Uji (Alb. Wasser)
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Albanien: Von kaputten Bremsen und der Herzlichkeit der Menschen

Veröffentlicht: 21.05.2023

Ein nicht ganz so wunderschöner Zeltplatz, sekündliche Mückenangriffe, eine schlecht eingestellte Scheibenbremse und Zack! läuft beim Wechseln der Bremsbeläge sämtliches Öl aus der hydraulischen Bremse. Fahrradwerkstätten haben wir bisher eher wenige gesehen und die nächste größere Stadt, Tirana, ist noch über 100km entfernt. Mit einer Bremse durch Albanien und dann auch noch nur am Vorderrad? Bei den Bergen und dem Verkehr wahrhaftig nicht empfehlenswert.

Der Mann vom Zeltplatz erzählt uns von der Werkstatt im nächsten Dorf, finden tun wir keine. So stehen Lucas und ich an der Tankstelle, etwas hilflos, und fragen den Tankwart nach einer Werkstatt. Ohne irgendeine Sprache als gemeinsame Verständigungsgrundlage, ebenfalls unmöglich. Doch manchmal ist man eben doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort und so hält just im gleichen Moment ein Albaner an der Tankstelle, der seit vier Jahren in Mannheim lebt und arbeitet. Er übersetzt unsere Frage und wir bekommen den Weg zur Radwerkstatt erklärt. Nicht nur das. Der Mann begleitet uns mit seinem Auto, fragt sich weiter durch und so landen wir am Ende dank seiner Hilfe in einer Radwerkstatt, die eher einer privaten Garage ähnelt. Gefunden hätten wir die niemals. 

Nach einigen Minuten Klopfen und Rufen, Lucas und ich hätten schon lange aufgegeben, kommt ein älterer Herr, der uns leider nicht helfen kann. Egal! Direkt per Du geben sich die beiden Männer, die Teil unserer Reperaturreise geworden sind, die Hand, quatschen ein wenig und bringen uns dann zu einer anderen Werkstatt. Ganz zufälliger Weise hat der Mann dort grade ein Rad mit Scheibenbremse und zufälliger Weise auch das richtige Mineralöl für meine Bremse. Er repariert mit Hilfe des Mannheimers mein Rad in wenigen Minuten. Lucas und ich stehen daneben, können und dürfen irgendwie auch nicht helfen. Ein anderer Mann, der vorbeikommt, bringt uns ein wenig Obst. Wir sind einfach nur froh und etwas ungläubig, dass wir es bis dorthin überhaupt geschafft haben und allem Anschein nach, sogar mit einer reparierten Bremse weiterfahren können. Wir wollen dem Mann etwas Geld für die Reperatur geben, er möchte nicht. Zum Dank gehen wir mit dem Mannheimer noch Pica und Byrek essen. Doch statt das wir ihn einladen können, besteht er darauf zu bezahlen.

Es ist eine Art der Menschen, an die Lucas und ich uns bis zum Ende unserer zwei Wochen in Albanien nicht gewöhnen können. Wir treffen, egal wo wir sind, auf unfassbar nette und herzliche Menschen. Die Leute grüßen, wo man hinkommt. Autos hupen, um ihren Respekt auszudrücken oder einen auf den Bergfahrten anzufeuern. Sie schenken einem Kleinigkeiten in den Minimarkets oder Cafés. So quantitativ wiederzugeben sind diese unzähligen Erlebnisse mit den Menschen auf dem Weg und die Atmosphäre, die so geschaffen wird, nicht. Sie ist nicht wirklich zu beschreiben, merke ich, wenn ich es versuche. Es ist einem nahezu unangenehm und auf der anderen Seite nehmen wir doch hoffentlich ein paar dieser Erlebnisse mit nach Hause, um sie weiterzutragen, erzählerisch oder in unserem eigenen Miteinander. 

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