Tag 60: Delphine im Rollstuhl
28.08.2016 An unserem sechzigsten Reisetag und letzten Tag in Australien bekommen wir gleich am Morgen nochmals prominenten Besuch. Exklusiv und nur für uns lächelt Mr. Mark...

Veröffentlicht: 03.09.2016
29.08.2016
Am Flughafen in Christchurch, welchen wir nach drei Stunden in der Luft erreichen, fühlen wir uns vor allem eines – gut durchgeschüttelt. Zu allem Überdruss ist es drei Uhr morgens, was einen jungen Drogenhund nicht daran hindert, Gudi überschwänglich zu begrüßen. Trotz der Tatsache, dass es wohl nie gut ist, von einem solchen Hund registriert zu werden, bringt der Welpe irgendwie einen Hauch freundschaftlichen Flair in die Begegnung. Mich wundert es nicht, dass Gudi sein Ziel ist, hat sie doch ihre Süchte auch im Laufe der Reise nicht in den Griff bekommen. Der Polizist, der am Hund hängt (ja nicht umgekehrt in diesem Fall) erklärt uns, dass der Köter wohl auf das Obst und Gemüse anspringe, welches Gudi zwecks Befriedigung ihrer Vitamingier bei sich trägt. Im Flieger mussten wir einen der üblichen Zollzettel ausfüllen, welche wir normalerweise – einfach um Fragen aus dem Weg zu gehen – nur mit nein bekreuzen. Aus mit unerfindlichem Grund leitet uns heute der Hang zur Wahrheit, weshalb wir tatsächlich angeben, Nahrung mit uns zu führen. Was für ein Glück, das Anschlagen des Hundes hätte ansonsten eine 400$ Strafe mit sich geführt. Das Edelholz, das ich mir aus Australien mitgenommen habe, deklarierte ich im Flieger übrigens nicht. Gott sei Dank hört die Beamte, welche meinen Rucksack inspiziert, bei meinen Schuhen auf und wendet sich grün im Gesicht ab. Ich habe ja schon immer gesagt, dass mir meine Schweißfüße noch einmal gute Dienste leisten werden.
Angekommen im Hostel machen wir zuerst einmal einige Stunden das, was jeder normale Mensch zu dieser Zeit (jedenfalls auf dieser Seite der Welt – in Europa ist es nun Mittag) tut – schlafen.
Unser erster Erkundungstrip durch Christchurch lässt uns erkennen, dass die Stadt, welche vor wenigen Jahren noch im Charme einer britischen Kolonialstadt glänzte, vieles ihrer Ausstrahlung bei den Erdbeben 2010/2011 verloren haben muss. Am gepriesenen Hauptplatz stehen überall Ruinen oder karge Grundstücke während Fotos vergangener Tage einen Eindruck verschaffen, wie es einmal gewesen sein muss.
Neuseeländer wären aber nicht das sympathische Volk schlechthin, wenn sie nicht auch aus dieser Zitrone Limonade pressen würden. So gibt es ebenso ein Museum zum Erdbeben wie auch eine – nur aus Containern errichtete – Shopping Mall, die zum geheimen Wahrzeichen des Aufbruchs geworden ist. Auch sonst sie die Einwohner der Südinsel alle sehr offen und aufgeweckt, eine unfreundliche Person zu treffen ist hier anscheinend schlicht unmöglich. Auch man selbst wird wesentlich offenherziger und kommunikativer. So würde ich anderswo wohl nie mit einem weißbärtigen alten Mann in Anzug Ball spielen. Hier aber, freunden wir uns an und werfen im Vorbeigehen ein paar Bälle hin und her. Dies scheint, wie ich nachher beobachte, übrigens die Hauptbeschäftigung des Suit Santas zu sein.
Ganz nahe bei unserem Hostel besichtigen wir ein gratis Museum, welches über vier Stockwerke verschiedene Themen erklärt und wirklich spannend ist. Vor allem der Bereich, in dem Gudi sich auf einem riesigen, alten Fahrrad fotografieren lassen kann, erfüllt ihr Herz. Auch ist ein wesentlicher Teil der Stadt, wie sie vor ca. hundertfünfzig Jahren gewesen sein muss, mit Puppen und Läden nachgebildet. Klingt wundervoll, kann aber auch gefährlich sein, wenn man von einer Puppe angesprochen, fast einen Herzinfarkt erleidet.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Christchurch ist eine Stadt, die einen ganz speziellen Charme versprüht. Die Einwohner sind äußerst freundlich, die Stimmung ist Vergleichbar mit Europa nach dem zweiten Weltkrieg (wie ich es mir vorstelle). Trotz der Naturkatastrophe ist der britische Einfluss noch an jeder Ecke erkennbar und der typisch neuseeländische Flair, welcher kaum in Worte zu fassen ist, überall vorhanden.
Gudis glorreiche Gesetze:
Jeder bleibt in seinem Bett!
Zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass mir – einem notorischen Schlafklammerer erster Stunde – zwei Einzelbetten zugemutet werden. Und das nach drei wundervollen Campervan -Wochen, in denen ich mich richtig ausruhen konnte, da ich nicht ständig im Schlaf auf der Suche nach Gudi sein musste. Soll dies wirklich Enden? Gudi sagt: JA!