Im Paradies
Heute lassen wir San Jose hinter uns und begeben uns in meine absolute Lieblingsregion in Costa Rica. Es geht nach Quepos. Hier werden wir im Resort der Superlative dem Tulemar...

Veröffentlicht: 06.11.2023
Das Tulemar Resort ist wie ein grosser Tiergarten. Affen turnen auf den Bäumen, Aras fliegen majestätisch durch die Luft und Faultiere tun das, was sie am liebsten tun, sie sind faul. Man ist inmitten der unbeschreiblichen Vielfalt, die Manuel Antonio bietet. Natürlich hat der neugierige Tourist immer auch das ein oder andere Erlebnis mit den Tieren, die hier leben.
Es ist kurz vor Mitternacht. Mein Mann, der nicht schlafen kann, sitzt auf unserem Balkon, als er ein tippelndes Geräusch wahrnimmt. Kurz darauf klappen Schranktüren auf und zu. Es wird Zeit, nach dem Rechten zu sehen und den Eindringling zu stellen. Vorsichtig schleicht er sich an und überrascht einen Waschbären dabei, wie er gerade den Schrank nach etwas Essbarem durchsucht. Wie gebannt vor Schreck erstarren beide. Der Dieb mit der Maske und mein Mann. Der Waschbär erlangt seine Fassung schnell wieder und versucht durch das Küchenfenster zu fliehen, was ihm beim zweiten Versuch und nach einigen Tatortfotos, die mein Mann schießt, auch gelingt. An diesem Abend war der Beutezug des Waschbären erfolglos. Wir sind uns aber sehr sicher, dass er mit Verstärkung wiederkommen wird. Wir werden gewappnet sein.
Heute morgen werde ich bereits gegen 5.00 Uhr geweckt. Die Brüllaffen scheinen heute in Brülllaune zu sein und verständigen sich lautstark durch den ganzen Dschungel. Da ich eh wach bin, kann ich auch gleich einen kleinen Morgenspaziergang machen, beschliesse ich und mache mich auf den Weg. Die Stille wird nur unterbrochen von den Geräuschen der Tiere hier. Auf einem riesigen Baum machen es sich Brüllaffen und Squirler Monkeys gemütlich. Der Baum scheint zu leben, so ein geschäftiges Treiben herrscht hier. Der Lärm, den die Brüllaffen machen, scheint ihre Mitbewohner absolut nicht zu stören. Auf meinem Weg durch die Anlage begegne ich Agouties, ( die wie eine Mischung aus Schwein und Ratte aussehen), die nach ihrem Frühstück, leckeren Früchten Ausschau halten. Eine Brüllaffendame mit ihrem Baby hangelt sich auf einem Seil, das für die Faultiere gespannt ist, zum nächsten Baum und sicher zu ihrem Mann, der sie schon lautstark ruft. Ich beschliesse, öfter so früh aufzustehen, denn gerade dann ist die Anlage voller Leben.
Heute steht ein weiterer Rundgang durch das Tulemar an. Wir begeben uns auf den Slothwalk.
Das Tulemar beheimatet auch das Sloth Institute, welches im Jahr 2014 von der Engländerin Sam Trull gegründet wurde und sich auf die Rettung, Aufzucht und Pflege kranker und aus Gefangenschaft geretteter Faultiere spezialisiert hat. Die Tiere werden auf ihr Leben in freier Wildbahn vorbereitet und es werden Forschungen über das Verhalten, die Essgewohnheiten und die Entwicklung der Faultiere angestellt.
Mit einer grossen Gruppe begeben wir uns auf die Suche nach den Faultieren, die sich im Tulemar frei bewegen und natürlich werden wir fündig und hören auch bewegende Geschichten über die Tiere.
In einem Baum macht es sich Tilly gemütlich. Tilly wurde gefangen und als Streicheltier den Touristen vorgeführt, die für das perfekte Foto mit den niedlichen Tieren viel Geld bezahlen. Dies steht unter Strafe in Costa Rica. Ein Mitarbeiter des Sloth Institutes entdeckte bei einem Ausflug das Tier und verständigt die Polizei. Als Tilly im Sloth Institute ankam, war das Tier in einem katastrophalen Zustand. Die Haut war entzündet, sie hatte Verdauungsprobleme. Den freiwilligen Helfern gelang es, Tilly wieder gesund zu pflegen und mittlerweile ist sie schon Mama von vier kleinen Sloths.
In einer anderen Baumkrone schläft Elsa. Elsa wurde schreiend an einem Ast hängend gefunden. Sie war kaum älter als 5 Monate und wurde von ihrer Mutter verlassen. Die Untersuchung der kleinen Dame ergab, dass ihre Beine gelähmt waren, durch eine Verletzung, die sie sich bei einem Sturz zugezogen haben musste. Die kleine wurde im Sloth Institute gepflegt. Sie erhielt von Massagen bis Akupunktur alles was das orthopädische Repertoire hergibt und siehe da, die Behandlung hatte Erfolg und Elsa kann zumindest eines ihrer Beine nutzen. In letzter Zeit beobachten die Mitarbeiter des Sloth Institutes eine stetige Gewichtszunahme der jungen Dame, was den Schluss zulässt, dass ein Sloth-Boy ein amouröses Abenteuer mit ihr hatte und Elsa bald Mama wird. Ich bin ganz gerührt von diesen Geschichten und freue mich, dass ich mit der Gebühr für den Walk, der zu 100 Prozent dem Institut zu Gute kommt, einen kleinen Beitrag leisten kann, die großartige Arbeit der vielen Betreuer zu unterstützen.
Ein lustiges Detail über das Leben der Faultiere gibt uns unser Guide ebenfalls preis.
Faultiere müssen nur einmal in der Woche ihr Geschäft verrichten. Wenn sie dann von ihrem Baum steigen, haben sie einen riesigen Kullerbauch. Unten angekommen, vollführen sie einen kleinen Tanz um die Verdauung in Schwung zu bringen. Erst dann entledigen sie sich ihres angefressenem Ballasts und steigen mit einem Drittel weniger Körpergewicht auf ihren Baum. Wie wohl ein tanzendes Faultier aussieht ?
Eine tolle Führung geht zu Ende. Heute Abend geht es in den Dschungel, um die Tiere der Nacht zu sehen.
Ich bin gespannt.
S