Endlich angekommen!
Die ersten Tage bei Child Hope Ministries waren wunderbar. Diese Menschen sind einfach so unglaublich herzlich, ich fuehle mich wie ein Teil der Familie. Was die...

Veröffentlicht: 22.08.2016
Mein Ausflug nach Jinja endete noch in einem mini Abenteuer. Ich hatte nach längerer Suche doch noch eine Unterkunft für unter 15 $ gefunden und suchte mir einen boda-boda Fahrer um mich dort hinzubringen. Dem Preis nach zu urteilen schien das Gaestehaus ziemlich weit entfernt zu sein - na toll ich wollte doch IN Jinja bleiben! Nach 15 Minuten Fahrt waren wir in einem Dorf angekommen, weit und breit war nichts, nicht mal ein kleiner Shop. Ich lief in das Gästehaus und wurde ganz nett begrüßt, aber irgendwie kam mir das ganze da total unheimlich vor. Oh man was hatte ich mir da eingebrockt? Ich sagte zur Dame am Tresen, dass ich für ein Wasser bleiben würde und danach doch wieder zurück in die Stadt fuhr. Dort zu bleiben, machte für mich einfach gar keinen Sinn, denn ich wollte Jinja sehen und das Gästehaus war fast so weit weg wie Bugembe, wo ich wohne! Die Dame hatte leider kein Guthaben um mir ein boda zu besorgen, also frug ich nach dem Weg zur nächsten größeren Straße. Danach lief ich 10 Minuten alleine durchs nirgendwo, irgendwann kam ich an einer Brauerei vorbei, da waren wenigstens ein paar Menschen. Im nachhinein war das ganze etwas dämlich und ich kann froh sein dass Uganda nicht so gefährlich ist wie zb. Kenya, wo ich laut Joram auf jeden Fall überfallen worden wäre auf so einer Strecke allein.
Dann, endlich ein boda gefunden, bin ich zurück in die Stadt und habe mich mit Mitesh getroffen, ein Weltreisender den ich auf der Fahrt von Kampala nach Jinja kennengelernt hatte. Wir verbrachten den restlichen Tag in einem Café und dann fuhr ich wieder nach Hause. Ich war sooo froh als ich dort ankam, die Kinder machten Freudentänze und ich beschloss, dass ich die nächsten Male gar nicht erst versuchen werde in der Stadt zu schlafen, sondern einfach direkt nach Hause komme! :)
Ich bin momentan innerlich ein bisschen zerrissen. Zum einen, kann man hier in der Stadt ein paar tolle Sachen unternehmen: Rafting, Bungeejumping, Reiten, ein MusikFestival und vieles mehr. ABER Afrika ist teuer als Tourist, und dementsprechend kostet alles ein Vermögen. Theoretisch könnte ich mir eine Sache gönnen aber ich glaube dass ich doch tatsächlich lieber das Geld an das Projekt spenden will. Ich sehe wie die Menschen hier leben, es gibt wirklich NIE Proteine zum Essen, sogar ich fahr mir schon nen Film dass ich Wassereinlagerungen kriege und fühle mich healthy as fuck wenn ich mal ein paar Tomaten esse. Nicht dass mich hier irgendjemand verhungern lässt, die Portionen sind riesig und für mich gibts oft Extrawürste. Das will ich dann aber auch irgendwie nicht und hab schon angefangen Essen einfach weiterzugeben.
Es war ja kaum zu erwarten aber so macht man sich doch tatsächlich ziemlich viele Gedanken über diesen ganzen Überfluss den wir im Westen so leben. Bei uns gibt es das ganze Jahr alles an Gemüse und Obst was man sich vorstellen kann, hier gibts Kohl, Grünzeug, Kartoffeln, Tomaten und Plantanen. Wenn man sich das dann leisten kann. Wir füttern uns mit Zucker und Junkfood weil wir Bock haben, hier füttern die sich mit Weißmehl und Zucker um am Leben zu bleiben.
Irgendwie weiß man es ja schon vorher, aber das ganze dann mal wirklich zu erleben ist schon ne aufweckende Erfahrung. Und ich will jetzt gar nicht predigen, Negativität oder ein schlechtes Gewissen verbreiten. Das ist nun mal die Welt in der wir leben. Aber vielleicht sollte sich jeder von uns doch mal ab und zu bewusst machen in was für einem Überfluss an wirklich allem wir leben! Und wenn man sich das nächste mal über die Regierung und das System beschwert, nicht vergessen: wir haben Sozialleistungen, Krankenversicherungen, generell die beste medizinische Versorgung, jeder kann ein Dach über dem Kopf haben, niemand muss hungern, Kinder haben ein Recht auf Bildung, wir haben Zeit zu Denken und für Luxusprobleme und und und.
Uns geht es rundum sau gut, ich bin dankbar dafür!