Welcome to the Sunshine State
Vor 20 Jahren fragte mich eine Kollegin einmal:" Ihr reist so viel, wollt ihr nicht auch mal in die USA?" Damals kam, wie aus der Pistole geschossen ein klares Nein. An den USA...

Veröffentlicht: 22.11.2023
Heute ist mein Geburtstag. Yeah, happy birthday to me.
Wie in jedem Jahr, verbringe ich diesen Tag mit den Menschen, die mir am wichtigsten sind. Jedes Jahr machen meine Familie und ich einen schönen Ausflug.
In diesem Jahr, habe ich mir ein Ziel ausgesucht, dass seit Jahren auf meiner Liste, der Orte, die ich einmal sehen möchte, steht. Wir fahren nach Cape Canaveral, dem wohl bekanntesten Weltraumbahnhof der Welt.
Von unserem Haus erreicht man das Kennedy Space Center in ca. 2 Stunden. Das sagen das Navigationsgerät und auch Google Maps übereinstimmend. Das ist die Theorie. In der Praxis sieht es aber ganz anders aus. Jeden Morgen bildet sich rund um Orlando eine wahre Blechlawine, die über den Highway rollt und jegliche Zeitplanung pulverisiert. Mir scheint, dass es eine patriotische Pflicht eines jeden Amerikaners ist, täglich mindestens 3 Stunden mit dem SUV im Stau zu stehen.
Nach einer schier nicht enden wollenden Fahrt sehen wir dann das erste NASA Gebäude. Wir haben es geschafft. KSC ( Kennedy Space Center) here we are. Da die Anlage riesig ist und wir so viel wie möglich sehen wollen, habe ich im Vorfeld eine Explorer Tour gebucht, die uns auch an Plätze bringt, die man zu Fuss nicht erreicht.
In den 50iger Jahren guckten die Amerikaner in Sachen Weltraum ziemlich dumm aus der Wäsche. Trotz der viel gepriesenen Überlegenheit der USA waren es die Sowjets, die den ersten Sputnik und später den ersten Menschen ins Weltall brachten. Alle Versuche der Amerikaner gleichzuziehen ,scheiterten kläglich. Nun könnte man sagen, nehmt es sportlich, man kann nicht immer gewinnen. Aber bei den Weltraummissionen ging es natürlich nicht um einen olympischen Wettkampf. Der kalte Krieg lief auf Hochtouren und man befürchtete , dass aus dem All auch Angriffe des Gegners erfolgen könnten. Daher musste man unbedingt zumindest einen Status Quo erreichen.
1961 bat der junge amerikanische Präsident John F Kennedy den Senat um erhebliche finanzielle Mittel für ein Projekt, dass es so noch nie gegeben hatte. Er wollte einen Menschen auf den Mond schicken. Der Senat bewilligte die Mittel, sicher auch aus Sorge, dass die Russen ihren Vorsprung in der Raumfahrt weiter ausbauen könnten.
Mit seiner legendären Rede, die in etwa so ging:" Wir werden noch in diesem Jahrzehnt zum Mond fliegen. Nicht weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist.", hatte er auch die Bürger seines Landes in der Tasche.
Erster Stopp während unserer Tour ist der Ort, wo Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins am 16.7. 1969 das Raumschiff Apollo 11 bestiegen und das Unmögliche möglich machten. Sie landeten auf dem Mond. Millionen Menschen saßen damals vor den Radios und den Schwarz-Weiss Fernsehern und hörten die berühmten Worte :" Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein grosser Schritt für die Menschheit." Ein wenig Gänsehaut habe ich schon, als ich die Startrampe sehe. Hier wurde Weltgeschichte geschrieben. Alle Flüge des Mercury und des Apollo Projektes starteten von hier.
Weiter geht unsere Fahrt, vorbei an den Hallen von Space X , dem Weltraumprojekt von Elon Musk, dem Tesla Mann. Heute ist ein Start einer seiner neuen Rakete geplant, erfahren wir. Der erste Start war nicht erfolgreich, nun hofft das Team des Milliardärs auf einen besseren Verlauf.
Wir erfahren auch, dass Cape Canaveral eine Mission Control hat, die nur für die Starts zuständig ist. Die Kontrolle über die eigentliche Weltraummission hat dann Houston. Weiter erzählt der Guide, dass von Cape Canaveral Raketen in eine äquatoriale Umlaufbahn gebracht werden. Es gibt eine weitere Umlaufbahn um die Pole, die von Südamerika gestartet wird.
Wir fahren an riesigen Bahnen vorbei, auf denen die Raketen zur Startrampe transportiert werden. Gigantische Ausmaße hat das alles. Bald erreichen wir die Startrampe, an der sich eine der grössten Tragödien der Raumfahrt abgespielt hat.
Der 28.Januar 1986 war ein frostiger Morgen in Florida. Lange war unklar, ob das Spaceshuttle Challenger aufgrund der widrigen Bedingungen starten könnte, doch die Ingenieure gaben ihr Go für den 25. Flug des Shuttles. An Bord erstmals eine Amateurastronautin. Eine Grundschullehrerin, die ihre Klasse aus dem All unterrichten wollte. Nur wenige Sekunden nach dem Start zerbarst das Raumschiff und stürzte in den Atlantik.Alle sieben Astronauten kamen ums Leben. Durch den Frost war ein Dichtungsring porös geworden. Dadurch trat eine Stichflamme aus, die den Haupttank explodieren lies. Ich sass damals geschockt vor dem Fernseher und konnte gar nicht begreifen, was da gerade geschehen war.
Dem legendären Spaceshuttle ist eine ganze Halle gewidmet. Nach einem hollywoodreifen Film über die Entwicklung des Shuttles, öffnen sich die Türen dann für dieses Meisterwerk der Technik. Ein nächster Gänsehautmoment. Ein echtes Spaceshuttle, direkt vor unseren Augen. Unglaublich. Unsere Enkeltochter darf im Cockpit des Shuttles sitzen, auf eine Raumfahrertoillette gehen und sieht, wie ein Astronaut schläft und ihr Entschluss steht fest: Ich werde auch Astronaut, sagt sie. Warum nicht. Nichts ist unmöglich.
Vielleicht startet sie dann ja von einer der Startrampen hier im Cape Canaveral zum Mars, denn das ist das nächste grosse Projekt der NASA.
Zuvor, wird aber das Mondprojekt wieder aufgenommen, in ca. 5 Jahren, sollen Menschen dauerhaft auf den Mond gebracht werden.
Die Zeit im Kennedy Space Center vergeht wie im Flug. Es wird schon dunkel, als wir uns auf den Heimweg machen, glücklich, zufrieden und mit vielen neuen Informationen rund um die Raumfahrt.
Morgen dann hat unsere Enkeltochter ihren Tag.
Mickey und Minnie haben geladen.
P.S. Auch der zweite Start der Rakete von Elon Musk misslang. Die Rakete explodierte kurz nach dem Start( Gott sei dank unbemannt)