Solche Tage gibt’s halt auch…
Ich habe heute einmal kurz gebadet und lecker in einer Fischtaverne in Gialiskari gegessen, die ich schon von meinem ersten Aufenthalt vor 16 Jahren kannte. In der Taverne habe...

Veröffentlicht: 17.09.2026
Auf Ikaria geht man nicht auf ein Fest, sondern landet irgendwann in einem Panigiri. Die Erfahrung habe ich auch 2010 schon gemacht und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht.
Zunächst sitzt man an einer Tafel und hat vor sich einen Teller mit Ziegenfleisch und ein Glas roten Wein. Wer Katzikis nicht mag, kann auch auf Salat oder andere selbstgemachte Spezialitäten essen, und auch ich habe statt des Weins lieber ein Bier getrunken.
Dann beginnt irgendwann die Band zu spielen. Geige, Bouzoiki, Kontrabass erklingen, und unmittelbar danach bildet sich der erste Kreis von Menschen aller Altersklassen, die sich an den Schultern fassen. Kinder neben Greisen, Urlauber neben Einheimischen. Die Lieder dauern schier endlos.
Anlass eines Panigiri ist üblicherweise der Namenstag des oder der Heiligen, dem oder der die örtliche Kapelle gewidmet ist. Nach einem Gottesdienst und einer Prozession geht es gegen 21:00 Uhr in den weltlichen Teil mit Essen, Trinken, Musik und Tanzen über.
Ein Panigiri dauert tatsächlich immer bis in die frühen Morgenstunden an. Ich halte so lange ja nicht durch, aber mir wurde nicht nur einmal davon berichtet, dass Besucher*innen bis um 6:00 Uhr oder so durchgefeiert haben.
Traditionell wird dort Ziegenfleisch serviert. Heute zumeist gegrillt, historisch hat man die ganze Ziege (abgezogen und zerhackt natürlich, aber mit Innereien, Knochen, Knorpel und Augen usw) stundenlang ausgekocht und die Brühe dann mit Brot serviert. Die Zutaten werden traditionell gestiftet, und so funktioniert das Fest auch als eine Art Dorfkasse, von der z.B. ein neuer Anstrich für die Kapelle, oder einfach das nächste Fest finanziert wird. Das hatte früher wahrscheinlich eine noch größere Bedeutung, aber spielt auch heute noch eine wichtige Rolle.
Die Bewohner des Dorfes beteiligen sich unentgeltlich bei der Organisation, dem Aufbau von Tischen und Bänken sowie dem Ausschank und der Zubereitung des Essens.
Der hauptsächlich getanzte Tanz ist der Ikariotikos, eine langsame, kreuzbandschonende Variante des bekannten Sirtaki. Dieser soll sich von Ort zu Ort auch leicht unterscheiden.
Als es sehr langsam wurde, habe auch ich mich dann getraut, etwas näher an den Kreis heranzurücken. Kurz darauf wurde ich an der Hand genommen, hatte fremde Arme auf meinen Schultern, und versuchte den etwa neun Schritten möglichst perfekt und fehlerlos zu folgen.
So ein Quatsch!
Es ist völlig egal, wie „gut“ man tanzt. Ich fühlte mich wirklich an den Artikel der Amerikanerin auf Al Jazeera erinnert. Niemand hat hier irgendwelche Ansprüche an mich. Es geht bei dem Fest und dem Tanz einfach nur um eine Form von Gemeinschaft. Das merkt man sofort, wenn man im Kreis ist. Ein wirklich tolles Gefühl, dass ich bisher so ähnlich höchstens ab und zu im Fußballstadion erlebt habe, nur dass hier eben alle teilhaben, und es nicht nur eine Veranstaltung für eine bestimmte Klientel ist.
Die Panigiri funktionieren als gesellschaftlicher Kitt sowohl innerhalb der dorfgemeinschaften als auch zwischen den einzelnen Orten.
Gäste sind immer willkommen. Ich habe relativ viel herumgefragt, und wirklich niemand empfindet es als kulturelle Aneignung oder mangelnden Respekt, wenn z.B. auch leicht bekleidete Festlandeuropäer ausgelassen mitfeiern.
Trotzdem denke ich, dass man als Tourist beachten sollte, dass man ein gern gesehener Gast ist, das Fest aber viel, viel mehr als eine folkloristische Veranstaltung für Touristen ist.