Tag 29: MoGullivers Reisen – Aufbruch zu den Umpa Lumpas
28.07.2016 Wie nicht anders zu erwarten, schlafen wir sauschlecht bzw. gar nicht –ich schreibe in Mehrzahl, da ich mich so sehr in meine gute Freundin hineinversetzen kann,...

Veröffentlicht: 03.08.2016
29.07.2016
Meine Bemühungen, bei Sonnenaufgang aufzustehen, um wenigstens ein paar Wellen ohne professioneller Konkurrenz zu surfen, zerschlagen sich, ebenso wie die Wellen im Sand. Irgendwie schaffe ich es so gar nicht aus dem Bett. Mein erster Surfversuch dieses Tages ist dann im Endeffekt auch ähnlich wie der gestrige, wenig von Erfolg gekrönt, da ich schlicht von den anderen, wirklich hervorragenden Surfern ausgestochen werde. Schnell ist eine Lösung da: ich muss irgendwie respekteinflößender wirken. Da ich schlecht mit einem Kampfhund ins Wasser gehen kann (wobei hmm… könnte angenehm sein, wenn mich so ein Hund ziehen könnte) erkenne ich schnell, dass der Zeitpunkt gekommen ist, Haare zu lassen.
Gudi brauche ich dazu bewundernswerter Weise nicht lang überreden und so schneidet mir die Frau, der von einigen meiner Freunde die Schuld daran, dass ich nicht schon früher eine Glatze trug, gegeben wurde, selbst meine Haare. Eigentlich nur um zu sehen, wie ein Irokesenschnitt aussieht, lassen wir die Haare in der Mitte vorerst stehen. Da sich dies aber irgendwie als witzig entpuppt und mir mein Äußeres im hintersten Zipfel Asiens noch mehr egal ist als in Wien, beschließe ich, den letzten Rest stehen zu lassen. Zuhause wird mir wohl sowieso wenig anderes übrig bleiben, als die Haare abzurasieren, um keinen Schock oder Schlimmeres bei der betagteren Gesellschaft zu verursachen.
Die Frisur, oder deren psychologischer Effekt in meinem Unterbewusstsein, verursacht auch wirklich, dass ich im Lineup – also draußen bei den Wellen – ernster genommen werde und schön langsam auch die eine oder andere Welle surfen kann.
Am Weg zurück feilsche ich mit einem der etlichen Straßenkinder um eine Kokosnuss, die mir dann vor meinen Augen von einem siebenjährigen Streuner mit einer Machete geöffnet wird – zum Glück ohne Zwischenfall. Gudi nützt die Gelegenheit und lässt sich mit der Frucht in allen Lebenslagen fotografieren, wahrscheinlich um ein bisschen Tropenfeeling in den sehr meerreichen Fotohintergrund zu bringen.
Meine Frisur kommt gerade bei den Einheimischen durchaus an, so bittet mich ein Junge sogar, ihm die Haare ebenfalls zu schneiden, wozu ich auch bereit gewesen wäre – er kommt allerdings nie zu unserem Haus.
Ansonsten verlaufen die Tage relativ monoton, mal liest, schreibt und surft – zwischenzeitlich nur unterbrochen von schlafen und essen.
Gudis glorreiche Gesetze
Matthias, lass dein Surfbrett nicht draußen liegen!
Gudi hat die einheimischen Kinder, welche eigentlich den ganzen Tag nur herumwandern, schon sehr bald als potentielle Diebe entlarvt, weshalb sie immer sehr erpicht darauf ist, keine Wertgegenstände auf unserer Veranda liegen zu lassen. Ich sehe das naturgemäß lockerer und glaube an das Gute im Menschen, bzw. daran, die kleinen Bastarde in der Strandgemeinde sowieso wieder finden zu können. Rational betrachtet hat Gudi – wie so oft – wohl auch hier Recht, was nichts daran hindert, dass viele ihrer Vorschläge (um nicht Regeln zu sagen) für mich nur schwer einzuhalten sind.