Tag 44: Mit Flüssiggold ins Nirgendwo
12.08.2016 Unsere weitere Reise führt uns, weg von den überaus touristischen Straßen Ostaustraliens, hinein ins typisch australische Outback. Dies bedeutet zu allererst:...

Veröffentlicht: 18.08.2016
13.08.2016
Die Einöde hat uns ergriffen. Das erkennen wir erstmals, als wir noch vor dem morgendlichen Gang zur Toilette die Türe des Campers öffnen und uns nicht außer Sonne, rotem Sand und ungezähmte Natur entgegen schlägt. Und die Faust eines boxenden Kängurus.[1] Weiters bestätigt sich die Behauptung, tatsächlich im Outback gelandet zu sein auch beim Versuch, wieder in grünere und bewohnte Bereiche zu gelangen, da dies etliche Stunden in Angriff nimmt. Eigentlich wollen wir nach Townsville an der Küste tuckern, um dort ein Surfbrett, das ich mir über die australische Version von Willhaben - Gumtree - besorgen wollte, abzuholen. Leider scheitert mein verzweifelter Versuch, hier billig Wellen zu genießen, kläglich. So sehe ich einer Woche auf überbezahlten Leihbrettern entlang der Gegend um Byron Bay entgegen. Da uns nun nichts mehr an die Küstenstadt lockt schlagen wir eine andere Route ein, die uns direkt zur Goldgräberstadt Charters Towers führt. Da das Leben in Australien wirklich alles andere als billig ist, bin ich im tiefsten Inneren sowieso überzeugt, Gold zu finden, habe ich doch in Gedanken sowieso schon seit längerem sämtliche mir Bekannte höhere Mächte um eine Aufbesserung unseres Reisebudgets angerufen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir die einzige bewohnte Region der weiteren Umgebung. Schnell zeigt sich, dass wir es hier nicht mit urbanen Australiern sondern einer Ansammlung von Cowboys und Crocodile Dundees zu tun haben. Der Versuch, irgendwas einigermaßen Gesundes zu Essen aufzutreiben endet vor einer Portion Pommes, einem Riesen - Hotdog und einem Burger. Ich finde dies ja eigentlich recht ansprechend, Gudi hingegen – oder vielmehr ihr Magen – rebelliert gegen die äußerst fettreiche und alles andere als kalorienarme Nahrung. Ein Besuch im Supermarkt verschafft uns noch eine Nachspeise – zwölf Donuts. Der Verzehr einer Hälfte der Süßspeise löst bei der, sowieso schon geplagten, Gudi heftigste Schmerzen aus. Ich beobachte sie einige Zeit bei ihrer Pein und bin nicht sicher, ob ich sie auslachen sollte, obwohl mir mein innerster Instinkt eher zur Bemitleidung der Armen rät. Ganz leicht fällt mir dies nicht. Man muss wissen, dass eben erwähntes Szenario zwar heute seinen (vorläufigen) Höhepunkt erreicht, allerdings wirklich nichts Neues ist. Im Allgemeinen schwört Gudi nach jeder zweiten Mahlzeit der Nahrung allgemein und der fettreichen Ernährung speziell ab und verhält sich dabei wie ein gerade erwachter angetrunkener Jugendlicher. Da ihre guten Vorsätze normalerweise auch genauso lange anhalten, wie jene diverser pubertierender Trunkenbolde und ich daher täglich das Murmeltier grüßen sehe, erscheint mir ein unentwegtes Bemitleiden mittlerweile etwas grotesk.
Wie auch immer, nach einiger Zeit beruhigt sich die Lage, was primär an Gudis Ausharren in horizontaler Lage liegt. Wir unternehmen einen zweiten Versuch und spazieren in ein Pub. Leider verweile ich vielleicht 30 Sekunden darin, da es meiner Ansicht nach nicht geöffnet hat. Trotzdem nehme ich den wohl australischsten Ort meiner Reise wahr. So versucht ein Mann mit Cowboyhut (bestückt mit Krokodilzähnen) gerade, einen Rodeobullen (die Maschine, nicht das lebendige Tier) zu reparieren, während ein – offensichtlich noch von der letzten Nacht übrig gebliebener – Aussie eine Stripstange dazu benutzt, einigermaßen in die Vertikale zu gelangen . An der Bar sitzen einige Cowboys, deren Bärte wohl zusammengerechnet die Länge des versifften Billiardtisches – auf dem übrigens auch jemand seinen Rausch ausschläft - mit Leichtigkeit erreichen würde. Nur schwer kann ich mich von diesem Ort trennen, der Geruch, der uns entgegenströmt, lässt uns aber kaum eine andere Wahl.
Mehr oder weniger durch Zufall landen wir in der Touristeninformation. Dort werden wir von einer etwas älteren Dame bezirzt und entdecken auf unserer Flucht vor dieser, dass der hintere Bereich des Häuschens ein Museum beinhaltet. Dort erfahre ich, sehr zu meiner Enttäuschung, dass das Goldschürfen in dieser Gegend vor knapp 200 Jahren ein jähes Ende gefunden hat.
Frustriert, da ich keine Nuggets finden konnte, versuche ich Gudi zu einem Besuch bei McDonalds zu überreden, um wenigstens zu irgendeiner Art von Nuggets zu kommen. Da Gudi noch immer an zuvorgegangener Überfressung leidet beende ich diesen Tag leider ohne jegliche Art von Nuggets.
Gudis glorreiche Gesetze:
Schreibe nie über Gudis Essgewohnheiten in einem Blog.
Ich verfasse dieses Gesetz, da ich genau weiß, wie meine Holde auf das Verschriftlichen ihrer Eskapaden reagieren wird. Prinzipiell hoffe ich, ihr durch diese Formulierung gewissermaßen Wind aus den Segeln zu nehmen. Zwar verstehe ich voll und ganz, dass sie nicht gerne solch intime Details veröffentlicht sieht, trotzdem bin ich der Ansicht, dass man diesen Teil des gudischen Verhaltens – ich habe noch nie jemanden gesehen, der so konsequent gegen die eigenen Essvorsätze verstößt -unbedingt für die Nachwelt konservieren sollte. Morgen werde ich wohl ein Foto meines blauen Auges uploaden. Naja, was tut man nicht alles für die Dokumentation der Wahrheit.
--Überraschender Weise musste die Gute über diesen Bericht eigentlich nur herzhaft lachen... brave Gudi! --
[1] Humoristische Übertreibung der Ansonsten wahren Erzählung