Welcome to the jungle
Heute begeben wir uns in eine der entlegensten Orte Costa Ricas. Die Osa-Halbinsel liegt am südlichsten Zipfel des Landes und gilt als einer der aussergewöhnlichsten Regionen...

Veröffentlicht: 15.11.2023
Es gibt einige Orte auf dieser Erde, die ich in meinem Leben sehen möchte.
Einer davon ist der Corcovado Nationalpark. Dieser Park gilt laut National Geographic als der Ort mit der grössten Biodiversität der Erde.
Auf 164 Quadratkilometern, findet man 5 Prozent der weltweiten Artenpopulation. Der Corcovado ist die Heimat von Tapiren, Pumas, Ozeloten, 4 verschiedenen Affenarten, Reptilien, Fröschen, Vögeln, Fischen und Insekten.
Bei unserer letzten Reise nach Costa Rica hatten wir nicht das Glück, dieses Paradies für Tierfreunde zu erleben. Aber in diesem Jahr ist es nun endlich soweit.
Um 4.00 Uhr holt uns William unser Guide, vom Haus ab. William gilt als absoluter Experte für diese Region und sogar die Universität San Jose, fragt den Naturguide oftmals um Rat. Warum trägt William Gummistiefel, denke ich. Wir wollen doch einen Hike machen und nicht fischen gehen. Die Antwort sollte ich sehr bald erhalten.
William ist froh, dass ich etwas spanisch spreche, denn er selber hatte nie die Chance, englisch zu lernen, da er keine Schule besuchen konnte, in der englisch gelehrt wurde.
Ziemlich müde besteigen wir unser Auto und William weist uns den Weg. Es geht auf einer Holperpiste durch die Nacht. Aus dem Augenwinkel sehen wir etwas über die Strasse huschen. William bedeutet meinem Mann anzuhalten. Bewaffnet mit der Taschenlampe wage ich mich in die Nacht hinaus. Ein Caiman hat unseren Weg gekreuzt. Er ist deutlich kleiner als seine Verwandten die Krokodile. Das erste Mal sehe ich einen Caiman in freier Wildbahn. Alle sind begeistert aber schnell gibt uns William zu verstehen, dass wir weiter müssen.
Da unser Guide beste Kontakte zu den Verantwortlichen des Corcovado hat, ist es uns erlaubt, bereits drei Stunden vor der Öffnung des Nationalparks das Gelände zu betreten und so erreichen wir gegen 5.00 Uhr den Strand, der schlichtweg unbeschreiblich ist. Der Dschungel reicht bis ans tosende Meer. Die Wellen türmen sich auf. Die aufgehende Sonne taucht alles in ein magisches Licht. Ja dieser Ort ist einzigartig und wir haben ihn ganz für uns alleine. Wir wandern am Strand entlang und sehen unzählige Aras, die in den Bäumen sitzen, Nasenbären, die nach Schildkröteneiern im Sand suchen und sehr schnell fündig werden und immer wieder bestaunen wir die unbändige Kraft der Wellen, die sich tosend brechen.
Wir wandern am Strand, vor uns liegen kleine Bäche, die durchquert werden müssen und die uns vor die Entscheidung stellen , nasse Füsse in den nassem Trekkingschuhen oder nasse Füsse mit Sand in den trockenen Trekkingschuhen. Spätestens jetzt wissen wir, warum Gummistiefel heute das Schuhwerk unserer Wahl hätte sein sollen. Nicht nur unsere Schuhe sind nass, auch wir gleichen durch die hohe Luftfeuchtigkeit einem vollgesogenen Schwamm.
Nach 45 Minuten erreichen wir die Rangerststion La Leona und damit einen der drei Zugänge zum Nationalpark. Endlich eine Pause, um etwas zu essen und sich den Schweiss vom Körper zu wischen.
Auf gehts.,Tapire, Pumas und Ozelote wir kommen.
Der Dschungel des Corcovado verschluckt uns. Hier drinnen herrscht ein Klima, wie in einer Sauna.,Die Luftfeuchtigkeit liegt bei nahe 100 Prozent. Der Schweiss läuft in reissenden Strömen an mir herunter. Es ist unbeschreiblich. Wir wandern durch tiefsten Dschungel und finden zunächst nichts. Nicht ein Tier kreuzt unseren Weg. Auch die Tapirspur, die unser Guide findet, ist kalt. Ich glaube, auch William ist ziemlich verzweifelt, als wir den Dschungel verlassen und am Strand eine kurze Rast machen. Bis jetzt scheint es, als wenn die Tiere sich gegen uns verschworen haben. Teil zwei des Walks steht an, wir werden in den nächsten Teil des Dschungels wandern, beschliesst William und watet bereits im knietiefen Wasser, dass uns von diesem Teil trennt. Wir rennen wie aufgescheuchte Hühner umher, auf der Suche nach einer seichten Stelle für die Durchquerung des Flusses. Keine Chance, entweder kriegen wir alle nasse Füsse und Schuhe oder wir kapitulieren, so wie es eine unserer Mitstreiterin bereits getan hat. Sie ist den Strapazen der Wanderung nicht gewachsen und beschliesst umzukehren, um am Auto auf uns zu warten.
Was machen wir. Wir beratschlagen uns, während William geduldig am anderen Ufer wartet. Da eine Durchquerung des Flusses ohne Schuhe aufgrund der grossen Steine im Wasser zu gefährlich erscheint, schwenken wir die weisse Flagge. Corcovado wir ergeben uns.
Unser Guide versteht unsere Bedenken und wir wandern auf dem selben Trail zurück, auf dem wir gekommen sind. Bemitleidenswerte Kreaturen, die schwitzend über Stock und Stein stolpern, Bäche durchqueren und immer erschöpfter sind. Tatsächlich scheint uns das Glück an diesem Tage nicht ganz verlassen zu haben, denn wir sehen Spidermonkeys, Kapuzineraffen, Squirrler Monkeys und eine grosse Nasenbärfamilie. Und zuguter letzt erklimmt ein Ameisenbär vor uns einen Baum auf der Suche nach Termiten.
Wir bewältigen an diesem Tag ein Laufpensum von 10 km unter tropischen Bedingungen und kommen erstmals während dieser Reise an unsere körperlichen Grenzen. Sehr bald verstehen wir, dass ein solcher Hike in einer derart anspruchsvollen Umgebung mehr als die körperliche Fitness eines Couchpotatoes erfordert.
Mit schmerzenden völlig durchnässten Füssen und "krummem" Rücken besteigen wir unser Auto und sind trotz allem glücklich.
Wir haben eines der letzten grossen Naturparadiese dieser Erde erlebt. Was kümmert da der kommende Muskelkater.
Eine kleine Belohnung habe ich für die tapferen Naturkundler noch. Ich habe einen Tisch zum Abendessen, in der schönsten Lodge der Osa Halbinsel dem Lapa Rios bestellt. Bei unserem Dreigängemenü in wunderschöner Umgebung, lassen wir den Tag Revue passieren. Der Corcovado hat nicht alle seine Juwele offenbart, die er beherbergt, aber was wir gesehen haben war unbeschreiblich schön.
Corcovado ein magischer Ort.