Prolog III
Nach 24h habe ich das griechische Festland in Patras erreicht. Die Überfahrt war OK. Meine Kabine habe ich mir mit einem älteren Griechen, der sehr nett war aber auch se

Veröffentlicht: 08.09.2026
Um 4:30h klingelt der Wecker und ich wechsele die Straßenseite um die Fähre zu besteigen. Die Überfahrt verläuft absolut reibungslos, leider ist es zu windig um sich dauerhaft auf dem Sonnendeck aufzuhalten. Nach kurzen Stopps auf Siros und Mykonos ist am Horizont Ikaria schon zu sehen, und die letzte halbe Stunde trotze ich den Ägäischen Winden, stehe an der Reling und bekomme ein Lächeln nicht aus dem Gesicht. Es ist jetzt über 16 Jahre her, dass ich zum ersten (und bis gestern zum einzigen) Mal diese Insel besucht habe. Vom Schiff aus sehe ich Armenistis, Gialiskari und die beiden Traumstrände dazwischen. Ich war lange nicht mehr so positiv aufgeregt.
In Evdilos klappt dann alles wieder völlig entspannt. 20 Minuten nach dem Anlegen übernehme ich meinen Mietwagen, und weitere 20 Minuten später erreiche ich meine Ferienwohnung in Droutsoulas in den Bergen.
Meine Vermieterin Maria begrüßt mich herzlich obwohl wir zu Beginn eine Viertelstunde oder so lost in translation sind. Mit meinen paar Brocken Griechisch sowie Händen und Füßen klappt es aber letztendlich. Meine temporäre Mitbewohnerin lerne ich auch kennen und erfahre, dass sie gerade vier Babys hat. Diese habe ich aber noch nicht entdeckt
Nachdem ich mich kurz eingerichtet habe, fahre ich wieder Richtung Küste. Mein Plan: Kleine Ortskontrollfahrt Richtung Gialiskari, dort kurz im Meer baden, und danach in Evdilos am Hafen etwas essen gehen. Wird auch genauso durchgezogen. Am Strand in Gialiskari besuche ich dazu noch die Schildkröten, die dort in einem kleinen natürlichen Teich am Ende eines Flusses leben. Zu Essen gibt es „Goat on a Boat“, in Tomatensauce geschmortes Ziegenfleisch auf einem Brioche mit lokalem Ziegenkäse und einer Joghurtsauce.
Ziege ist hier sehr populär. Das liegt daran, dass Ikaria über keinen natürlichen Hafen verfügt und die See sehr rau ist. Dazu waren hier früher viele Piraten unterwegs. Daher wurde hier im Gegensatz zu den meisten anderen griechischen Inseln kaum Fischfang betrieben. Die Menschen lebten hauptsächlich in den Bergen, und ernährten sich von selbst angebautem Gemüse. Die Ziege kam dazu, weil sie für die Landschaft hier das optimale Nutztier ist.
Vermutlich trägt auch diese Ernährungsweise dazu bei, dass Ikaria zu fünf bekannten „Blue Zones“ auf der Welt zählt, in denen die Menschen viel länger als im Durchschnitt leben, und in denen es so viele Menschen über 100 Jahre gibt, wie es statistisch eigentlich unmöglich ist.
Nach dem Essen und der Besorgung einiger Vorräte im Mini Market lasse ich den Abend dann auf meiner Terrasse ausklingen. Nebenan sitzen meine Nachbarn zusammen und ich versuche ein paar bekannt Worte aufzuschnappen. Ein Haus weiter pressen drei Männer Oliven mit einer kleinen Handpresse (Knochenarbeit) und ich traue mich tatsächlich zu fragen, ob ich ihnen ein wenig zuschauen darf. Ich höre Ziegen blöken, höre den Wind durch die Olivenbäume pfeifen, und schlafe wenig später erschöpft von den letzten drei Tagen und voller Vorfreude auf die nächsten 20 Tage ein.