Neuseeland/Südinsel & Australien/Victoria

Solo drei Wochen mit dem Camper über die Südinsel Neuseelands - und dann 8 Tage mit dem Mietwagen über die Great Ocean Road zu den Grampians und nach Healesville.

7.1.19 Vulkane, Echidna und die Grampians - ab in die Berge

Gnadenlos rappelt der Wecker um 6.30h und ich schäle mich aus dem Bett. Die fantastische Dusche in diesem Apartment muß ich nochmals bemühen, um wach zu werden. Nach einem kurzen Frühstück in einer bakery sitze ich um 8.30h schon unterwegs nach Norden. Die Great Ocean Road verlasse ich nach kurzer Zeit auf die Landstraße C179. Statt Eukalyptus-Wäldern führt die Fahrt nun auf einer endlos geraden Route durch riesige Getreidefelder. Ab und an stehen gelangweilte Kühe auf einer Wiese. Ich passiere Orte, die keine sind und aus 3-5 Häusern zu bestehen scheinen. Das ist wieder so Australien, wie man es kennt – endlose Weiten und menschenleere Hemisphären. Eine Panne möchte ich hier nicht haben. Es lohnt sich bei jeder Gelegenheit aufzutanken und immer die Angaben im Auto im Blick zu behalten…Als erste optische Attraktion kommt nach rund 70km gerader Strecke durch Flachland ein Hügel rechts von mir in mein Blickfeld. Das Schild sagt: Mount Rouse und ich denke mir: Fahr mal hin. Die kleine gewundene Straße zur Picknick area unterhalb des „Gipfels“ ist asphaltiert und man blickt von hier über eine Weite, so gigantisch. Und siehe da: Überall ragen Kegel aus der Ebene – wie lauter kleine Vulkane. Unterhalb der Straße liegt ein kreisrunder See, der definitiv wie ein Kratersee aussieht. Im Schatten eines Busches liegen locker ein Dutzend Känguruhs. Ich halte an der Picknick area, aber traue mich nicht so richtig, hier zu wandern. Wenn man zu zweit ist, ist das immer etwas anderes. Wenn ich hier in etwas unbefestigtem Gelände umknicke oder ähnliches, dann hänge ich hier fest. Und es ist hier derart einsam, als wäre hier schon tagelang keiner mehr gewesen. Also genieße ich den Blick auch nach Norden, wo ich die Erhebung der Grampians schon ausmachen kann, bevor ich den Rückweg antrete. Auf halber Strecke auf der kleinen Straße zurück zur großen Straße, steige ich nochmals aus, bemühe mein Fernglas für die Betrachtung der kleinen Vulkane und der ruhenden Känguruhs und sehe aus dem Augenwinkel eine „Kugel“ über die Straße wackeln – das kann nur ein Echidna (Ameisenigel) sein. Die sind ja so goldig. Und mal wieder eines in freier Wildbahn zu sehen, ist schon toll. In Tasmanien habe ich die ja auch immer mal gesehen und war erstaunt, wie schnell die sich verstecken können, wenngleich deren Bewegungen immer so behäbig wirken. Ich nähere mich vorsichtig dem Genossen und während er mit seinem Rüssel durch Blattwerk auf dem Boden schnüffelt, kann ich ein paar nette Fotos machen. Schwupp, ist er kopfüber in seinem Erdloch verschwunden und absolut nicht mehr zu sehen. Die sind ja nicht gerade klein, können bis zu 15kg wiegen. Echidnas gehören wie auch Schnabeltiere zu den Kloakentieren. Sie kommen nur in Australien (inkl. Tasmanien) und in Neuguinea vor. Echidnas und Schnabeltiere sind Säugetiere, sind aber die einzigen zwei Gattungen, die Eier legen und ihren Nachwuchs mit Milch säugen. Die Natur schafft Wunder!

Beschwingt über diese Begegnung und die Ruhe, die ich für diese Beobachtung hatte, fahre ich weiter nach Penshurst. Ein kleines Dorf mit z.T. echt alten Holzhäusern. Im Nichts. Warum haben sich hier irgendwann mal Leute niedergelassen? Es gibt allerdings in Australien ganz sicher deutlich abgelegenere Dörfer. Das Penshurst Volcano Discovery Center überrascht mich. Ein kleines „Museum“ und Info Center. Ich unterhalte mich mit der Frau, die das hier gerade heute besetzt hält und erfahre, dass es hier ein Gebiet von praktisch Adelaide im Westen bis nach Melbourne im Westen ist, das als Vulkangebiet gilt. Gut, der letzte Ausbruch war vor 5000 Jahren, die Gefahr ist also eher nicht gegeben. Aber trotzdem – ich hatte keine Ahnung, dass in Victoria solche Vulkan-Gebiete existieren. Wieder was gelernt. Der Hügel Mount Rouse, auf dem ich gerade war, ist vor 300.000 Jahren das letzte Mal ausgebrochen. Der kleine See, an dem die Känguruhs lagen, ist damals entstanden. Das Wasser darin ist allerdings Regen- und sowas wie Grundwasser, das aus dem porösen Boden der Umgebung entstammt. Wasser wird in diesem Gestein natürlich bestens gespeichert, so dass auch im Sommer hier immer Wasser in dem kleinen See ist. Penshurst hat einen kleinen Teich, die „never fail spring“. Ein ebenfalls von Grund- und Regenwasser gespeister, extrem tiefer kleiner Teich, der auch etlichen Generationen der Aborigines für Zeremonien diente, als hier noch die Vulkane aktiv waren. Heute ist ein kleiner Botanischer Garten entstanden, Schwäne sind unterwegs, ein kleiner Pavillion und einige hübsche Gingko-Bäume säumen den Teich.

Weiter geht es nach Dunkeld, dessen Namen man auf dem „e“ betont. Also dunkel ist es hier nicht. Im kleinen Visitor Center gibt es genau 1 Karte von den Grampians. Die Frau erzählt mir von ein paar Wanderungen und ich schnappe mir die Karte, merke mir die Wanderungen und fahre weiter. Meine Pause am Mount Rouse und in Penshurst haben zur Folge, dass ich trotz meines frühen Starts in Warrnambool doch erst um 16h in Halls Gap in der Kookaburra Motor Lodge eintrudele.

Schönes Zimmer, etwas duster durch die Pergola vor der Terrassentür, aber dafür kühl, da schattig. Der Tag ist ja dennoch jung und so fahre ich die Mount Victory Road aus dem Ort heraus und biege auf die Mount Difficult Road zum Boroka Lookout ab. Von Halls Gab ist das nur eine knappe halbe Stunde Fahrt. Laute Asiaten umzingeln den Aussichtspunkt, überklettern Zäune, posen auf Felsvorsprüngen oberhalb des Hangs und haben irgendwie kein Auge für die Aussicht, sondern nur auf ihre beknackten Selfie-Sticks. Dabei ist es hier schön: Man sieht über die dichtbewaldeten Hänge der Grampians, Halls Gap und dahinter den Stausee Lake Bellfield.

Also mal sehen, wie es beim Reed Lookout ist. Der liegt rund 8km weiter entfernt und der Aussichtspunkt „The Balconies“ ist nur über einen kleinen Wanderweg erreichbar. Am Ende blickt man weit über die Grampians und auf Halls Gap. Permanent labernde Inder, die sich dauernd Befehle zum Posen geben, die halsbrecherisch über Felsen klettern, um einfach 3m weiter vorn zu stehen (was man garantiert nachher eh nicht sieht auf ihren blöden Handy-Fotos), stören die eigentlich herrschende Ruhe, Vogelzwitschern und die tolle Aussicht über Wälder und Berge. Ich versuche ein Video zu machen und muß die nach etlichen Versuchen ohne deren Gelaber mal die Szenerie einzufangen, wirklich bitten, einfach mal vielleicht 10-15 Sekunden den Schnabel zu halten.

Zurück in Halls Gap sitzen Dutzende und Aber-Dutzende Känguruhs auf dem Sportplatz-Rasen und futtern. Aber nicht nur da. Eigentlich auf jeder Grünfläche im Ort hocken die.

In einer Pizzeria am Ort hole ich mir 10min vor Ladenschluß (20h! Hochsaison!) noch ne Pizza, esse die im Hotel, Bilder sichern, Tagebuch, 23.00h Licht aus.

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