Therma, Seychelles Beach
Ich bin ja relativ schlecht darin, mich „treiben zu lassen“. Irgendwie bin ich dann meist unzufrieden, und weiß nach 10min nicht mehr, was ich machen soll. Auch ein Grund dafür,...

Veröffentlicht: 09.09.2026
Strandtag!
Nach zwei Kaffee, zwei Zigaretten und ein bisschen Zitronenkuchen von Maria habe ich mich wieder auf den Weg nach Armenistis gemacht um dort etwas zu frühstücken und danach den Tag am nebenan gelegenen Livadi-Beach zu verbringen.
Ich habe dann ein schönes Kafenio gefunden und dort bei herrlichem Ausblick Avocadotoast, Americano und einen frisch gepressten Orangensaft genossen. Ich hatte mich daran erinnert, dass Armenistis irgendeinen Bezug zur Hippie Kultur hatte und dachte, das könne man ja mal recherchieren…
Ein klassisches Rabbithole ist das. Hinter fast jedem Nebensatz findet sich ein weiteres Sammelsurium an Informationen und anderen interessanten Geschichten, aber ich versuche mal, es zusammenzufassen:
Ikaria ist innerhalb Griechenlands auch als κόκκινος βράχος (Kokkinos Vrachos, Roter Fels) bekannt. Während Griechenland um den 2. Weltkrieg herum von Italien und Deutschland besetzt war, in der Zeit nach dem Krieg, als hier in Form eines Bürgerkriegs zwischen Faschisten und Kommunisten einer der ersten heißen Konflike des kalten Krieges ausbrach, sowie der bis in die Siebzigerjahre andauernden faschistischen Diktatur wurden Tausende linke Intellektuelle, Kommunisten und Regimegegner auf Ikaria verbannt.
Die Verbannten wurden aber trotz eines strengen Kontaktverbots und drohender Folter von den Einheimischen nicht isoliert, sondern in die Dorfgemeinschaften integriert. Dadurch entstand auf Ikaria schon früh eine tief verwurzelte Kultur des Antiautoritarismus (ich habe 5 Minuten an diesem Wort geschrieben und es ist immer noch rot unterstrichen 🤷♂️), der Solidarität und des alternativen Denkens.
Das sprach sich herum, und so wurde Ikaria in den Sechziger- und Siebzigerjahren ein beliebter Rückzugsort für junge Menschen, die ihre Ruhe vor dem repressiven Athener Regime haben wollten.
Anfang der Siebziger landete dann eine Gruppe deutscher Marinepfadfinder in Armenistis. So die Legende. I was today years old, when I found out there was such a thing as „deutsche Marinepfadfinder“. Die Betonung scheint jedenfalls auf „Pfadfinder“ statt „Marine“ zu liegen, denn diese Gruppe gründete gemeinsam mit den griechischen Linken Studenten eine feste Kommune dort.
Von den Einheimischen wurden die Neuankömmlinge als γρούβαλοι (Grouvaloi) bezeichnetden (Grouvaloi) bezeichnet, was sich vermutlich von „Groove“ ableitet. Die Hippies feierten die totale Freiheit, das Wildcamping und die Freikörperkultur, und die Ikarioten , die sowieso sehr entschleunigt leben und die mit den politischen Ansichten der Hippies teilten, ließen sie einfach machen.
Die Hippie-Zeit ist lange vorbei, aber ein gewisser Spirit davon hat sich bis heute in Armenistis gehalten. Immer noch ist der Ort ein beliebtes Reiseziel bei linken griechische Studenten, und einige der Hippies von damals haben sich dort dauerhaft niedergelassen.
Ich denke, dass ich die zweite Hälfte meines Urlaubs dort, oder im benachbarten Gialiskari (wo ich vor 16 Jahren schon ein Zimmer hatte) verbringen werde, aber wer weiß was in den nächsten paar Tagen noch so passiert.
Zum Thema „Kommunismus auf Ikaria“ habe ich zwei sehr lesenswerte Artikel gefunden. Einen aus der Schweiz: https://www.woz.ch/2228/ikaria-griechenland/das-verborgene-herz-der-weltrevolution
Und einen englischsprachigen von Al Jazeera: https://www.aljazeera.com/opinions/2022/9/16/neurotic-in-paradise
Danke für die Aufmerksamkeit 🤓