Tag 45: Keine Nuggets für Matthias
13.08.2016 Die Einöde hat uns ergriffen. Das erkennen wir erstmals, als wir noch vor dem morgendlichen Gang zur Toilette die Türe des Campers öffnen und uns nicht außer...

Veröffentlicht: 18.08.2016
14.08.2016
Kaum zu glauben, aber heute ergibt sich tatsächlich die Gelegenheit einer Dusche. Dies ist nach einer Woche wirklich mehr als eine Notwendigkeit, da Gudis Ausdünstungen nur noch von den Meinigen übertroffen werden. Die Annehmlichkeiten eines solch exquisiten Erlebnisses bietet eine Day - Use Area (also ein Campingplatz für den Tag) in der Ortschaft Bowen. Diese ist bekannt für ihre Mangos. Ich schließe aus der Tatsache, da hier wieder einmal die gesamte australische Rentnerschaft urlaubt, dass alte Menschen die Vitamine aus eben diesen Mangos als Jungbrunnen betrachten. Wir bekommen zwar keine Gelegenheit, die Früchte selbst zu probieren, die Chance, eine riesige Mango (aus Karton) zu stemmen, lasse ich mir als waschechter Tourist aber natürlich nicht nehmen.
Ansonsten genießen wir, angekommen in Bowen, den Tag und verbringen einige Zeit am Strand. Eben Erwähnter ist in der gesamten Umgebung wunderschön und so strawanzen wir windige Küsten entlang und kommen uns nach und nach auch wie eines der überall zu findenden, betagten Pärchen, vor.
Vielmehr hat diese Gegend aber auch nicht zu bieten, weshalb wir recht bald in einem Campingplatz, nahe den Whitsunday Islands unsere Zelte aufschlagen (Achtung Redewendung: eigentlich schlafen wir im Camper!). Dieser wirkt irgendwie wie eine Kommune, in der neben ein paar gestrandeten Touristen recht viele, ungezähmte und ausschließlich männliche Hippies wohnen.
Obwohl uns die – offensichtlich von ihren Ehefrauen verschmähten - zu einem abendlichen Lagerfeuer samt Steak einladen und ich versucht bin mich unter die Gesellen zu gesellen, löst die leicht homoerotische Stimmung dezente Erinnerungen an den Film Brokeback Mountain aus, weshalb ich beschließe bei Gudi im Camper zu bleiben und fest die Türen zu verriegeln. Insgeheim würde mich jegliche Art einer Männerrunde nach so vielen Wochen heterogener Partnerschaft mehr als reizen, schlussendlich habe ich aber doch etwas Angst ins Visier der Hutträger zu gelangen und trotz meiner Fähigkeit kaninchenähnliche Fluchthaken zu schlagen, von ihren Lassos gefangen zu werden.
Einen wirklich wunderschönen und ergreifenden, den abendlichen Himmel erleuchtenden - ja gar entflammenden - Sonnenuntergang erblickend, kochen wir uns ,behindert von gefühlten 50 Knoten Windstärke, unser Abendessen und fallen während unseres täglichen Schnapsrituals in den Schlaf.[1]
Gudis glorreiche Gesetze
Ein Mann muss auch einmal in einer Männerrunde ein Mann sein können!
Obwohl Gudi mich immer wieder ermutigt die Männer beim Verzehr von Fleisch und selbstgebranntem Schnaps mit meiner Anwesenheit zu beglücken, muss ich ehrlich gestehen, dass es nicht nur Angst ist, ein Opfer von Aufnahmeritualen zu werden, welche mich aus der geselligen Runde fern bleiben lässt. Tatsächlich ist es auch so, dass wenn man sagt, dass Menschen während einer Reise immer kommunikativer werden, bei mir genau das Gegenteil der Fall ist. Dies bedeutet, dass während ich in Asien noch den Kontakt zu jeder Person die es wollte (und nicht wollte) gesucht habe, mir im australischen Outback meine Abgeschiedenheit und Ruhe immer wichtiger wird.
[1] Auf dieser Seite des Campingplatzes bedeutet Schnapsen nur Karten spielen, weshalb es mich ein wenig mit Wehmut erfüllt, entfernt Lagerfeuer mir die Gelegenheit entgehen zu lassen, den ein oder anderen Xler (= Schnaps - siehe Lucky Luke Hefte) abzukommen.