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#13 Die deutsche Toskana

Veröffentlicht: 23.04.2025

Unterkunft
Stellplatz am Weingut Fitz-Schneider
2 Nächte · Wohnmobil · Edenkoben
Fahrt
Breisach → … → Edenkoben
Deutschland
Spaziergang
Siebenpfeifferweg → Hambacher Schloss
Siebenpfeifferweg
Attraktion
Hambacher Schloss
Neustadt an der Weinstraße, Deutschland
Essen
Uf´m Buck am Weingut Schumacher
regional · $$ · Abendessen
Essen
Edel und Brauch
gutbürgerlich · $$ · Abendessen
Essen
Egidiushof
regional · $$ · Snack
Essen
Weingut Zeter
regional · $$ · Snack
Sehenswert
Bahlingen am Kaiserstuhl
Bahlingen am Kaiserstuhl, Deutschland
Sehenswert
Straßburg Hauptbahnhof
Straßburg, Frankreich
Sehenswert
Breisach über den Rhein
Breisach am Rhein, Deutschland

 Es ist Ostern und da liegt es natürlich nahe, dass alle Menschen frei haben und unterwegs sind. Egal wo man in Deutschland ist, alle touristischen Hot Spots sind belegt.

Daher waren wir ja auch sehr daran interessiert, über Ostern einen festen Platz zu haben, den wir verteidigen und nicht hergeben.

Die Wahrheit kam aber anders – Ostersamstag auf die Straße zu gehen, ohne zu wissen wo man landet und welcher Platz noch Aufnahmekapazitäten besitzt birgt ein kleines Risiko.

Aber dann schmiedet man schon Plan B, dass man notfalls irgendwo auf dem Friedhofsparkplatz oder Sportanlagenparkplatz oder Parkplatz am geschlossenen Freibad eine Übernachtungsmöglichkeit findet.

Wenn da nur nicht die ursprüngliche Vorstellung wäre – nur Plätze mit Aussicht.

Und nun kommt noch hinzu, dass wir Platz für zwei Wohnmobile benötigen, weil wir uns ja mit Falko und „Kalle“ getroffen haben.

Aus der Not heraus entdecken wir bei der Recherche vor Freiburg in der Stadt Emmendingen einen Platz, der am Telefon sofort zwei Plätze zusagt. Ok, das gucken wir uns an.

Einfahrt Camping

Unsere kleine Wagenburg steht und wir machen uns ans Grillwerk zum Abendessen. Das klappt ganz gut, auch wenn das Spülen hinterher nur im Womo geht, weil die Abwaschplätze lediglich kaltes Wasser hergeben. So auch die Waschbecken in den Sanitärbereichen, lediglich die Dusche fördert beim Einsatz von 50 Cent heißes Wasser für 6 Minuten. Dass sollte reichen.

Beim Gang über den Campingplatz (dieses Wort ist fast schon zu viel Lob für den Platz) fühlt man sich in die Welt der Flodders und Wollny`s versetzt. Überall steht Klüngel und Schrott herum, alte Maschinen und alte Motorräder zeigen sich unter dem Krempel. Sogar eine XT meine ich zu erkennen. Zustand? Meine ist besser.

XT 250 - soll noch fahren

Aber der Betreiber ist nett und redselig und immer zur Stelle, wenn sich ein Neuling auf den Platz verirrt. Tatsächlich kommen im Laufe des Abends einige weitere Gäste an und verteilen sich nach seinen Anweisungen auf der Wiese.

Ob wir es hier für zwei Nächte aushalten?

Aber es ist immer noch Ostern und hier haben wir erst mal Platz.

Am Sonntag nach dem Frühstück satteln wir die Räder und machen eine Tour in Richtung Kaiserstuhl, der gleich hinter der A 5 beginnt. Wir sind auf der rechten Seite der Autobahn und damit dem Schwarzwald näher.

Als wir mit den Rädern den Platz verlassen, kommt auch schon der Betreiber und gibt den Rat, eine Regenjacke einzustecken. Am Nachmittag soll der Regen kommen.

Radweg an der Elz

Das haben wir bedacht und werden dann gepflegt einkehren, wenn es soweit ist.

Als wir die geplante Runde etwa zur Hälfte geradelt sind, kam er dann, der Regen. Wir retten uns in die Ortschaft Bahlingen am Kaiserstuhl und suchen nach den Gasthäusern. Für Biergärten oder draußen sitzen ist es definitiv zu kalt. Und drinnen scheint es sehr fein zu sein, jedenfalls gibt es keinen Platz für 3 durchnässte Radfahrer mit Hund.

Letzter Versuch ist die Wirtschaft „Uf´m Buck“ am Weingut Schumacher. Die entpuppt sich als Straußenwirtschaft und ist genau das richtige für uns. Gemütlich und eng am Tisch mit regionaler Küche und Wein vom Weingut lassen wir es uns gut gehen. Hier bleiben wir so lange sitzen, bis es nicht mehr regnet (oder der Wein alle ist).

In der Straußenwirtschaft

Damit haben wir auch schon mal das Abendessen vorgezogen und brauchen nicht mehr viel am Abend.

Der allerdings zeigt sich nach der Rückkehr zum Platz wieder von seiner besten Seite. Die Sonne kommt hervor und wir sitzen draußen vor den Wohnmobilen.

Aber morgen,am Ostermontag, geht`s weiter. Wir hoffen, dass die Osterurlauber dann die Plätze frei machen und wir die freie Auswahl haben.

Unsere Vorgabe heißt ja, dem Flusslauf des Rhein zu folgen. Daher durchqueren wir nach der Abfahrt erst mal den Kaiserstuhl mit seinen vielen Weindörfern und fahren in Breisach über den Rhein nach Frankreich. Dort führt eine kleine Straße direkt am Rhein entlang in Richtung Straßburg.

Im Radio werden die Staumeldungen über den Osterreiseverkehr immer zahlreicher. Unsere Straße in Frankreich ist vollkommen leer und führt schnurgeradeaus. Aber leider sieht man vom Rhein nichts, weil er erstens mit einem Hochwasserschutz eingedeicht ist und zweitens zwischen Straße und Deich noch ein Waldstreifen steht.

Ab und an kommt man dem Wasser dann aber doch näher und erkennt den breiten Strom.

Eingedeicht und begradigt

Es gibt hier einige Staustufen, an denen Energie durch Wasserkraftwerke gewonnen wird. An diesen Stellen führt ein Kanal um die Staustufen herum, damit die Schifffahrt freie Fahrt hat.

Die Attraktivität dieses Abschnittes lässt jedoch zu wünschen übrig. Hier muss man nur durch und nicht viel stehen bleiben.

Schon bald kommen wir an die Ausläufer von Straßburg. Und dann beginnt das Drama. Wir fahren voraus und Falko folgt. Wir haben unserem Navi im Auto die Option ohne Autobahn und ohne Mautstrecken aufgegeben. War ein Fehler!

Das Navi führt uns mitten hinein und durch enge Straße. Dann kommt noch eine Umleitung wegen Baustelle hinzu, so dass wir überhaupt keine Orientierung mehr haben. Als wir dann direkt vor dem Straßburger Hauptbahnhof stehen, reicht es uns. Die Einstellung „mit Autobahn“ wird eingegeben und damit finden wir heraus. Wir hatten zu unserem Glück wenig Verkehr in der Stadt, weil es ja der Ostermontag und damit kein Arbeitstag war. Aber genießen konnten wir die Stadt nicht.

Bahnhof Straßburg

Als dann auf der Autobahn auch noch Starkregen einsetzte und Gewitter über uns stand, war der Drops gelutscht. Straßburg und ich werden keine Freunde.

Als der Regen weniger wurde und die Sicht sich besserte, konnte man bereits in der Ferne den Pfälzer Wald sehen. Und pünktlich mit dem Grenzübertritt in Schwaigen-Rechenbach kamen die ersten Sonnenstrahlen durch. Die Fahrt durch die kleinen Weindörfer mit den engen Straßen war dann ein echter Genuss.

Beim Blick über die hügelige Landschaft mit Säulenzypressen am Horizont ist der Vergleich mit der Toskana durchaus erkennbar.

Die Pfalz verfügt in Deutschland über die meisten Sonnenstunden im Jahr und hält damit auch in dieser Hinsicht mit der Toskana mit.

Unser Ziel sollte der beliebte Stellplatz am Weingut Fitz-Schneider in Edenkoben sein. Den kannten wir aus der Vergangenheit und hatten Hoffnung, dass dort nach den Ostertagen wieder freie Plätze zur Verfügung stehen.

Tatsächlich gab es freie Plätze – die waren jedoch fast alle reserviert.

So mussten wir ein wenig rätseln und mit Hilfe von Frau Schneider doch noch zwei Plätze ohne Reservierung herausfinden.

Der Platz ist äußerst beliebt und nimmt als einer der wenigen Stellplätze Reservierungen an. Nachdem die Mobile standen und wir eingerichtet waren und Kalle mit Falko im Regen seine Runde gedreht hatte, kam unser Hunger.

Die gutbürgerliche Stube im Weingut Edel und Brauch war am Feiertag geöffnet und erwartete uns. Das war nach der strapaziösen Fahrt angemessen.

Am nächsten Morgen weckte uns die Sonne mit all ihrer Kraft. Bestes Wetter und herrliche Sicht auf die Weinberge um uns herum. Das nenn ich mal einen Platz mit Aussicht.

Nach dem Frühstück wurden die Räder klar gemacht und die Tour führte durch die Weinberge in die Ortschaft St. Martin – einer der bekanntesten Weinorte dieser Gegend. Die Weinstöcke waren auch hier sehr zurück geschnitten und die ersten grünen Triebe suchten sich schon den Weg zur Sonne. Wenn die ganzen Weinstöcke im Herbst/Winter zurückgeschnitten werden, entsteht doch eine große Menge Schnittwerk. Was machen die damit?

Tatsächlich erfahren wir später, das alles gehäckselt wird und später in der Erde verteilt wird. Damit entsteht natürlicher Dünger für die nächste Wachstumsperiode.

St. Martin kann man natürlich nicht verlassen, ohne beim Egidiushof vom Winzer Alois Kiefer etwas probiert zu haben. Ist zwar noch früh am Tag, aber gegen ein/zwei Probier-schlucke ist doch nichts einzuwenden.

Und weil die so lecker waren, mussten auch zwei Flaschen in die Fahrradtasche wandern.

Mit diesem zusätzlichen Gepäck ging es dann die Steigung zum Hambacher Schloss hinauf. Die Silhouette des geschichtsträchtigen Ortes sahen wir bereits heute morgen vom Wohnmobil aus.

Nach einigen Steigungsmetern mit dem Rad und einem abschließenden Fußmarsch auf dem „Siebenpfeifferweg“ nach oben standen wir am Aussichtspunkt und hatten einen richtig guten Blick von oben in die Pfalz. Man konnte in der Ferne rätseln, welche Städte zu erkennen waren (Mannheim, Heidelberg, Speyer) und welche Bergrücken sich in der Ferne abzeichneten (Schwarzwald, Odenwald).

Das Hambacher Schloss war 1832 Schauplatz einer Versammlung von mehr als 30000 Menschen aus Frankreich, Polen und Deutschland, die für die bürgerlichen Rechte eintraten, was als Ursprung der deutschen und europäischen Demokratie gilt.

Hambacher Schloss

Die rasante Abfahrt hinunter führte dann direkt in das nahe Weindorf Diedesfeld, wo wir unserem Lieblingswinzer „Zeter“ einen Kurzbesuch mit Verkostung abstatteten. Auf der Weiterfahrt müssen wir dann die Kartons einladen ….

Der Winzer plante für den morgigen Tag die Abfüllung der 2024-er Weine auf die Flasche. Das interessiert mich aber. Machen sie das hier am Hof?

Na klar, ich wurde in eine Halle geführt, in der die Abfüllstraße mit den Flaschen und Verschlüssen vorbereitet war. Die Anlage schafft bis zu 14000 Flaschen täglich. Aber woher kommt denn der Wein, der in die Flaschen wandert.

Thomas Zeter zeigt mir den Keller. Das ganze Areal ist komplett unterkellert und hier unten stehen die großen Edelstahltanks und Holzfässer mit einem Gesamtfassungsvermögen von 250000 Litern. Und damit sind sie noch lange kein Großwinzer, sondern ein Familienbetrieb.

Zeter`s Weinkeller

Meine Hochachtung vor der Arbeitsleistung des Winzers steigt nochmal an.

Zurück am Stellplatz wird das Abendessen vorbereitet – wir grillen, weil das Wetter es einfach zulässt.

Morgen trennen sich unsere Wege. Falko wird nach dem Frühstück gen Heimat aufbrechen. Wir bleiben noch einen Tag.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
4 Tage
Wetter
Frühling
Begleitung
Mit Freunden (3)
AbenteuerlichKulturellKulinarisch
  • Radtour Richtung Kaiserstuhl
  • Einkehr in der Straußenwirtschaft Uf´m Buck
  • Straßburg nur im Vorbeifahren
  • Aussicht vom Hambacher Schloss
  • Weinprobe bei Egidiushof und Zeter
FahrräderWohnmobilRegenjacke
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Antworten (2)

Konnyvor mehr als 1 Jahr
Wunderbar, da kommen Erinnerungen auf💕

Conny vor mehr als 1 Jahr
Ihr erlebt so viel, das ist echt Beneidenswert. Habt noch eine schöne Zeit und ganz viele schöne Momente 🌅. Liebe Grüße von uns

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