Tag 48: Keine Krokodile in Sparta
16.08.2016 Heute geschehen zwei denkwürdige Ereignisse: Zum einen verlassen wir, sobald wir Rockhamton passieren, die Krokodilarea. Ein bisschen bin ich ja enttäuscht, dass...

Veröffentlicht: 22.08.2016
17.08.2016
Auch dieser Tag besteht leider zu viel zu großen Teilen aus der einen, unser Leben bestimmenden Aktivität – nein nicht der Suche nach Wlan (auch wenn diese Behauptung wohl ebenso zutreffend wäre), ich spreche von endlosem, monotonem und trotzdem irgendwie in die Stimmung und das Gesamtbild Australien passende Autofahren. Unser Ziel ist die Stadt Noosa, welche den nördlichen Kopf des Küstenabschnittes Sunshine Coast darstellt. Zu allererst einmal kann ich leider nur wiederlegen, was der Name verspricht, da es, zwar nicht permanent, doch aber in regelmäßigen Abschnitten, regnet.
Mittags halten wir, nachdem wir uns durch einige griechische Heldensagen gekämpft haben, an einer gemütlichen Dayuse – Area, die einmal mehr eine versammelte Seniorenschar beherbergt. Dies nährt meine Behauptung, dass der Staat den Australiern zur Pension Haus und Hof enteignet um sie in einem Campervan aufs Land zu schicken. Vielleicht ist dies ja eine touristische Maßnahme, vielleicht auch einfache Vorbeugung, bevor das Errichten von Seniorenresidenzen und deren Finanzierung zur Sprache kommen könnte. Eine solche habe ich bis dato noch nie entdeckt, endlose Scharen Weißhaariger in gleichfärbigen Mercedes Campern allerdings zur Häufe.
Nach einem exquisiten Mittagessen – kalte Nudeln vom Vortag – beschließt Gudi auf der gegenüberliegenden Kuhwiese wie so oft auch heute ihr Dehnprogramm durchzuziehen. Ich langweile mich, und versuche sie daher auch wie eine Kuh zu behandeln, was Fütterungs - und Melkversuche – beide erfolglos – miteinschließt.[1]
Nebenbei erwähnt, entwickelt sich zwischen uns auf dies engem Raum ein recht witziges Verhältnis. So führen wir einerseits Diskussionen über Emanzipation (ich sitze gerade hier in meinem Campingsessel/thron und tippe diese Zeilen während Gudi am Boden meine Wäsche schrubbt) und sind andererseits fast schon kindlich verspielt wenn es darum geht, dem anderen eines „auszuwischen“ oder sich überhaupt gegenseitig zu sekkieren. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass wir uns die Autoarbeit (um nicht Hausarbeit zu schrieben) sehrwohl aufteilen. So könnte Gudi wohl nie meine schmutzige Wäsche behandeln, wenn ich sie nicht regelmäßig und sehr gründlich verdrecken würde – Teamwork eben.[2] Ich bin dafür für die Zubereitung des morgendlichen Kaffees, lange und nächtliche Autofahrten und die Instandhaltung des gebrechlichen Rückens der mittlerweile Sechsundzwanzigjährigen zuständig – was nicht erst eine Massageeinheit zu viel zu früher Stunde bedeutet hat. Mir hingegen, ein Jungspund wie ich eben bin, macht der harte Untergrund und die kalten Temperaturen unserer nächtlichen Schlafstätte wenig bis gar nichts aus. Möglicherweise liegt dies aber auch daran, dass ich teils Gudi als Schlafunterlage benutze, was sie mir aber mit keinem Ton verbietet (vielleicht bleibt ihr auch einfach die Luft weg, man(n) weiß es nicht).
Abends erreichen wir die Ortschaft Noosa und erwarten eigentliche eine veraltete Sechzigerjahre -Hippiehochburg. Stattdessen finden wir uns im Beverly Hills der Sunshine Coast wieder. Eine Strandvilla folgt der nächsten, Lokale zieren die Promenade und die Preise sind – selbst für australische Verhältnisse – wider jeglicher Vernunft. Trotzdem zahlt sich die Reise aus, da ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lasse, vor versammelter australischer Elite blank zu ziehen und mich endlich einmal, nach wohl einer Woche, direkt an der Promenade vor weiß gedeckten Tischen und nur in Unterhose zu duschen.
Trotzdem sind unsere finanziellen Voraussetzungen Grund genug, noch ein Stück weiter zu fahren, um eine der wunderbaren Freicamperdestinationen anzusteuern.
Gudis glorreiche Gesetze:
Einmal wöchentlich muss mindestens ein Duscherlebnis stattfinden – und ein Meerbad zählt nicht als solches!
Ich empfinde dies als unfair, gibt es doch sogar eigene Salzwasserkuren, für die so Manche(r) viel Geld bezahlt. Wenn ich meinen – kaum verdreckten – Luxuskörper im Meer bade muss ich nach Gudis Auffassung aber erst recht Duschen. Liebe Leser, vielleicht kann es mir jemand erklären: Wo bleibt da die Logik?
[1] Gratuliere zur ausufernden Phantasie, aber nein: Das Bild, das sich wohl gerade Einige ausmalen trifft natürlich nicht zu.
[2] Man (und vor allem Gudis weibliche Verwandtschaft) verzeihe mir diese Beschreibungen, aber will man eine prophezeite Erwartung (Überschrift) erfüllen, muss man manchmal in seinen Ausschweifungen auch ein wenig übertreiben.