teuren Preis in ein großes Taxi zu steigen. Nach nicht einmal 5 Minuten Fahrt sind wir dann auch schon da. Diese Fahrt hat sich definitiv nicht gelohnt.
Na gut. Jetzt erst einmal unser Gepäck irgendwo abstellen, dann schauen wir weiter. Wir haben uns vor Abfahrt noch informiert, dass das Waleed Hostel gut und günstig sein soll und uns die Google Offline Karte von Palästina heruntergeladen. Nach ein wenig Herumirren finden wir kein Hostel an der Stelle an, die unsere Karte uns sagt, und fragen in einem kleinen Supermarkt nach. „Waleed Hostel? Closed!“ Wie, closed? Wir hatten es davor doch noch im Internet gesehen. Der Supermarkt-Besitzer führt uns zwei Läden weiter, und tatsächlich. Davor stehen zwei Schilder mit Pfeilen zu „Waleed Hostel“, die schon etwas in die Jahre gekommen sind. Die Glastür dazu, geschlossen. Der Besitzer zuckt mit seinen Achseln.
Was also tun. Wir beschließen nun, uns doch eine Sim-Karte mit Internet zu besorgen und kehren dann erst einmal in einem Café zu Kaffee und Falafel-Sandwich ein. Sitzen tut gut. Ganz in Ruhe können wir jetzt noch einmal mit unserer neuen Sim-Karte nach Hostels recherchieren und stellen dann fest, dass das Waleed Hostel doch noch existiert. Allerdings an einer anderen Stelle. Und so wie wir auf der Karte feststellen, nur einen Katzensprung von dem Ort entfernt, an dem wir heute früh mit dem Bus angekommen sind. Unsere Taxi-Fahrt hat sich also doppelt nicht gelohnt.
Unsere Bedienung bringt uns noch eine Zuckerkirsche auf Zahnstocher aufs Haus und wir fragen ihn, ob er eine günstige Alternative kennt, wie wir zu unserem Hostel kommen. Wir wollen ungerne noch einmal ein Vermögen für eine Taxi-Fahrt ausgeben. Er spricht nicht so gut Englisch und diskutiert erst noch mit seinen Kollegen, bis er uns schließlich anbietet, uns mit seinem Auto zu fahren. Wir steigen also in einen klapprigen Caddy, holpern los durch Jerichos Straßen und stehen dann irgendwann vor Waleeds Hostel. Endlich.
Wir betreten das Hostel und finden uns dann im ersten Stock vor einer unbesetzten Rezeption. Von der großen anliegenden Terrasse werden wir dann auf vertrauter Sprache angesprochen. Ein älterer deutscher Tourist sitzt dort mit einem Buch und sagt uns, dass der Hostel-Besitzer wohl gerade seinen Mittagsschlaf macht. Wir setzen uns also noch ein Weilchen mit einem Tee auf die Terrasse, beschließen dann aber, noch etwas spazieren zu gehen. Es ist nämlich wirklich schönes Wetter. Und fast sommerlich warm.
Was wohl davon kommt, dass Jericho 250 Meter unter Meeresspiegel liegt, die tiefste Stadt der Welt, wie wir nachlesen. Dadurch ist hier immer mildes Klima. Außerdem fällt uns auf, wie saftig grün diese Stadt ist. Das sind wir aus Amman wirklich nicht mehr gewöhnt. Überall Palme,, Bäume, Kohl- und Auberginenfelder, und generell viele Grünflächen. Vögel zwitschern in den Bäumen, auf den Straßen, viele Fahrräder und E-Bikes. Abgesehen von einigen Schutt- und Müllbergen, der vielen Aufmerksamkeit, die wir bekommen und dem Geschrei, das uns hinterherhallt, wirklich alles sehr idyllisch hier. So richtiges Urlaubs-Feeling, wie Lea treffend feststellt.
Wir laufen jedoch nicht ganz planlos über Straßen und Felder. Wir haben uns vorher informiert, dass sich hier in der Nähe der Hisham Palace befindet, eine noch in Ruinen erhaltene umayyadische Palastanlage. Hier hat wohl im 8. Jh. n. Chr. Kalif Hisham residiert, bevor die Palastanlage durch ein Erdbeben zerstört wurde. Das Highlight der Ruinen ist die große Badanlage, in der sich ein riesiger, noch fast perfekt erhaltener Mosaikboden befindet. Als wir dort ankommen, erfahren wir allerdings, dass sich gerade diese Badanlage im Umbau befinden (es soll eine riesige Kuppel darüber gebaut werden), sodass das Mosaik zur Zeit nicht zu besichtigen ist. Schade. Wir schauen uns dennoch die restlichen Ruinen an, die sich in der Abendsonne auch wirklich ganz hübsch machen, und können dann im kleinen Museum auf dem Gelände per Animation sehen, wie die Badanlage nach dem Umbau aussehen wird.
Der Security-Mitarbeiter leistet uns nun kurz im Museum Gesellschaft und lädt uns noch auf einen Tee im Ticket-Häuschen ein. Wir sitzen dort also noch auf einen kurzen Plausch mit ihm und dem anderen Mitarbeiter, der das Gelände nun abschließt und uns mit seinem Auto mit in die Stadt nimmt. Worüber wir wirklich dankbar sind - wir haben gar nicht gemerkt, dass wir so weit gelaufen sind.
Wir kehren zum Abendessen zu Hummus und Sandwich in einem Lokal ein und machen uns dann auf den Rückweg zum Hostel, wo wir Waleed auf der Terrasse antreffen. Er hat von dem anderen deutschen Gast schon von uns erfahren und sagt uns, dass er unser Gepäck schon in unseren Schlafsaal gebracht hat. Er erklärt uns außerdem, welche Touren er hier für seine Gäste mit seinem Auto anbietet. Es gibt doch noch einiges zu sehen in Jericho. Wir werden morgen aber eher spontan entscheiden, was wir machen wollen, und brauchen jetzt erst Mal eine Mütze Schlaf. Den Schlafsaal haben wir für uns alleine und kuscheln uns gemütlich mit unseren Wärmflaschen in unsere Bettchen.