Go West
There where the air is free; We‘ll be what we want to be; Now that we male a stand; We‘ll find our promised Land (Pet Shop Boys, Go West) Ok, vielleicht etwas übertrieben dafür,...

Veröffentlicht: 20.09.2026



















In den letzten Tagen habe ich es eher ruhig angehen lassen. Da ich nicht einen auf Söder machen wollte, habe ich daher nur ein paar Bilder im WhatsApp Status geteilt. Mehr als leckere Dinge zu essen ist einfach nicht passiert. Und das ist gut so.
An meinem letzten Abend in Droutsoulas habe ich in meiner Stammtaverne in Evdilos zwei Frauen aus Zypern kennengelernt. Die beiden hatten wie ich den Plan, am Donnerstag ein Panigiri zu besuchen. Wenn ich alles richtig verstanden habe, war dies auch der Abschluss der Panigiri Saison.
Es war dann sehr angenehm, dort von vornherein etwas Anschluss zu haben. Eine der Frauen besitzt in Limassol eine ihren Angaben nach sehr berühmte Taverne und war entsprechend kommunikativ.
Nachdem wir zuerst fast genau eine Stunde angestanden haben, um uns mit Ziege, Tsatsiki, Feta, Brot, Weiß- und Rotwein sowie Wasser zu versorgen, wurde der Abend sehr gesellig und lustig.
Ich habe mich mit Leuten aus sieben oder acht Ländern unterhalten, auch mit solchen die dauerhaft oder zumindest mehrere Monate im Jahr hier leben, Einheimischen, Festlandgriechen und Expats. Und es war wirklich wahnsinnig interessant.
Natürlich ist das in gewisser Weise ja auch eine Bubble hier, aber das Gespräch drehte sich nie um die großen Themen. Eine Waliserin mit jüdischen Wurzeln hat sich mit einem türkischen Muslim über die Gastfreundschaft und die unglaubliche Schönheit der Insel unterhalten. Überhaupt ging es bei fast allen Gesprächen darum, wie gut die Menschen hier miteinander umgehen. Das ist nicht nur der Eindruck, den man als Tourist bekommt. Das ist wirklich so wie im Beitrag „der rote Fels“ beschrieben.
Alle haben alle ihre Speisen und Getränke selbstverständlich mir allen geteilt. Wir haben getanzt, gelacht und getrunken. Viel getanzt. Noch mehr getrunken. Es ist echt unbeschreiblich, wie es sich anfühlt, beim gemeinsamen Tanzen ein Teil von so einer Gemeinschaft zu sein.
Gegen halb drei Morgens hat mir ein deutscher Hippie eine Mitfahrgelegenheit nach Armenistis organisiert und ich habe dann meine erste Nacht dort verbracht.
Am nächsten Tag bin ich dann, zwar etwas unfit aber nicht verkatert, in sengender Mittagshitze 8Km nach Kampos gewandert, wo ich nahe des Panigiri mein Auto an der Straße geparkt hatte. Und das war dann auch genug der Aktivität. Den Rest des Tages habe ich wieder am Mesakti Beach verbracht, wo ich Abends das erste Mal nicht so gut gegessen habe (Keftedes aus der Mikrowelle…aber die Aussicht!). In der Beach Bar nebenan versammelten sich nach Sonnenuntergang viele Surfer, was durchaus Potenzial gehabt hätte lustig zu werden, ich fühlte mich aber nicht zu 100% in der Stimmung für einen weiteren eskalierende Abend.
Samstag und heute habe ich dann in Armenistis verbracht. Hier mal Frühstücken, dort noch einen Kaffee, ab ins Wasser, wieder auf den Balkon und lesen, wieder ins Wasser, HSV Netradio hören, ins Wasser, ins Wasser, duschen, Taverne.
Entgegen sonstiger Gewohnheiten habe ich nach dem ersten drei Punkten der Saison für den HSV mein Trikot angezogen, und wurde tatsächlich ein paarmal freundlich angesprochen. Ich mach das ja quasi als subtilen Protest gegen meine Freunde, die ihre Devotionalien eines nicht kommerziellen Modelabels mit angeschlossener Betriebssportgruppe nahe dem alten Flakbunker an der Feldstrasse bei jeder unpassenden Gelegenheit zu Schau stellen, eher selten. War aber ganz lustig.
Heute habe ich dann auch wieder bewusst ohne Plan den Tag gestaltet. Also Balkon und Wasser in Dauerschleife. In den nächsten Tagen möchte ich auf jeden Fall noch zwei Ausflüge zur Recherche machen: Nach Christos Rachos und zum Mikis Theodorakis Haus, in dem der große griechische Komponist und Kommunist ein paar Monte seiner Verbannung verbracht hat.
Und das geile ist: Ich hab noch eine volle Woche hier.