Tour dei Baschenis

Trentino auf schräge Weise

Grappa am Vormittag

Der erste Schritt aus unserem Hotel in Trento in der Früh war trotz strahlender Sonne einigermaßen ernüchternd: Mitten in der kleinen Altstadt waren alle mit Maske unterwegs, obwohl es weit und breit keine assembramenti gab. Sehr unwirklich, fast wie in einem Science-Fiction-Film. Diese geballte Irrationalität führte bei mir zu einem klitzekleinen Wutausbruch, den Roby kurzerhand bekämpfte, indem er mich ins Auto stopfte und zu Pilzer fuhr. Nichts geht über ein gutes Dutzend assaggi von Hochprozentigem am Vormittag, um wieder Ruhe ins Gemüt zu bringen. Um eventuellen weiteren cholerischen Anfällen vorzubeugen, haben wir gleich ein bisschen eingekauft: Klare Grappa von Teroldego und Traminer, fassgereifte Grappa (eine 5 Jahre lang im Eichenfass und die andere im Whisky-Fass, was absolut sensationell ist) sowie zwei verschiedene Gin-Sorten sollten eine Weile reichen - und sind alle großartig, ebenso wie die Landschaft in der Umgebung.

Die Mittagszeit verbrachten wir in Rovereto, einer gemütlichen Provinzstadt mit vergleichsweise wenigen Maskenträgern*innen, umgeben von Bergen - ein bisschen wie Innsbruck, nur weniger bedrohlich. Dort halten wir stets eine Schweigeminute für Franco Bonisolli ab, der ein Sohn des Städtchens war (in seiner Jugend arbeitete er als Skilehrer). Er war Robys Jugendtenorgott - meiner ja weniger, aber jahrzehntelange Indoktrinierung haben auch mich von seinen Qualitäten überzeugt.

Unsere Versuche, den trentinischen Spumante zu verkosten, scheiterten zumindest teilweise an Corona: Bei Letrari hätten wir kaufen dürfen, aber nicht kosten, denn man müsse sonst vorher alles desinfizieren, wurde uns beschieden. Bei den Nachbarn von der Cantina d'Isera (keine eineinhalb Kilometer weiter) war das nicht nötig. Also wanderten Trentodoc und Marzemino (von dem Don Giovanni sang, dass er eccellente sei, was jedoch meist nicht - mehr - stimmt) hier in den Kofferraum.

Abendessen in den Bergen, sehr urig mit Knödel und einer Rindsuppe, die mich an die Leberreissuppe meiner Kindheit erinnerte (hier war sie mit Milz), aber alles nicht wirklich toll.

Morgen beginnt dann unser eigentliches Programm mit der ersten Baschenis-Kirche.

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