Ein Spektakel auf Messers Schneide
Das Wichtigste vorweg: Wir sind wieder komplett! Gestern Abend kam Icke mit dem Flieger aus Berlin. Sie wollte ein Taxi zum Campingplatz Estrella de Mar nehmen,


Veröffentlicht: 17.10.2026







Wir sind heute schon die 25 Kilometer nach Valderrobres gefahren, unsere zweite Station. Eigentlich hatten wir ja für jedes Dörfchen zwei Tage Aufenthalt eingeplant, aber Icke hatte ein paar triftige Gründe für einen vorgezogenen Ortswechsel: Wochenmarkt! Für Valderrobres war heute ein – ich zitiere Icke – „spektakulärer Wochenmarkt mit 30, 40 Ständen“ angesagt. Wir fanden auf unserer 90minütigen Suche zwei Buden, eine mit Obst, die andere mit Brathähnchen. Aber morgen dazu mehr.
Während Icke sich die nächste halbe Stunde bei einem Schmuckhändler-Pärchen fest quatschte und dabei ihr Spanisch auffrischte, besetzten Emmi, Pipo und ich ein Tischchen vor einem Café, das leider noch geschlossen hatte und ließen noch einmal den gestrigen Tag in Calaceite vor unserem geistigen Auge Revue passieren.
Der Stellplatz war nicht wirklich schwierig zu erreichen, doch die vielen tiefen Schlaglöcher auf der 500 Meter langen Zufahrt waren nicht ohne. Die Parkfläche war nicht eben, aber da sich das Wohnmobil in Richtung Fahrerhaus neigte – und damit auch die Betten – war das kein großes Problem. Wenn der Kopf tiefer liegt als die Füße, wäre es schwieriger.
Calaceite zählt keine 1000 Einwohner, aber die gut erhaltenen, mit mächtigen Steinen erbauten Stadthäuser erzählen von einer beeindruckenden Vergangenheit. Die Mariä-Himmelfahrts-Kirche mit ihrem mächtigen Portal wäre wohl für jede Stadt ein Prunkstück. Wir sind nicht so gerne auf der Jagd nach Sehenswürdigkeiten, uns interessiert mehr die Atmosphäre einer Stadt und ihre Menschen. Anders als an der Küste sind Touristen hier noch Nebensache. Restaurants und Cafés öffnen erst gegen 19 oder 20 Uhr ihre Pforten. Als wir ein Gasthaus fanden, das schon früher geöffnet hatte, winkte die Bedienung sofort ab: keine Hunde! Rund 15 ältere Damen, die rund um einen großen Tisch saßen, musterten uns stumm mit kritischen, unfreundlichen Gesichtern. Wir waren nicht traurig, dass wir wieder gehen mussten.
Die Menschen in der Matarrana leben in einer Region, in der seit vielen, vielen Generationen hauptsächlich in der Landwirtschaft hart gearbeitet wird. Früher waren Orte wie Calaceite der Mittelpunkt einer kleinen Welt, in der auch wohlhabende und einflussreiche Leute gut leben konnten, wovon die herrschaftlichen Stadthäuser heute noch zeugen. Das Leben auf demLand fordert viel, hier und da sind Anstrengungen auf touristischem Terrain zu erkennen, aber es wird wohl noch Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis sich hier etwas bewegt. Auf der anderen Seite: Wer sich hierher verirrt, kann noch das echte Spanien erleben – und das ist genau das, was wir wollen.
