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Bei unserer Ankunft in Marseille hatten wir zunächst nicht den besten Eindruck von der Stadt. Wir wohnten im Altstadtviertel "Le Panier", was nicht die beste Idee ist, wenn man mit dem Auto anreist. Das Viertel ist von Treppen und schmalen Gassen durchzogen. Teilweise darf man nicht mit dem Auto fahren - und manchmal kann man nicht, weil alles so voll geparkt ist, dass ein größeres Auto wie unseres einfach nicht hindurch passt. 


Straße im Altstadtviertel "Le Panier"


Dann versagt auch noch Google bei der Navigation und wollte uns durch Straßen schicken, durch die wir nicht fahren durften. An einer Stelle verstopfte ein Lieferwagen die Durchfahrt und erwiderte unser Hupen mit einer sehr unhöflichen Geste... Am Ende einer Straße konnte wir kaum wenden, weil alles vollgeparkt war und dann kam uns auch noch ein Krankenwagen entgegen - in einer Straße, die wegen ihrer Breite besser eine Einbahnstraße hätte sein sollen, aber keine war.



Schließlich fanden wir dann doch noch einen Parkplatz in der Nähe unserer Wohnung, der aber so eng war, dass wir ganz französisch einparken mussten: Durch leichtes Schieben des Vordermanns manövrierten wir uns in die enge Lücke und verstanden nun, warum alle Autos in der Stadt zerkratzt und verbeult aussahen.


Blick auf Marseille


Am nächsten Morgen nahmen wir an einer "Free Guided Tour" teil, bei der der Stadtführer allein mit Trinkgeld bezahlt wird. Der freundliche Argentinier, der uns führte, berichtete dann auch sehr enthusiastisch von seiner Wahlheimat Marseille, so dass wir zusammen mit dem strahlenden Sonnenschein dann doch etwas warm wurden mit der Stadt.



Der Rundgang begann am "Vieux Port", dem alten Hafen, in dem viele Yachten vor Anker lagen und breite Fußwege zum Spazierengehen einladen.


Vieux Port


Hier gingen auch einst die Griechen an Land, die die Stadt um 600 v. Chr. gegründet haben sollen. Damit ist Marseille die älteste Stadt Frankreichs. Ein großer Teil des heutigen Geländes am Hafen war damals aber noch Wasser. Unterwegs sahen wir die Ausgrabungen des alten griechischen Hafens, der heute ein Stück weiter landeinwärts liegt.


Ausgrabungsstätte griechischer Hafen


Die älteste Straße Frankreichs, die als Prachtstraße in die antike Stadt angelegt wurde, kann man heute noch begehen. Allerdings erinnert natürlich inzwischen nichts mehr an die antike Besiedlung.



Nicht nur wurde eine komplette Straße unter Napoleon III. abgerissen und wie in Paris neu errichtet. Auch unter der deutschen Besatzung wurde ein ganzes Viertel mit etwa 2000 Häusern dem Erdboden gleich gemacht. Nur wenige Häuser wie das Rathaus blieben verschont.


Rathaus


Ein mittelalterliches Haus wurde ebenfalls erhalten. Da aber auch gleich die Straße verbreitert werden sollte, musste es versetzt werden. Dazu wurde das ganze Haus auf Schienen etwa 15 Meter verschoben.



Erkennen kann man das heute noch daran, dass die alten eingravierten Straßennamen nicht mehr mit den modernen Schildern übereinstimmen. Beim Versetzen wurde es auch gedreht und so steht der alte Straßenname jetzt auf der falschen Seite des Hauses.



Durch "Le Panier", das wir ja schon mit dem Auto und zu Fuß erkundet hatten, ging es weiter zu "Vieille Charité". im früheren Alten- und Armenhospiz befinden sich heute verschiedene Museen. Das Gebäude mit der dreistöckigen Galerie kann man aber kostenlos ansehen.


Vieille Charité


Auf dem Weg zurück zum Wasser kamen wir an der Kathedrale der Stadt vorbei. Sie wurde im 19. Jahrhundert im neobyzantinischen neu errichtet. Mit dem Neubau sollte allen Schiffen, die in Marseille landeten, klar gemacht werden, dass sie in eine christliche Stadt kommen.



Am Nachmittag fuhren wir mit einem Boot zum "Château d'If". Im 16. Jahrhundert wurde auf einer Insel vor Marseille eine Festung zum Schutz (und der Überwachung) der Stadt errichtet und dann immer weiter ausgebaut.


Château d'If


Später wurde sie auch als Gefängnis genutzt. Der wohl berühmteste Gefangene der Insel hat nie wirklich existiert: Alexandre Dumas lässt seinen Helden im Roman "Der Graf von Monte Christo" von dieser Insel fliehen, um Rache zu nehmen.



Die Zelle mit dem für die Flucht gegrabenen Tunnel kann man heute noch besichtigen. Wobei sie wohl eher für die Besucher präpariert wurde, die seit 1880 auf die Insel kommen konnten.



Mit dem Bus fuhren wir dann zum Wahrzeichen Marseilles: Der Kirche Notre-Dame de la Garde, die hoch über der Stadt thront. 



Die vergoldete Marienstatue auf ihrem Turm ist der höchste Punkt der Marseilles.



Von der Anhöhe hatte man auch einen schönen Blick auf die Stadt.




#marseille#frankreich#sabbatjahr
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