Go Wild
Das Tulemar Resort ist wie ein grosser Tiergarten. Affen turnen auf den Bäumen, Aras fliegen majestätisch durch die Luft und Faultiere tun das, was sie am liebsten tun, sie sind...

Veröffentlicht: 09.11.2023
Wenn man in Länder mit tropischem Regenwald fährt, ist eine Nachtwanderung im Dschungel ein Muss, sagen erfahrene Guides.
Nun muss ich gestehen, dass ich zu Wanderungen bei Nacht über Stock und Stein ein sehr gespaltenes Verhältnis habe. Man wandert in ein Gebiet, dass vor Raubtieren nur so wimmelt, nur bewaffnet mit einer Taschenlampe.
Da der Rest unserer Truppe aber unbedingt den Indiana Jones mimen will, schliesse ich mich widerwillig an.
Berny unser Guide, der wie der kleine Bruder von Christiano Ronaldo aussieht, holt uns von unserer Villa ab und los gehts in Richtung schwarzer Hölle.
Berny fragt nach unseren Erwartungen für die Tour. Da ich nicht gestehen will, dass ich heute Nacht erwarte ,von einer Schlange gewürgt und von einer Tarantel gebissen zu werden, sage ich nur, ich habe etwas Angst.
Dont worry, ist die Antwort unseres Sunnyboys.
Wenn Du wüsstest, denke ich noch, als die Party auch schon los geht. Um mich vor ersten Attacken giftiger Käfer, Würmer und Spinnen zu wappnen, ziehe ich mir mein knielanges Regencape an. Wir haben 28 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von nahe 90 Prozent und sehr bald könnte ich einen Swimmingpool mit meinem Schweiß füllen. Aber Sicherheit geht vor.
Ich checke kurz die Taschenlampe, die uns der Guide mitgebracht hat. Sie scheint in Ordnung. Aber getreu dem Motto, traue nie einer Taschenlampe, die ein Guide dir gibt, tausche ich sie durch meine eigene Lampe aus.
Die ersten Tiere, die wir sehen, sind wunderschöne Frösche. Es ist unglaublich, was die Natur für Farben hervorbringt.
Alle wollen natürlich das perfekte Bild und so halten wir an jedem Frosch eine gefühlte Ewigkeit an, bevor es weitergeht. Unbemerkt von den anderen, checke ich mit meinem Scheinwerfer in Taschenlampenformat die Umgebung ab, ob sich irgendwo eine Spinne oder ein Caiman für den Angriff auf mich rüstet. Noch scheine ich sicher zu sein.
Die wahren Angreifer sind meine Mitstreiter, die die Frösche belagern, beim Versuch, das perfekte Bild zu erhaschen. Das perfekte Bild ist mir ziemlich wurscht. Mein Motto lautet, Tier anschauen, Umgebung checken, weitergehen, um so schnell wie möglich wieder ans Licht zu kommen.
Was sehen wir noch in dieser Nacht? Ein paar kleine Spinnen, ein paar Schmetterlinge und ja, halt Bäume und Sträucher.
Ausserdem sehen wir ein Opossum das an einem Baum chillt. Als wir wenig später wieder am gleichen Baum vorbei kommen, sieht das Opossum nicht mehr so gechillt aus, eine Schlange hat ihn offensichtlich angegriffen. Na Klasse, eine Schlange, die scharf auf Säugetiere ist, ganz in meiner Nähe.
Nächster Stopp, gibt uns der Guide zu verstehen, sind die Krokodile und Caimane.
Ernsthaft? Wir sind doch schon gefühlte 24 Stunden im Dschungel, fluche ich in mich hinein. Da ich aber weiss, dass die Tiere hier in einer Rescue Station gehalten werden, halte ich die Gefahr für eher gering.
Bombero, der 80 jährige Krokodilmann liegt träge in seinem Becken und Eleonora die Krokodildame scheint auch kein Interesse zu haben, einen Touristen zu verspeisen. Also ist dieser Teil der Wanderung eher unspektakulär.
Am Ausgang wuseln noch einige kleinere Krokodile herum, die das Ergebnis eines spektakulären Ausbruchs von Bombero aus seinem Gehege war, der etwas Vergnügen bei Krokodildame Eleonora suchte. Eigentlich ist Fortpflanzung in einem Rescue Center nicht erlaubt. Aber Bombero wird sich gedacht haben, was kümmert mich das Geschwätz von Menschen, die ich locker zum Frühstück verspeisen könnte .
Nachdem wir nun also auch die Raubtiere der Sümpfe gesehen haben, beschliesse ich für mich, dass es doch nun endlich Zeit wäre zu gehen.
Der Guide hat andere Pläne. Der Butterfly Garden sei höchst interessant, weil man hier Spinnen und Schlangen beobachten könnte, die Schmetterlinge fressen. Was bitteschön ist das denn für ne Freakshow? Und was bitte ist, wenn die Schlange denkt, Schmetterling war gestern, Tourist ist heute.
Meine Mitstreiter sind hellauf begeistert von diesem Plan. Ich bin extrem genervt. Was habe ich denn davon, wenn ich zusehe, wie ein Tier das andere frisst? Nun gut also Augen zu und durch. Wir sehen ein paar Schmetterlinge, die offensichtlich bislang ihren Angreifern entkommen sind, begutachten Schmetterlingspuppen in Brutkästen und dann endlich bedankt sich Christiano Ronaldos Bruder für unsere Aufmerksamkeit und führt uns ins Licht. Endlich frei und noch am Leben, denke ich .
In unserer Villa angekommen, schwärmen alle, wie toll die Führung doch war. Ich sitze daneben, lächle freundlich und denke mir, Nachtwanderung das nächste Mal ohne mich.