First Week
Die erste Woche ist schon vorbei und es fühlt sich so an, als wäre ich erst seit 2 Tagen hier.

Veröffentlicht: 04.02.2019
Die erste Woche mit Vorlesungen ist schon wieder vorbei und ich habe viel unternommen. Zum Glück habe ich Montags frei, sodass meine Woche etwas später anfängt, als für die anderen.
Die Vorlesungen an der Uni sind sehr anders, als zu Hause. Hier merkt man richtig, wie enthusiastisch und interessiert die Professoren sind, den Studenten etwas beizubringen. Die Beziehung zu den Studenten ist viel persönlicher, da sich alle mit Vornamen ansprechen. Zu Hause ist das Verhältnis zu den Studenten sehr distanziert und oft merkt man, dass die Dozenten gar keine Lust haben uns etwas beizubringen. Die Vorlesungen sind sehr interaktiv und kein Kurs ist größer als 50 Personen. Bevor ich die erste Vorlesung besucht habe, habe ich riesige Räume mit 150-200 Leuten erwartet, da die Uni schließlich 40.000 Studenten hat. Anscheinend studiert nur ein Bruchteil Fashion Management.
Das ist eins der Gebäude, in dem ich Vorlesung habe. Man sieht sehr gut, dass Manchester früher sehr industriell war. Auf meinem Campus sehen fast alle Gebäude so aus und sie erinnern mich sehr an Mönchengladbach.
Wenn ich um 9 Uhr Vorlesung habe, muss ich bereits um 7 Uhr morgens aufstehen, was für mich fast unerträglich ist. Der Campus ist nur ca. 4km von meinem Haus entfernt, aber ich brauche trotzdem fast 40min bis ich da bin. Das macht die ganze Sache etwas anstrengender, als erhofft.
Ich mache dennoch sehr viel außerhalb der Uni mit den Leuten, die ich schon in der ersten Woche kennengelernt habe. Da wir alle nicht sehr viele Kurse haben, treffen wir uns oft im Pub oder zum Bowlen oder gehen etwas essen.
Am Samstag habe ich meinen ersten Ausflug geplant. Es sollte nach Oxford gehen. Ursprünglich wollte ich mit meiner deutschen Freundin Noémi zusammen fahren, die ich hier kennengelernt habe und die auch aus Köln kommt und Fashion Management in Hamburg studiert. Die hat aber leider am Tag der Abfahrt verschlafen, sodass ich dann doch alleine war. Organisiert wurde der Ausflug von der International Society an der Universität. Die planen jedes Wochenende Ausflüge durch ganz Großbritannien und meistens sind es nur internationale Studenten, die mitfahren. Ich hatte Glück und kannte ein paar Leute aus vorherigen Veranstaltungen, sodass ich doch nicht alleine durch Oxford laufen musste. Im Bus habe ich noch einen Australier und einen Dänen kennengelernt, denen ich dann einfach gefolgt bin.
Oxford ist eine sehr schöne Stadt, die sehr viele historische Gebäude hat. Diese Gebäude gehören alle zur University of Oxford, eine der bekanntesten Universitäten der Welt.
Es mag so aussehen, als wäre es dort schön warm gewesen, aber der Schein trügt. Es war angeblich um die 3°C, fühlte sich aber an wie -10°C. Teil des Ausflugs war eine Walking Tour durch die Stadt mit einer einheimischen Frau, die wirklich viel über jedes Gebäude und die Geschichte wusste. Oxford ist sehr touristisch und ich könnte mir nicht vorstellen dort zu studieren. Viele der Gebäude wurden auch für Szenen für die Harry Potter Filme genutzt, sodass es noch viel mehr Touristen in die Stadt treibt.
Der Essensraum eines Gebäudes, ist zum Beispiel der gleiche, wo Harry und die anderen Zauberer ihr Essen zu sich genommen haben. In der Realität essen dort wirklich die Studenten und wenn ich mir vorstelle, dass sich jeden Tag Touristen aus aller Welt den Platz angucken, wo ich frühstücke, wäre ich mehr von Menschen genervt, als jetzt schon.
Zusätzlich kostet der Spaß natürlich auch was, denn nichts im Leben ist kostenlos. Der Eintritt, nur um in diesen einen Raum zu gehen ist 7 GBP, wovon ich mir lieber etwas zu essen kaufe, als mir leere Teller anzugucken. Man muss dazu sagen, ich bin kein riesen Harry Potter Fan bin, weshalb mich dieser Ort nicht wirklich gereizt hat.
Das Gebäude von außen zu sehen war allerdings sehr beeindruckend.
Weil wir alle so 'international' sind mussten wir uns natürlich auch den Super-Bowl am Sonntag Abend/Nacht angucken. Ursprünglich habe ich geplant mit einer sehr neutralen Haltung das Spiel anzugucken und den Abend zu erleben, aber im Leben läuft ja nichts wie geplant. Ich habe vorher noch nie ein Football Spiel gesehen und seit gestern weiß ich auch warum. Um 23 Uhr ging es erst los, was für mich eigentlich eine gute Zeit gewesen wäre, um schlafen zu gehen. Glücklicherweise gab es an diesem Abend das Angebot, in einem der Wohnheime, dass es vor dem Spiel kostenlose Pizza gibt. Da die Engländer bereits um 18 Uhr zu Abend essen, kann man es ihnen ja nicht antun, den ganzen Abend nicht mehr zu essen. Das Erstaunlichste war allerdings, dass als es mit dem Austeilen der Pizza anfing, sich alle in einer Reihe aufgestellt haben und schön einer nach dem anderen sich die Pizza genommen hat. Zusätzlich gab es die Regel, dass jeder erstmal nur ein Stück haben darf, damit jeder etwas bekommt. Klingt für mich sehr fair und vernünftig. Auch wenn das viele in Deutschland auch erstmal sagen würden, sähe die Situation bei uns wie folgt aus:
Sobald eine Person mit Pizzakartons den Raum betreten würden, würden alle Leute zu dieser Person stürmen und ungeduldig warten, bis sie endlich ihr Essen bekommen. Ganz nach dem Motto 'First come, first serve!' Wer nicht dreist und unverschämt genug ist, bekommt leider auch kein Essen. Und die Regel, dass jeder nur ein Stück nehmen darf, würden alle ignorieren. Was Verhalten und Sitten angeht sollten wir uns alle mehr als nur eine Scheibe bei den Engländern abschneiden.
Für die Italiener war es eine Qual, nur ein Stück Pizza pro Person zu bekommen. Sie haben sich schon fast beleidigt gefühlt, wie man so mit Pizza umgehen kann. Aber auch sie haben es überlebt.
Als das Spiel dann endlich angefangen hat, musste ich mir natürlich erstmal überlegen, für welches Team ich sein möchte. Wiedermal ein ungünstiger Sport, um nach Aussehen zu bewerten, da alle Spieler Helme tragen. Letztendlich habe ich mich dann für das Team aus Los Angeles entschieden. Bei einem guten Sportevent darf die Nationalhymne natürlich nicht fehlen. Allerdings hatte ich für einen kurzen Moment vergessen, dass wir uns gerade ein den USA befinden und die machen nichts einfach so. Eine überdimensionale Flagge wurde ins Stadion getragen, während eine mir unbekannte Person die Hymne sang. Kurz vor Schluss der Hymne flogen dann Kampfflugzeuge über das Stadion, sodass sie beim letzten Wort der Hymne genau über dem Stadion waren. Hat für mich wenig Sinn ergeben, weil man das Spektakel nur von außen richtig sehen konnte. Ich konnte mir diese kleine Showeinlage leider nicht angucken, ohne zu lachen. Wenn man sich vorstellt, dass irgendwer sowas bei der Fußball oder Handball WM machen würde, würde uns keiner mehr ernst nehmen. Nach guten 10 min waren dann alle Offiziere, Trommeln und Flugzeuge weg und das Spiel hat begonnen. In den ersten 20 min ist gefühlt Nichts passiert. Kein Team hat es geschafft irgendwie einen Punkt zu machen und als ich dann erfahren habe, dass so ein Spiel gute 3-4 h dauert war es für mich endgültig vorbei. Nach dem ersten 'Quarter' sind wir gegangen. Manche der Italiener waren bereits eingeschlafen und ich hätte es nicht bis zur ersten Halbzeit ausgehalten. Ein interessantes Erlebnis, um das meiner Meinung nach viel zu viel Aufstand gemacht wird.
Vielleicht gucke ich mir nur die besten Momente des Spiels an, damit ich wenigstens weiß, worüber die Amerikaner nächste Woche reden.
Morgen heißt es leider wieder um 7 Uhr aufstehen!