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Weiße Sandstrände, Palmen und kristallklares Wasser – Koh Rong gilt als wahre Trauminsel. Nach den unzähligen Eindrücken der vergangenen Tage und vielen Kilometern in (Nacht-)Bussen der perfekte Ort, um abzuschalten und die Reisemüdigkeit etwas auszuschlafen. Nach einer kurzen Überfahrt mit der Fähre wurde ich am Hafen vom abgeholt und es ging direkt zur Unterkunft. Koh Rong ist das komplette Gegenteil von Sihanoukville. Während die Stadt auf dem Festland nahezu zu betoniert wird, ist die kleine Insel noch sehr ursprünglich. Ursprünglich heißt in dem Fall aber auch, dass es nur wenige gut ausgebaute Straßen gibt, keine klassischen Supermärkte und der Strom von Generatoren erzeugt wird. Insgesamt also ein Ort, an dem es etwas ruhiger zugeht. Mit Ruhe hatte die Fahrt zum Hostel allerdings wenig zu tun. Zusammen mit anderen Backpackern saß ich auf der Rampe eines alten Jeeps, wobei saß eigentlich nicht die richtige Umschreibung ist. Viel mehr flogen wir über die Rampe. Ohne Rücksicht auf Verluste bretterte der Hostelbesitzer über Schotterpisten, durch Wassergräben und staubige Straßen. Nassgeschwitzt und komplett verstaubt kamen wir nach kurzer Zeit dann in unserem Hostel an. Nach einer kurzen Visite der Räumlichkeiten ging es dann auch direkt zum Strand. Wie angekündigt, erwartete mich hier tatsächlich weißer Sand und kristallklares Wasser. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Strände auf Koh Rong fast alle mit Müll gesäumt sind. Grundsätzlich ist das nichts Neues für mich, in ganz Südostasien wird auf die Müllentsorgung kein großer Wert gelegt. In so einem kleinen Paradies ist es aber doppelt traurig mit anzusehen.

In der ersten Nacht spürte ich die „Ursprünglichkeit“ dann auch am eigenen Leib. Nicht nur, dass sich gefühlt Hunderte Moskitos an mir satt aßen, es war auch noch unglaublich heiß. Dadurch, dass es keine Klimaanlagen gibt, waren wir auf die Ventilatoren angewiesen. Diese werden aber bekannterweise mit Strom betrieben. Und der Strom wird auf der Insel am Nachmittag und im Zeitraum von 2 Uhr bis 8 Uhr morgens abgestellt. Kein Strom, kein Ventilator, dem Florian war warm. Ich wollte Abenteuer, ich habe Abenteuer bekommen.

Am nächsten Tag ging das Abenteuer dann weiter. Mit einem Roller erkundeten wir bis zum Nachmittag die Insel und die vielen Strände. Als am Himmel dann die ersten Wolken aufzogen, haben wir unsere Sachen gepackt und uns wieder in Richtung des Rollers begeben. Es war jedoch zu spät, keine 100 Meter gefahren öffnete der Himmel seine Schleusen, wie ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht erlebt hatte. Es regnete und gewitterte unaufhörlich. Gut dass ich diese Badehose abgelassen hatte. Zum Glück schafften wir es noch zu einer kleinen verlassenen Hütte, die uns vor dem Schlimmsten bewahrte. Als der Regen dann wieder etwas nachließ, setzten wir unsere Fahrt fort – dieses Mal für 300 Meter. Es ging wieder von vorne los, Starkregen, Blitze und Donner. Und wieder stellten wir uns unter. Dieses Mal allerdings an einem kleinen Straßenstand, wo wir von drei Locals empfangen wurden, die das Gewitter wohl für ein kleines Trinkgelage nutzten. Leider konnten wir nicht verstehen, was sie uns mitzuteilen versuchten – vielleicht war es aber auch besser so. Nach zwei weiteren Stopps sind wir dann tatsächlich mit Einbruch der Dunkelheit am Hostel angekommen.

Die letzten Tage auf Koh Rong verbrachten wir ebenfalls hauptsächlich am Strand. Meist mieteten wir uns morgens einen Roller, suchten uns einen Straßenhändler, um etwas zu frühstücken und machten uns dann auf zu den verschiedenen Stränden. Nach insgesamt vier Tagen waren die Akkus wieder aufgeladen und ich war bereit für das nächste Land. Mit der Fähre ging es morgens um halb 11 aufs Festland, wo schon der Bus wartete, um mich zurück nach Phnom Penh zu bringen. Hier hatte ich dann drei Stunden, um etwas zu essen und mir die Beine zu vertreten. Gegen 22 Uhr setzte ich mich dann abermals in den Bus, das Ziel lautete Thailand, genauer gesagt Bangkok. Wie es sich für eine Nachtbusfahrt gehört, wurde es auch dieses Mal wieder abenteuerlich. Um 6 Uhr morgens wurde uns durch den Busfahrer gestikuliert, dass wir doch bitte den Bus verlassen sollten – Englisch konnte er natürlich nicht. Wir standen in einem Dorf und keiner wusste, ob wir nun an der Grenze waren oder ob es sich bei dem Stopp einfach nur um eine Pause handelte. Nachdem wir endlich einen Local gefunden hatten, der übersetzen konnte, war schnell klar, dass wir uns unmittelbar vor der thailändischen Grenze befanden. Jetzt hieß also Rucksack aufschultern und ab zur Grenzkontrolle. Etwa eine Stunde dauerte es, bis ich den Ausreisestempel von Kambodscha und den Einreisestempel von Thailand im Pass hatte. Und was macht man nach rund 18 Stunden Busfahrt? Richtig, in den nächsten Bus steigen. Zum Glück die letzte Etappe auf diesem Trip. Nach weiteren vier Stunden und damit insgesamt etwa 26 Stunden erreichte ich gegen mittag dann endlich Bangkok. Was für ein Ritt! Aber ich hatte richtig Lust auf Bangkok und auf Thailand. 

Noch ein kurzes Fazit zu Kambodscha: Im Vergleich zu Vietnam wurde ich mit Kambodscha nicht so richtig warm. Ich kann gar nicht genau sagen, woran dies genau lag. Aber ich fühlte mich von Beginn an nicht so richtig wohl. Vielleicht war ich an den falschen Orten, vielleicht haben mich die Geschehnisse rund um die Roten Khmer zu sehr beschäftigt, ich weiß es nicht. Obwohl ich noch drei weitere Wochen hätte in Kambodscha bleiben können, war ich froh, meine Zelte dort abzubrechen und mich ins Abenteuer Thailand zu stürzen. Vielleicht muss/sollte ich Kambodscha irgendwann noch einmal eine Chance geben. 

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