Schotter bis zum Sternenhimmel
Tag #66 Sonntag, der 05.07. Von Kamp Stark Dud bis irgendwo kurz vor Tušila Land: Bosnien u Herzegowina Das war eine kalte Nacht, das hat mein Schlafsack jedoch


Veröffentlicht: 10.07.2026

























Tag #67
Montag, der 06.07.
Von irgendwo bei Tušila bis Mostar
Land: Bosnien u Herzegowina
[Anmk.d.Red.: Nicko hatte alles fertig, dann versehentlich den gesamten Text beim kopieren gelöscht, da er es für eine gute Idee hielt den Bericht nach einem Bad im Meer mit nassen Fingern zu veröffentlichen. Einmal auf die Tastatur gekommen und alles durch ein o ersetzt. Dann die Hälfte neu geschrieben, um mal auf die Idee zu kommen, in den Nachrichten mit Jenni bereits eine erste Fassung gab. Ja. Also hat er beides zusammen gefügt und vllt ist es dadurch dezent länger geworden, als sowieso schon. Viel Spaß beim lesen.]
Die Nacht war entspannt und frei von tierischem Besuch, nur das Wissen um die Landminen verursacht ein mulmiges Gefühl.
Und das, obwohl es in dem Gebiet hier keine Warnschilder gibt und ich mich auf einem, wenn auch abgelegenen und ungenutzten, Weg befinde.
Als erstes gilt es die letzten Kilometer der steinigen Steigung von gestern zu absolvieren und trotz der frühen Stunde, es ist kurz nach acht, bricht mir bald der Schweiß aus.
Immerhin bin ich leichter unterwegs, es ist weniger Essen und Wasser, was ich transportiere.
Oben angekommen treffe ich auf einen schweizer Bikepacker, der aus der Gegenrichtung kommt und mindestens genauso tropft.
Nach einem kurzen Austausch geht's weiter.
Über Geröll runter, bedeutet also langsam rollen lassen und bremsen.
Den Ort Tušila lasse ich aus, da er bezüglich meiner Strecke eine Sackgasse ist, und biege direkt nach links ab, die nächste knackige Steigung liegt vor mir.
Noch ein letztes kleines auf und ab und schlussendlich bin ich oberhalb der Baumgrenze und auch am höchsten Punkt angekommen.
Zumindest bezogen auf die Straße.
Ein Stück höher befindet sich eine Fahne und ich lächel ob der Autofahrer, die dorthin gehen und für ein Foto posieren.
Zeit für eine Pause Schlussendlich bin ich oberhalb der Baumgrenze und auch am höchsten Punkt angekommen.
Von hier an geht's erstmal wieder lange runter.
Muss ja auch irgendwann mal so sein.
Doch zunächst steht eine Pause an, um den Moment zu genießen, umgeben von grünen Wiesen und einer ansonsten kargen Felsenlandschaft, die gleichzeitig wieder beeindruckend ist.
Wunderschön ist auch der Blick auf die vor mir liegenden Kurven, die eine grandiose Abfahrt versprechen.
Eine Gruppe von drei Frauen kommt vorbei, die, wie ich später erfahre, supported unterwegs sind, also einen Gepäcktransport haben.
Sie fragen mich noch, ob ich meinen Hut verloren habe.
Den habe ich bei einer kurzen Abfahrt gesehen, war allerdings zu schnell dran vorbei, um ihn einzusammeln.
Die Abfahrt ist dann auch großartig, bis ich wegen eines vor mir fahrenden Autos kurz anhalte. Der ist mir zu langsam.
Endlich rolle ich wieder über Asphalt, sodass es Spaß macht über die Straße zu gleiten und ich auch mal den Blick schweifen lassen kann.
Immer mit einem Auge nach vorne, das nächste Schlagloch kommt bestimmt.
Unterwegs treffe ich noch auf einen deutschen Bikepacker, und wir tauschen uns was aus.
Er warnt mich ebenfalls vor der Etappe, die auf dem TD (TransDinarica) hinter Mostar kommt und so bin ich immer überzeugter, auf den Ciro Trail Richtung Küste zu wechseln, auch wenn es bedeutet dann Richtung Süden abzudrehen, da es eine alte Bahnstrecke ist, die zum Radweg umgebaut wurde.
Und trotz des erwartbaren Urlaubverkehrs dort.
Erstmal geht es weiter und am Ende der Abfahrt gibt es ein kleines Lädchen, wo ich einkaufen muss.
Die Möglichkeiten sind hier rar gesät und es ist wohl die letzte Gelegenheit bis Mostar.
Und von dem Gedanken es heute noch bis dort zu schaffen, habe ich mich nach einem Blick auf das Streckenprofil heute Morgen verabschiedet.
So oder so ist klar, dass es von dort erst übermorgen weiter gehen wird und es sind noch immer gute 50km und einige Höhenmeter zu bewältigen.
Vor dem Geschäft sitzt ein Bikepacker aus England und es gibt die üblichen Fragen nach dem woher, wohin und überhaupt.
Er fährt schon mal weiter, während ich noch dabei bin meine spärliche Ausbeute zu verpacken.
Kurze Zeit später sehen wir uns wieder und da es Zeit ist für ein Mittagessen und hier ein Urlaubsdorf ist, kehren wir zusammen in einem Restaurant ein und setzen unsere Fahrt anschließend gemeinsam fort.
Wir einigen uns darauf eine längere Strecke um den See Boračko zu fahren.
Komoot will über Serpentinen im Wald in die Höhe, wir nehmen die längere Strecke des TD und sind sicher, dass wir uns einiges an Stress und Geschiebe ersparen.
Dennoch geht es über Geröll und lose Steine weiter in die Steigungen.
Oben muss er nochmal bei einem Bauern nach Wasser fragen und wir spekulieren, dass es genau der Farmer ist, von dem der Schweizer, den wir unabhängig voneinander getroffen haben, uns erzählt hat.
Sehr gastfreundlich und dabei auch sehr auf Tuchfühlung bedacht.
Wir fahren weiter und machen kurz drauf eine Pause mit einer unglaublichen Sicht in die Ebene und schroffe Felswände, die sich in der Ferne erheben, während sie von der Abendsonne angestrahlt werden.
Und dann gibt es endlich wieder Asphalt. Die Abfahrt auf Gravel wäre eine Katastrophe, so können wir in die Tiefe rasen, bevor es eine letzte Steigung zu bewältigen gibt.
Zu zweit unterwegs zu sein macht es deutlich leichter die Anstrengungen zu ignorieren und sich durch Gespräche abzulenken und so ist es eine angenehme Fahrt.
Schlussendlich gibt es einen Blick in die nächste Ebene.
Allerdings ist es sehr neblig und es hängt viel Rauch zwischen den Bergen, sodass die Sicht stark eingeschränkt ist.
Wir vermuten, dass es noch im Zusammenhang mit den Waldbränden der vergangenen Tage steht, die es hier gab.
Mostar rückt derweil in greifbare Nähe und wer aufmerksam war wird es bereits erahnen, wir buchen uns eine gemeinsame Unterkunft, da wir am frühen Abend in der Stadt sein können.
Bis dahin sind es nur noch knapp 30km über eine letzte lange Abfahrt, unterbrochen von Pausen, um die Bremsen abkühlen zu lassen, und einem flachen Stück, das uns in die Stadt bringt.
Nach dem Einchecken begebe ich mich noch zu Fuß in die Stadt, um erste Eindrücke aufnehmen zu können.
Außerdem will ich unbedingt Stari Most, die alte Brücke, sehen.
Alleine, da der Engländer in der Unterkunft bleibt.
Ichbmuss ihn weiterhin so bezeichnen. Wir verstehen uns gut, dich hat bisher keiner von uns beiden Anlass gesehen, dass wir uns namentlich vorstellen.
Als ich im Zentrum eine Bar finde, schreibe ich einen weiteren Bericht, die Fußballübetragung ignorierend, ehe ich in die Altstadt gehe.
Inzwischen ist es so spät, dass ich dort fast alleine unterwegs bin und vom Fluss aus den Blick auf das Wahrzeichen der Stadt bewundern kann.
Dann ist es dringend Zeit fürs Bett.
Der Tag war lang und anstrengend, nachdem ich meinen bisherigen Kletterrekord nochmal überboten hab.
Song des Tages:
Infiltrator - Remnants of Battle
