Ab durch die Mitte
Tag #71 Freitag, der 10.07. Von Vojskovo bis Trogir Land: Kroatien Der Tag beginnt entspannt, bis ich feststelle, dass mir meine Hülle für die Hängematte fehlt.


Veröffentlicht: 15.07.2026




















Tag #72
Samstag, der 11.07.
Von Trogir bis Vrana
Land: Kroatien
Obwohl ich recht strukturiert vorgehe und das Frühstück zur Hälfte beim einpacken esse, dauert es seine zwei Stunden, bis ich im Sattel sitze.
Kurz geht es entlang der Hauptstraße, bis ich dann abgeschiedener in Richtung der Berge fahre.
Mehr Höhenmeter für weniger Verkehr ist ein annehmbarer Kompromiss.
Bis ich auf eine Schotterstraße abbiege, die mich vorbei an Olivenbäumen weiter bringt.
Es ist ein tolles Geholper, das den ganzen Körper durchschüttelt.
Werden die Arme schön gelockert.
Manchmal gibt es sogar Radwegeschilder, entweder für lokale Wege, oder gelegentlich ist auch der EuroVelo ausgeschildert.
Zum Glück hab ich mein Navi, so ist es immer noch am einfachsten und sichersten der Route zu folgen.
Vereinzelt komme ich durch Dörfer und bin fasziniert von manchen alten Dächern die noch mit dicken Schieferplatten gedeckt sind.
Damit meine ich dicke Steine und es ist kein Wunder, dass einige eingefallen sind.
Und während ich durch die Gegend radel drängt sich der Gedanke auf, dass sich langsam das Ende der Tour nähert.
Was einerseits schön ist, da Jenni und ich uns wiedersehen werden und es mit einer großen Gruppe an Freunden noch das Festival gibt.
Andererseits ist die Reise großartig. Angefangen von grandiosen Landschaften und vielen netten Menschen, denen ich begegnet bin bis hin zu glücklichen Momenten, weil es wieder einmal eine rasante Abfahrt gab.
Und damit geht auch einher, dass ich mir Gedanken zu der weiteren Route machen muss, um zeitig beim Tolminator sein zu können.
Aktuell ist die Prämisse ein bisschen darauf ausgerichtet Kilometer zu machen.
Die immer wieder auftauchenden Schotterwege erschweren dabei die Planung, vor denen ich heute immerhin weitestgehend verschont bleibe.
Was mir definitiv hilft ist der ordentliche Rückenwind, der mich anschiebt.
Und richtig schnell wird es bei einer grandiosen Abfahrt mit einem unfassbaren Blick in die Bucht von Grebaštica, die unter mir liegt.
Was sich bald ändert und als ich am Wasser ankomme mache ich erstmal eine Pause.
Als ich losfahren will stelle ich fest, dass der Fall eingetreten ist, den ich für fast unmöglich gehalten habe, ich habe einen Platten im Vorderreifen.
So viel zu meinen tollen Plänen ordentlich Kilometer zu machen.
Also ab auf den Strand, um Platz zu haben für die Reparatur.
Der sich schon gut geleert hat, da ein Gewitter aufzieht.
Und nachdem ich mein Werkzeug auf dem Handtuch verteilt habe und mit dem Schlauch im Meer nach dem Loch suche, kommt der Platzregen.
Schnell frage ich im Strandcafé, wo sowieso wenig los ist, ob ich mich dort ausbreiten kann.
Was kein Problem ist und so kann ich mich bei einem Kaffee weiter um mein Problem kümmern.
Aus dem Mantel entferne ich seitlich eine Dorne und stelle fest, dass zusätzlich das Profil bereits sehr porös und die Schutzschicht darunter zu sehen ist.
Es ist kein Loch zu finden und ich entscheide einfach den Ersatzschlauch einzusetzen.
Ein Gast ist beim gehen schnell dabei, vielleicht etwas übereifrig, hilfsbereit den Mantel mit auf die Felge zu ziehen.
Interessant die Frage, warum ich denn keinen Schlauch von xy drauf habe.
Habe ich, doch auch der kann seine Schwachstellen haben.
Nach dem Prinzip Hoffnung, dass die Schutzschicht schon halten wird, kann es endlich weiter gehen.
Das Städtchen Sibenik, durch welches ich fahre, ist sehr schön an der Küste gelegen und die Altstadt schwingt sich den Berg bis zur Burgruine hinauf.
Doch für mich muss es weiter gehen und damit das auch funktionieren kann halte ich noch kurz an einer Bäckerei für einen Börek und Cola, um die nötige Energie dafür zu haben.
Was sich allerdings als mühsam herausstellt.
Grundsätzlich komme ich zügig voran. Die Straßen sind gut, es gibt ein angenehmes auf und ab und ich hab weiterhin Rückenwind.
Nur leider verliert der Reifen konstant ein bisschen Luft, sodass ich alle paar Kilometer anhalten und pumpen muss.
Um das Problem möchte ich mich in Ruhe kümmern, wenn ich einen Campingplatz gefunden habe.
Mit einer Änderung der Strecke gibt es einen günstig gelegenen.
Sowieso habe ich vor einen Bogen des EuroVelo auszulassen, die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist halt immer noch eine Gerade.
Auch wenn ich dadurch in Kauf nehmen muss Zadar zu verpassen, welches ebenfalls Teil des UNESCO Welterbes ist.
Ebenso, wie die Schotterpiste, auf die ich kurz danach abbiegen muss.
Alles hat seinen Preis.
Das es hier dennoch eine Art Infrastruktur für Fahrräder gibt zeigt sich an der Reparaturstation, an welcher ich vorbei komme.
Beim einchecken auf dem Campingplatz frage ich noch nach einem Eimer mit Wasser, damit ich meinen Platten flicken kann und bin etwas über die Irritation des Menschen an der Rezeption verwundert, wie Wasser mir bei meinem Problem helfen soll.
Eine kurze Erklärung bringt die Erleuchtung.
Zuerst das Zelt aufbauen, damit mein Nachtlager steht, dann werden die beiden Schläuche heraus geholt.
Die Löcher sind an unterschiedlichen Stellen, was mir sonderbar vorkommt.
Bei Schlauch 1 ist es auf der Außenseite und wird von dem Dorn verursacht worden sein, den ich bereits herausoperiert habe.
Bei Schlauch 2 ist das Loch auf der Innenseite, also inspiziere ich sorgfältig die Felge, doch da ist alles glatt, so wie es sein soll.
Da es zwei kleine Löcher nebeneinander sind vermute ich, dass es entstanden ist, als mit schneller Hilfe der Mantel über die Felge gezogen wurde.
Guter Wille ist manchmal nur das und nachdem ich beide Stellen geflickt habe, wird der Mantel sorgfältig und mit Bedacht aufgezogen.
Hoffentlich bleibt die Luft jetzt dort, wo ich sie haben will.
Ich mache noch einen Spaziergang zum See, doch da es bereits dunkel ist fällt der kurz aus und es geht zurück zum Zelt, um mir mein Abendessen zu kochen.
Zur Abwechslung gibt es mal wieder Nudeln, bevor ich endlich ins Zelt krabbeln kann.
Song des Tages:
Human Waste - Agony Euphoria
