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#3 Märchenhafte Wanderung durch die Drachenschlucht

Veröffentlicht: 23.10.2021

19. Oktober 2021: Eisenach


J. Thüringen ist ja nicht nur für seine wunderschöne Hauptstadt Erfurt, sondern auch für den Thüringer Wald bekannt; und so wollen wir dort wandern gehen. Wir fahren in die Nähe von Eisenach zum Wanderparkplatz „Hohe Sonne“, der, im Gegensatz zu allen Parkplätzen, die dichter an der Wartburg liegen, kostenlos ist. Von hier aus wollen wir durch die Drachenschlucht wandern. Diese Wanderung habe ich vor einigen Jahren schon zwei Mal mit einer Gruppe von 30 jungen Erwachsenen gemacht und war beide Mal begeistert. Deshalb will ich die Drachenschlucht auch Florian zeigen.

Nachdem wir eine Weile durch den herbstlichen Wald gewandert sind, kommen wir zu einer Felsspalte, durch die ein Bohlenweg geht. Die Felsen sind mit dichtem, samtigem, dunkelgrünem Moos bewachsen und es ist tolles Gefühl zwischen diesen hohen Felsen hindurch zu gehen. Es ist wie im Urwald. Am Ende dieses eher kurzen Durchgangs sage ich zu Florian: „Ich glaube, das war die Drachenschlucht.“ Ich hatte sie allerdings anders in Erinnerung. In meiner Erinnerung war der Weg durch den Felsen viel länger und schmaler und wand sich, so dass man am Anfang noch nicht den Ausgang sehen konnte. Aber das hier war ja auch schön.

So wandern wir weiter durch den herbstlichen Thüringer Urwald. Immer wieder müssen wir auf den schmalen Wegen anhalten, um die endgegenkommenden Wanderer vorbei zu lassen. Es sind anscheinend Herbstferien, denn obwohl wir unter der Woche hier sind, ist einiges los und uns begegnen viele Familien.

Nach etwa einer viertel Stunde stehen wir plötzlich wieder vor einer Klamm. Dieses Mal ist der Weg viel schmaler und tatsächlich können wir am Anfang den Ausgang noch nicht sehen. Der Gang schlängelt und windet sich durch den Fels und hinter jeder Biegung könnte eine Überraschung lauern. Werden wir doch noch dem Drachen dieser Schlucht begegnen? Oft wartet hinter der nächsten Biegung aber nur Gegenverkehr, sodass wir uns auf dem schmalen Weg aneinander vorbei quetschen müssen oder einige der Haltebuchten in den Biegungen nutzen. Die 1,5 Meter Abstand, auf die am Eingang hingewiesen wurden, können wir zumindest nicht einhalten.

In dieser märchenhaften Schlucht gehen wir auf Gittern über dem kleinen Bach, der vor langer Zeit diese Furche in den Felsen gegraben hat. Der Weg wird immer schmaler, sodass man gelegentlich fast mit beiden Schultern an die samtig-grünen Mooswände kommt. Gut, dass die Felsspalte oben offen ist, sonst würde ich vielleicht Platzangst bekommen. Den entgegenkommenden Kindern erzählt Florian, dass sie am Ende krabbeln müssten, um weiter zu kommen. In manchen Augen glänzt die Begeisterung und Vorfreude, in einigen kann ich aber auch Ängstlichkeit und den Wunsch umzukehren erkennen, sodass ich gelegentlich Florians Aussagen wieder entkräftigen muss. Nach 10 Minuten in diesem abenteuerlichen, moosigen, sich windenden, schmalen Gang haben wir den Ausgang erreicht. Hier steht, neben einem kleinen Wasserfall, eine Infotafel, da hier laut Beschilderung der offizielle Eingang zur Drachenschlucht ist. Die schmalste Stelle wird dort mit 68 cm beziffert. Ich kann nur jedem, der die Drachenschlucht sehen möchte, empfehlen sie wie wir von der Rückseite aus zu durchwandern. So steigert sich diese abenteuerliche Wanderung im Laufe der Zeit und die schmalste und aufregendste Stelle wird nicht gleich zu Anfang durchschritten.

Von der Drachenschlucht wandern wir noch bis auf die Wartburg. Dort gibt es eine schöne Aussicht auf den umliegenden Wald und eine Ausstellung zum Leben zu Luthers Zeiten, allerdings auch einen eisigen, pfeifenden Wind. Eigentlich wollten wir von dort mit dem Bus wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt fahren, die ganze Wanderung hat uns aber nur zwei Stunden gekostet, sodass wir auf anderem Wege wieder zurück zum Van wandern. Wir gehen die Landgrafenschlucht entlang, die nicht mit der Drachenschlucht vergleichbar ist, sondern eher dem ähnelt, was man von einer Schlucht in einem deutschen Wald erwartet: ein breiter Weg durch den Wald und recht steile, felsige Wände die mit viel Abstand zu uns in den Himmel ragen. Auch schön. Leider verläuft die Landgrafenschlucht etwas in die falsche Richtung, sodass sich der Rückweg sehr hinzieht und wir hungrig und etwas durchgefroren wieder auf den nun fast leeren Parkplatz am Van ankommen.

Wir setzten uns in unser neues Zuhause und kochen direkt unser erstes Essen im Van. Leider funktioniert unser Elektroherd nicht. (Er zieht für unseren Wechselrichter zu viel Watt beim Anmachen, obwohl es anders angezeigt wird. Aber dazu vielleicht später mehr.) Zum Glück haben wir aber noch einen Gaskocher dabei. Das Essen schmeckt und da während wir essen immer mehr Wohnmobile auf den Parkplatz biegen, um hier anscheinend zu übernachten, beschließen auch wir einfach dort stehen zu bleiben.



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