Once Upon A Dream
Once Upon A Dream
vakantio.de/once-upon-a-dream
Live Kroatien

Schotter bis zum Sternenhimmel

Veröffentlicht: 09.07.2026

Unterkunft
Kamp Stark Dud
Frei­camping
Radtour
Kamp Stark Dud → Tušila
Bosnien und Herzegowina
Tour
verstecktes Festival in den Bergen
Festival

Tag #66

Sonntag, der 05.07.

Von Kamp Stark Dud bis irgendwo kurz vor Tušila

Land: Bosnien u Herzegowina


Das war eine kalte Nacht, das hat mein Schlafsack jedoch gut regeln können.

Wie gestern Abend schon, das Zelt wird als erstes in der Sonne ausgebreitet.

Diesmal, damit es vom Kondenswasser trocknen kann, dann wird gefrühstückt.

Nach der Abfahrt wird eingekauft, zum Glück hat ein Lädchen geöffnet und es reicht für eine Zwiebel, neue Nudeln und Wasser.

Die Strecke passe ich etwas an, sodass ich auf der Hauptstraße bleibe.

Dadurch spare ich mir 300 Höhenmeter klettern über Schotter. Die Route führt später sowieso wieder auf dieselbe Straße.

Vielleicht hätte ich an einem Werktag anders entschieden, für den Sonntag erwarte ich mäßigen Verkehr und somit auch am Leben zu bleiben.

Und während ich durch die Schlucht radle, reicht mir der Blick auf die Felswand, um die Fahrt zu genießen.

Die Alternative wäre gewesen dort oben zu sein.

Und Aufstiege werde ich im Laufe des Tages noch genügend bewältigen müssen, zudem hab ich die Information, dass es so gut wie keinen Asphalt geben wird.

In den Tunneln, die für die Straße gegraben wurden, habe ich die volle Beleuchtung an, um mit allen Mitteln auf mich Aufmerksam zu machen.

Und bin dann etwas irritiert, als ich vor mir eine Person sehe, die zu Fuß auf der Strecke unterwegs ist.

Erst denke ich an einen Farmer, oder ähnliches, doch es ist Angel.

Ein Hippie aus Mexiko, unterwegs zu einem versteckten Festival, dass hier in den Bergen stattfinden soll.

Spannende Geschichte von der Regenbogenfamilie, doch das Angebot ihn zu begleiten lehne ich dankend ab.

Bin ja bereits seit ein paar Wochen auf der Anreise zu einem Festival nach meinem Geschmack.

Als ich anhalte, um ein Foto des Flusses, der inzwischen weit unter mir liegt, zu machen, hält ein Biker und fragt mich, ob ich Hilfe brauche.

Sehr nett und so bekomme ich immerhin noch die Bestätigung vom Einheimischen, dass ich in die richtige Richtung unterwegs bin.

Und so geht's weiter, jetzt tatsächlich konstant und anstrengend in die Höhe.

Zunächst noch über Asphalt, geht es bald über lose Steine, Geröll und Dreck weiter.

Und das ist eine offizielle Straße, unter anderem ist Sarajevo ausgeschildert. Und Schotter bleibt mir den Tag über, bis auf wenige Ausnahmen, in allen Facetten erhalten.

In der Mittagspause ziehen gemächlich ein paar Kühe an mir vorbei. Für die kein Problem, immer der Glocke hinterher, die laut am Hals des Ochsen baumelt.

Ganz anders dann der Typ, der kurz danach auf dem Fahrrad die Straße entlang kommt, und dabei seine Herde hektisch separiert.

Im nächsten Ort muss ich unbedingt die Gelegenheit nutzen, um im winzigen Laden einkaufen zu gehen.

Die Möglichkeiten sind hier rar gesät.

Eine Bikepackerin aus der Schweiz kommt aus der Gegenrichtung vorbei, während ich noch meine spärliche Ausbeute verstaue, und von ihr erfahre ich, dass das französische Pärchen vor mir ist.

Das weckt ein wenig meinen Ehrgeiz, doch muss ich mich weiter an Beppo halten, Hektik verursacht nur Stress und keinen Fortschritt.

So gibt's zwischendurch auch erst nochmal eine Pause.

Essen bringt die notwendige Energie, um mich überhaupt irgendwo hin zu bringen.

Über Schotterpisten geht es hoch, das ist anstrengend, und über Schotterpisten geht es runter, das ist nervig.

Anstatt was Strecke zu machen bin ich damit beschäftigt viel zu bremsen.

Im Bewusstsein, dass es nach dem tiefsten Punkt direkt wieder steil nach oben gehen wird.

Doch es ist vermessen sich eine Brücke vom einen Berg auf den anderen zu wünschen, Asphalt wäre ein netter Anfang.

Gern hätte ich noch die letzte Steigung komplett hinter mich gebracht, doch die Sonne geht bereits unter, wobei es in den Bergen keine Dämmerung gibt.

Die Sonne ist da, dann ist die Sonne weg.

Zum Glück finde ich einen Platz, der mir auf Anhieb zusagt.

In einer Kurve geht nach vorne ein alter Weg weg, durch einen Baum halb verdeckt, dem ich folgen kann.

Hinter der nächsten Biegung baue ich auch auf dem Weg mein Zelt auf.

Selbst 30 Jahre nach dem Krieg sind in BiH noch viele Landminen und es braucht noch ein paar Jahre, bis man die Wälder gefahrenlos betreten kann.

Das ich mir ein Abendessen koche, wird fast schon zur Gewohnheit.

Nudeln gibt's halt überall und sind eine nette Abwechslung zum täglichen Brot.

Zur Sicherheit entferne ich mich dafür von meinem Lagerplatz, damit der Essensgeruch was weiter weg ist.

Die Lebensmittel werden anschließend in einen Baum gezogen, da ich mich sehr abgeschieden in den Wäldern befinde.

Das verhindert auch jeglichen Empfang und es ist das erste mal, dass ich Jenni keine Nachricht schicken kann, dass es mir gut geht.

Zum Glück haben wir zuvor darüber gesprochen, dass die Situation höchstwahrscheinlich eintreten wird und sie ist entsprechend darauf eingestellt.

Später stelle ich mir die Frage, warum ich nur so wenig Kilometer gemacht habe.

Ein Blick auf die bewältigten Höhenmeter ist mir Antwort genug, dazu kommen dann noch die langsamen Abfahrten.

Beim Zelt verzichte ich auf das Überzelt, da ich im Zweifelsfall sehen können will, was sich im Zweifelsfall draußen so rum treibt.

Schnarchen wäre heute bestimmt praktisch, um auf mich aufmerksam zu machen und Tiere rechtzeitig über meine Anwesenheit zu informieren.

Doch abgesehen von ein paar Glühwürmchen bekomme ich keine Tiere zu sehen.

Das ist für mich völlig in Ordnung und so schlafe ich schlussendlich entspannt unter dem Sternenhimmel ein.

Song des Tages:

Dubioza Kokektiv - No Escape from Balkan 

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
1 Tag
Wetter
Sommer
Begleitung
Allein
AbenteuerlichAbseits der Pfade
  • Kalte Nacht im Zelt
  • Einkauf in einem winzigen Laden
  • Fahrt über Schotterpisten und durch eine Schlucht
  • Übernachtung unter dem Sternenhimmel
ZeltSchlafsackFahrradLicht
NaturRoadtripAbenteuer
Once Upon A DreamWie ein Newsletter: jeder neue Beitrag kommt per Mail.
Antworten (1)

Christinavor etwa 1 Monat
Und auch diesmal ein sehr schönes Bild von deinem Frühstück. Keine Banane. 10/10 Punkten (wobei in der Konstellation mit all den Sachen...). Ich muss immer lachen, wenn sich bei uns manche Leute fragen, ob eine Straße wirklich eine Straße ist, nur weil kein Asphalt drauf ist... Aber zum Radfahren, besonders bergauf und bergab, echt mies. Aber landschaftlich echt wunderschön. Ich drück alle Daumen und Zehen, dass du es zum Tolminator schaffst 💪 Du schaffst das 🙌

Bosnien und Herzegowina
Reiseberichte Bosnien und Herzegowina
Teil der ReiseOnce Upon A Dream