Veröffentlicht: 21.06.2022
06. Juni 2022: Szeged, Pécs
J. Die Einreise in die EU hat länger gedauert, als alle bisherigen Grenzübertritte zusammen. Aber schließlich betreten wir hier ja gleich 27 Länder gleichzeitig, da muss es ja auch länger dauern. Nach etwa zwei Stunden Wartezeit präsentierten wir dem Grenzbeamten unseren Van. Ich musste mich dabei ein bisschen zusammenreißen, denn anders als alle anderen Leute, die unseren Van besichtigen, interessierte es sich nicht für die Beleuchtung, die Steckdosen, den Kühlschrank oder den Aufbau des Bettes, sondern nur für den Inhalt der Schränke. Er hat allerdings nur in die kleinen Schränke geguckt, theoretisch hätten wir bestimmt noch 5 Flüchtlinge schmuggeln können. Tatsächlich haben wir kurz vor der Grenze zwei große Gruppen junger Männer gesehen, die nicht aussahen, als ob sie über den offiziellen Grenzübergang gehen würden. Ich frag mich, ob sie es geschafft haben.
Mit zwei Stunden Verspätung erreichten wir gegen Abend unser erstes Ziel in der EU und in Ungarn: die Stadt Szeged. Obwohl wir noch nie in Ungarn waren, fühlte es sich für mich trotzdem irgendwie an wie nach Hause zu kommen. Die Stadt erinnerte mich sehr an deutsche Städte (vielleicht eher an Städte im Osten Deutschlands): Die großen, alten Häuser waren von außen mit Stuck verzierte; zwischen ihnen spannten sich die Oberleitungen der Straßenbahnen. Auf den Radwegen fuhren Studenten und andere junge Leute auf alten Rennrädern und gemieteten E-Rollern. Im Wasserspiel auf einem der Plätze liefen Kinder lachend durch die Fontaine und auf den Stufen am Flussufer saßen Freundesgruppen beim Bier zusammen. Die ganze Stadt war erfüllt von den Pophits der letzten Jahrzehnte, denn auf der anderen Flussseite gab ein DJ ein großes Konzert. Wir genossen die Atmosphäre dieser schönen Stadt.
Szeged liegt mitten in der Puszta, dem Outback Europas, das Land des weiten Himmels. Wir fuhren zwar ein wenig durch die Gegend, doch irgendwie fanden wir diese berühmte, große, weite, baumkarge Ebene nicht. Mich erinnerte die Landschaft eher an Norddeutschland. Vielleicht waren wir zu weit südlich für die Puszta. Dafür fuhren wir in die schöne Stadt Pécs. Pécs war 2010 europäische Kulturhauptstadt und hat im Zuge dessen ein ehemaliges Fabrikgelände zu einem riesigen, schönen Kulturzentrum gemacht. Die vielen Schornsteine und hübsch verzierten, alten Häuser der Porzelanfabrik teilen sich den Platz nun mit Konzerträumen, einer Musikschule, mehreren Spielplätzen, kleinen Geschäften und aller Hand anderem, das mit Handwerk, Kunst oder Kultur zu tun hat.
Auch die Innenstadt von Pécs hat viel zu bieten. Allen voran die Moschee-Kirche. Auf dem Hauptplatz der Stadt steht ein Gebäude, das von außen wie eine Moschee aussieht, tatsächlich aber eine Kirche ist. Die ehemalige Moschee aus der Zeit des osmanischen Reichs wurde in einer Kirche umgebaut. Im Inneren sind aber sowohl christliche, als auch muslimische Elemente zu erkennen und es ist dadurch ein wirklich schönes und sehr beeindruckendes Gotteshaus.
Tag 234 – Gesamttour 18.054 km
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