Eine Nacht mit klappernden Zähnen
Eines vorneweg: Wir haben nicht in Puertomingalvo übernachtet. Ich hatte gerade den Blog-Beitrag von gestern weggeschickt, als meinem Schatz einfiel, dass sie gerne weite


Veröffentlicht: 26.10.2026









Vor unserer Abfahrt aus Linares de Mora spazierte ich heute Morgen zum Friedhof hoch, an dessen Fuße wir zwei überaus ruhige Nächte verbracht hatten. Die vielen Schleierwolken am Himmel dämpften die schon kräftigen Sonnenstrahlen und tauchten die weißen Steinmauern und das saftige Grün der Berge und Wiesen ringsum in ein weiches, fast sanftes Licht.
Der Friedhof überraschte mich. Hier waren die meisten Gräber in einen Betonbau eingelassen, in den die Särge und auch Urnen problemlos hineingeschoben werden konnten. Jeder Schacht war mit einer meist schwarzen Steinplatte verschlossen, auf der Name und Todestag des oder der Verstorbenen eingraviert waren. Bunte Blumen schmückten die einzelnen Gräber, keine natürlichen, sondern künstliche, aber alle strahlten in bunten Farben, unberührt von der unerbittlich heißen Sommersonne.
Ich setzte mich auf eine Bank. Die Sonne hatte die Morgenkälte schon vertrieben. Ein leichter Wind wehte. Hinter mir rief leise ein Käuzchen. Es war ein besonderer Augenblick. Ein Ort, eine Minute wie gemalt. Ein Moment, ein Gefühl, das Vergänglichkeit … ja, das Vergänglichkeit vergänglich machte. Hier, auf diesem kleinen Friedhof in der Sierra de Gúdar, im Süden Aragoniens, schien die Zeit für ein paar Sekunden zur Ewigkeit zu werden.
Zurück am Wohnmobil hatte mich die Wirklichkeit schnell wieder am Wickel. Wir hatten kein Wasser mehr im Tank, das Brot war alle und für unser nächstes Ziel Rubielos de Mora hatten wir noch keinen Stellplatz. Der war schnell gefunden, aber es war nur ein abgelegener, schmutziger Sandplatz, auf dem unsere Schmuddelbande ihre Freude gehabt hätte – und wir damit jede Menge Ärger …
Wir schauten uns das nette Örtchen an, bekamen danach eine ausgezeichnete Brotzeit serviert und entschlossen uns, weiter nach Mora de Rubielos zu fahren, wo wir unsere Vorräte auffrischen wollten. Das klappte auch prima, doch den eingezeichneten Wohnmobil-Stellplatz fanden wir nicht. Ich erspare euch hier eine nähere Beschreibung unserer halbstündigen Kreuz- und Querfahrt bergauf und bergab. Es war erst 13.30 Uhr, und so beschlossen wir, die knapp 90 Kilometer weiterzufahren nach Albarracín. Und hier stehen wir nun sicher auf einem wunderschönen Stellplatz und freuen uns auf den morgigen Besuch dieser prachtvollen Stadt.
