newzealandinspiration

„Orientierungslose Abiturienten machen sich ans andere Ende der Welt auf.“ Dieses Klischee eines neuseeländischen Backpackers erfüllen wir schon Mal komplett. Relativ spontan entschlossen wir uns Anfang August dazu, Work & Travel in Neuseeland machen zu wollen. Dass wir unbedingt ins Ausland wollten, stand zwar schon immer fest, dass es so weit weg sein würde, allerdings nicht. Von Oktober bis April 2020 waren wir also mit einem klapprigen alten Toyota Estima auf Nord- und Südinsel unterwegs, arbeiteten auf Kiwifarmen, gerieten in die Coronakrise und mussten am Ende mit der deutschen Rückholaktion nach Hause geflogen werden. Das Einzige, was wir an dieser ganzen Zeit bereuen ist aber, dass uns so viele Probleme erspart geblieben wären, hätten wir einige Dinge einfach vorher gewusst... Deshalb haben wir versucht, hier alles aufzuschreiben, was wir nur mit viel Mühe oder durch Ausprobieren herausgefunden haben. Wir hoffen, zukünftigen Backpackern damit eine Hilfe sein zu können. Außerdem teilen wir mit euch all unsere Erfahrungen und Erlebnisse. Auf und Für eine unvergessliche Zeit in Neuseeland! - Anna und Celina

-Kapitel 41- Wanaka & Roys Peak- Wanderung

Immer so günstig wie möglich zu leben, bringt auch seine Herausforderungen mit sich. Wir hatten uns vorgenommen, alles was wir ausgaben, auch wieder zu verdienen. Ich glaube wir waren so ziemlich die einzigen, die das so gesehen haben. Eher hatten wir das Gefühl, dass alle anderen Backpacker nur ein paar Wochen arbeiteten, um ihr Working Holiday Visa nicht umsonst gekauft zu haben. Wir trafen mehrere Leute in unserem Alter, die sechs Monate einfach nur zum Reisen in Neuseeland waren. Eine sechsmonatige Reise mit 19? Warum eigentlich nicht... Selbst wenn wir genug Geld für sowas gehabt hätten, hätten wir wahrscheinlich so ein schlechtes Gewissen gehabt, dass wir schon allein aus Prinzip gearbeitet hätten. Ich glaube in solchen Dingen äußert sich dann, dass Celina und ich nicht so gut für das Leben eines Backpackers gemacht sind. Wir machen uns einfach viel zu viele Gedanken, und können das auch nicht abstellen. (Außerdem bekomme immer gleich ein schlechtes Gewissen, wenn wir uns irgendwo durchschnorren, zum Beispiel in Ehrlichkeitsboxen zu wenig Geld reinpacken oder sowas). Als Flori kam, sind wir in der Beziehung aber ein bisschen lockerer geworden.

Bevor wir nach Wanaka aufbrachen, füllten wir unsere Vorräte in Queenstown nochmal für die letzte Reisewoche auf. Wir hatten an dem Tag ja noch nicht genug Geld dagelassen. In Wanaka angekommen, besuchten wir den Wanaka Tree, den meist fotografiertesten Baum der Welt. Wir konnten den Hype um den kleinen Baum nicht so ganz verstehen, auch wenn der Baum im Wasser mit der umliegenden Landschaft ziemlich cool aussah. Als wir bei Sonnenuntergang dort waren, quetschten sich ungefähr 30 Leute mit Handys und Stativen ausgestattet ans Ufer, nur um ein Foto davon zu bekommen.

Wanaka Tree-ein Hype um diesen Baum
Wanaka Tree-ein Hype um diesen Baum

Roy's Peak

Eigentlich hatten Celina und ich uns geschworen, dass wir nach dem Tongariro nicht noch einmal eine richtige Wanderung machen würden. Der Tongariro war wirklich das Highlight unserer Neuseelandzeit, und bereuen tun wir ihn bestimmt nicht, aber wir haben gemerkt, dass wir einfach nicht fit genug sind.

Zwei Monate später haben wir es dann doch wieder getan. Dieses Mal mit Flori, dieses Mal auf der Südinsel, und dieses Mal in der Hitze von Wanaka, statt mit Minusgraden beim Alpine Crossing.

Um halb 6 klingelte der Wecker. Trotz Dunkelheit und Notbeleuchtung in der Küche war dort schon ordentlich Betrieb. Halb 8, zur gleichen Zeit wie der Sonnenaufgang, startete dann unsere Wanderung.

Sonnenaufgang
Sonnenaufgang

Die ersten 200 Meter stürmten wir noch enthusiastisch an einem Stück nach oben, sprangen über Abkürzungen und legten ein vernünftiges Tempo vor. Allerdings hielt das nicht lange an. Schon bald wurden wir langsamer, bis wir schließlich nicht mehr konnten. Nach einer halben Stunde strammen Aufstiegs, haben wir also gleich Mal die erste lange Pause gemacht. Die ersten Wanderer überholten uns, darunter auch eine Gruppe von vier jungen Männern, unter die sich ein älterer Mann gemischt hatte, der aussah wie Taika Waititi, der Regisseur von Jojo Rabbit.

Es ging weiter nach oben, und zwar nur nach oben. Auf dem ganzen Weg gibt es nämlich nicht einen flachen Meter. In den ersten Höhenmetern freuten wir uns noch über unseren Fortschritt, so weit unten war der Parkplatz schon. Nach den ersten zwei Stunden kam es uns aber vor, als würden wir uns nicht mehr von der Stelle bewegen, und die Spitze des Berges im Gegenzug immer weiter wegrücken. Wir machten mehrere ausgiebige Pausen, wurden hundertfach überholt (Es waren echt viele Wanderer unterwegs), und teilten uns zwischendurch mal auf, damit jeder in seinem eigenen Tempo gehen konnte.

Mit höher-stehender Sonne, wurde es auch immer wärmer, und wir waren sehr froh, nicht in der Mittagshitze gestartet zu sein. Beruhigenderweise machten immer mehr andere Wanderer mit uns gemeinsam Pausen. Übrigens kamen uns schon 8 Uhr morgens Jogger von oben entgegen. Anscheinend ist es üblich, schon um drei Uhr zu starten, damit man den ersten Sonnenaufgang auf der Bergspitze erleben kann. Ein Glück haben wir das nicht gemacht, denn es wäre umsonst gewesen. Statt 3 Stunden brauchten wir viereinhalb nach oben. Flori ging den letzten Kilometer zur Spitze alleine, hatte uns nur ab und zu gewunken und wartete dann oben auf uns. Celina und ich schleppten uns den Rest des Weges nach oben, wobei uns Taika Waititi wieder entgegenkam. Der war wohl ein bisschen schneller als wir. (Und er erkannte uns auch noch).

Nach vielen Pausen, und 20 Metern pro Minute hatten wir den Roys Peak erreicht, aber hey, immerhin haben wir ihn überhaupt geschafft. Der Ausblick war unfassbar. Man hatte einen Panoramablick über den großen Lake Wanaka, das Städtchen und die umliegenden Berge, sogar schneebedeckte Gipfel in der Ferne. Es war gar nicht Mal so viel los. Wir kletterten noch ein paar Meter höher, um uns ein Plätzchen für die Mittagspause zu suchen. Dort verbrachten wir eine Stunde. Wir beschlossen nicht zu gehen, bevor wir nicht das Roy's Peak Bild im Kasten hatten. Das war ein wenig schwierig, weil wirklich niemand im Weg sein durfte, aber mit der Hilfe von ein paar deutschen Mädchen schafften wir es doch noch.

das legendäre Roys Peak Foto
das legendäre Roys Peak Foto

Runter brauchten wir dann zum Glück nur die Hälfte der Zeit. Dabei konnten Celina und ich einen Paraglider dabei beobachten, wie er ein paar Meter vor uns startete. (Flori rannte nach unten, weil der Abstieg total auf die Waden ging.) Beim Auto angekommen, waren wir richtig durchgeschwitzt und ausgetrocknet. Trotzdem, das Gefühl eine lange Wanderung hinter sich zu haben, ist einfach toll.

-> Fortsetzung folgt

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