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In den Wolken

Veröffentlicht: 10.11.2023

Für mich haben Nebelwälder immer etwas mystisches, märchenhaftes.  Hier könnte das zu Hause von Feen und Elfen sein, die auf ihren Einhörnern durch die Wälder streifen. 

Heute machen wir uns auf nach Monteverde. Die Nebelwälder stehen auf unserem Plan. 

Von Manuel Antonio aus sind es ca. 200 km  bis in die Region Monteverde. Früh am Morgen begeben wir uns auf die Reise. Unterwegs sehen wir die Arbeiter, die mit ihrer Ausrüstung auf die Palmöl Plantagen fahren. Diese Plantagen sind, genau wie die Ananas Felder, Fluch und Segen zugleich für das Land. Die Monokultur und der Einsatz von Pestiziden verdirbt die Böden und stört empfindlich das fragile Gleichgewicht der Umwelt Costa Ricas. Aber die Welt ist gierig nach Palmöl und hat Appetit auf Ananas und so kann selbst ein so umweltbewusstes Land wie Costa Rica nicht anders als die Collateralschäden, die der Anbau mit sich bringt hinzunehmen. 

Die Landschaft, die an uns vorüberzieht, ist atemberaubend. Manchmal denke ich, als Gott das Paradies erschaffen hat, war er genau hier in Costa Rica. 

Die letzte Stunde unserer Fahrt kommen wir nur langsam vorwärts. Eine Höhe von 1300 Metern will bewältigt werden, auf einer sehr schlechten und engen Strasse.  Die Aussicht ist traumhaft. Aus den Wäldern steigt der Nebel. Grüne Täler werden von hohen Bergen gesäumt.

Wohlbehalten erreichen wir Monteverde und Henry, unser Guide ,begrüsst uns bei strahlendem Sonnenschein. " Heute ist der erste Tag der Trockenzeit" sagt er ,das Wetter wird grossartig heute. Genau das wollten wir hören. Los gehts, der Nebelwald wartet. Wir starten unsere Wanderung ,nachdem ich, dem Rat Henrys folgend Regenmäntel für mich und meinen Mann gekauft habe. " Wenn das Wetter grossartig wird, warum brauche ich dann Regenmäntel, überlege ich kurz. Aber ich habe keine Zeit, weiter darüber nachzudenken. Wir wollen los.

Wir tauchen ein in diese magische Welt aus riesigen Farnen und bemoosten Bäumen, Der Nebel zieht durch die Bäume, die Sonne durchbricht immer wieder den Wolkenschleier und machmal stelle ich mir vor, dass gleich eine kleine Elfe unseren Weg kreuzt. Meine Träumereien werden immer wieder durch die Erklärungen von Henry unterbrochen. Wir erfahren viel über den Nebelwald und wagen uns immer weiter hinein in diese zauberhafte Welt. 

Eine Stelle des Waldes ist mit einem grünen Band abgesperrt. Hier, so erklärt Henry, wurden mehrere Quetzale gesichtet und man gehe davon aus, dass hier Nester zu finden seien. Der Quetzal ist der wohl schönste Vogel der Welt. Mit seinem wunderschönen Gefieder und seinem überdimensionalen Schweif ist er für diesen Märchenwald, wie geschaffen. Wie gerne würde ich dieses hübsche Tier sehen, aber der unglaublich scheue Vogel zeigt sich uns leider nicht.  

Mittlerweile sind wir bereits mehr als zwei Stunden unterwegs. Die Regenjacken waren eine gute Investition, denn immer wieder geht ein Regenschauer nieder. 

An einem Wasserfall, erklärt unser Guide, dass die Aussichtsplattform, auf der wir stehen aus recyceltem Plastik besteht. Warum kommt in Deutschland niemand auf diese Idee der Wiederverwendung von Plastikmüll. 

Nach drei Stunden verlassen wir den Nebelwald mit schmerzenden Füssen, denn das Laufpensum war enorm. 

Wir stärken uns in einem kleinen Restaurant und Henry bietet uns an, uns in die Vista Verde Lodge, unserer Unterkunft für diese Nacht, zu begleiten, um uns den Weg zu zeigen. Er schwärmt davon, wie unglaublich schön gelegen die Lodge wäre, mit traumhaften Ausblicken auf den Vulkan Arenal und den Arenal Lake. Wir freuen uns und nehmen gerne den matschigen von Schlaglöchern durchzogenen Weg auf uns. Oben angekommen, sehen wir zunächst absolut nichts. Der Himmel öffnet seine Schleusen und die Regenwand scheint undurchdringlich. Hatte unser Guide nicht gesagt, heute beginnt die Trockenzeit ????

Henry verabschiedet sich bis zum morgigen Tag, an dem wir die Nebelwälder Santa Elenas mit ihren riesigen Hängebrücken besichtigen wollen. 

Auf unserem Weg zur Rezeption, begleitet uns ein Hund, der uns freudig empfängt. 

Irgendetwas erscheint uns allerdings merkwürdig. Kein Auto ist auf dem Parkplatz zu sehen und das Restaurant sieht durch das Fenster aus, als wenn es seit Jahren nicht benutzt worden wäre.   Wir wollen die Rezeption betreten, Fehlanzeige. Die Tür ist verschlossen. Wir rufen und klopfen an jede Tür immer begleitet von dem Hund, der aufgeregt um uns herumschwänzelt und in seiner Aufregung nicht erkennt, dass es sich beim Bein unserer Freundin nicht um das Hinterteil einer Hundedame handelt. 

Einige Türen des Gebäudes stehen offen. Was früher komfortable Betten waren, sind jetzt abgenutzte Gestelle ohne Matratzen. Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass dieses Hotel, welches ich vor einiger Zeit gebucht habe, nicht mehr in Betrieb ist. Im nahegelegenen Gebäude findet mein Mann zwei Zimmer, in denen tatsächlich die Betten gemacht sind. 

Wo aber ist der Besitzer und seine Angestellten. Der Regen, der wie eine Wand erscheint, weckt in mir die Erinnerung an so manche Horrorfilme, die ich gesehen habe. Hier werde ich auf keinen Fall übernachten, selbst wenn ich einen Ausblick auf den tausende Kilometer entfernten Mount Everest hätte.

Ich will augenblicklich zurück in meine paradiesische Villa in Manuel Antonio. Meine Mitstreiter sehen das ähnlich. Also nix wie weg hier. Wir lassen den Hund traurig und allein zurück. 

Wir machen uns also auf den Heimweg. Henry unser Guide beteuert uns, dass er nicht gewusst hätte, dass das Hotel geschlossen ist. Ich kann ihm nicht so ganz glauben. 

Die Rückfahrt ist lang und der Regen will nicht enden. Wir kommen aber wohlbehalten "zu Hause" an und fallen totmüde in unsere Betten. Morgen werden wir faulenzen so viel steht fest. 

P.S.Natürlich habe ich dem Besitzer des Hotels eine bitterböse email geschrieben. 

Er beteuerte mir, dass wir uns lediglich um eine Stunde verfehlt hätten und sein Hotel sehr wohl in Betrieb sei. 



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