Berastagi
Mit unserem Sammeltaxi ging es einigermaßen komfortabel weiter nach Berastagi, auch wenn die Straßen wirklich nicht dolle waren und wir für 130 km fast 5h brauchten. Berastagi...


Veröffentlicht: 10.03.2026




















































Von Medan ging es also mit unserem Taxi nach Bukit Lawang - ein Geschlängel über holperige Straßen durch viele kleine Dörfer, vollgestopft mit Mopeds, LKWs mit Menschen, Palmölfrüchten oder anderem Zeug beladen. Um so ruhiger wurde es, als wir in Bukit Lawang, einem kleinen Dorf am Fluss Bahorok am Rande des Dschungels und des Gunung Leuser National Parks, ankamen. Obwohl hier die meisten vom Tourismus leben und wir innerhalb der europäischen Sommerferien in der Hochsaison hierher reisten, war es wirklich sehr ruhig und entspannt und alles andere als überlaufen. Restaurants und Unterkünfte reihten sich am Fluss entlang, an dem Menschen saßen, badeten, Wäsche wuschen und den man über wackelige zusammengebastelte Brücken überqueren konnte. In unserer Unterkunft bezogen wir eine gemütliche Holzhütte, die Eigentümer wohnten auch hier (je nach Anzahl der Gäste in mehr oder weniger Zimmern), Kinder, der Familienhund und Katzen flitzten durch den Garten, Affen saßen im Baum und mampften Früchte. Schön und entspannt hier!
Hier in der Gegend gibt es eine deutsche NGO - Project Wings - über die wir zufällig etwas in einem Podcast gehört hatten. Das wollten wir uns näher anschauen. Tatsächlich wurden wir freundlich empfangen und auch auf dem Gelände herumgeführt. Ziel der NGO ist es, sich den massiven Umweltproblemen Indonesiens - massiver Plastikmüll und gleichzeitige Abholzung des Regenwaldes für Palmölplantagen - entgegenzustellen. Mit Ecobricks (alte Plastikflaschen, die mit stark komprimiertem Plastikmüll gefüllt werden und anschließend als Baustein verwendet werden) sollen die massiven Müllaufkommen reduziert werden. Um die Bevölkerung zum Müllsammeln zu motivieren, bekommen diese Geld für die Ecobricks. Tatsächlich konnten wir in Bukit Lawang und in der Umgebung kaum Müll herumliegen sehen. Bisher wurden so schon etliche öffentliche Gebäude (zB überdachter Sportplatz, Versammlungsräume), die der Bevölkerung zugute kommen, so erbaut. Hier werden auch Schulungen zum Thema Umweltbildung, zB für andere Gemeinden angeboten. Die NGO hat das Ziel, sich bald selber komplett finanzieren zu können, daher gibt es zB auch biologischen Gemüseanbau und Bambusverarbeitung, wodurch ein paar Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen werden und Geld reinkommt. Ein paar deutsche Soziologiestudenten, die dort ein Praktikum machten, trafen wir auch. Wirkte vielversprechend und unterstützenswert für uns!
Außerdem ging es in die Desa Sampe Raya Höhle, das war auch ein ganz spannendes Erlebnis. Die Höhle ist nicht riesig, die Kraxelei zum Teil etwas abenteuerlich. Als Belohnung gab es dann wirklich einige Fledermäuse, auch unterschiedliche Arten, und eine schöne Fels-Dschungelkulisse.
Der Hauptgrund unserer Reise nach Bukit Lawang war jedoch ein Dschungeltrekking im Gunung-Leuser-Nationalpark, um Orang-Utans sehen zu können. Wie üblich, buchten wir die Tour direkt im Hostel, und so ging es für uns zwei mit Kayla für 4 volle Tage in den Dschungel. Früher gab es im Dorf wohl viel Konkorrenz und Preiskampf, mittlerweile gibt es aber einheitliche Preise, was bestimmt zu etwas mehr Frieden geführt hat. Also wanderten wir los, zu Beginn noch durch ein paar kleine Gummibaumplantagen, die wir schon in den Tagen zuvor gesehen hatten. Ein mühsames Geschäft, das sich kaum noch lohnt und nur noch von einigen alten Männern betrieben wird. Am Eingang des Nationalparks war es relativ voll, da hier alle Tagestouristen und auch die Gruppen mit kürzeren Touren (die meisten bleiben 1-2 Tage im Dschungel) zusammentrafen. Und dann ging es plötzlich auch schon ganz schnell. Einer der Guides schlug Alarm, und schon trabten wir alle über Stock, Stein und Gebüsch, um uns dann an einen zugewachsenen Hügel zu hocken. Und da war sie, unsere erste Orang-Utan-Dame, die nicht allzuweit weg vom Boden sich ganz gemächlich durch die Bäume hangelte. Was für ein Anblick, und der Trubel der anderen Touristen um uns herum war komplett vergessen! Die Fortbewegung der Orang-Utans hat übrigens nichts Hektisches, sondern ist total entspannt. Sie springen nicht von Ast zu Ast, sondern hangeln sich. Wenn die Abstände zu groß sind bringen sie die Äste in Schaukelbewegung, bis sie den nächsten Ast erreichen können. Danach ging es weiter rein in den Dschungel, bergauf und bergab wandernd, kletternd, rutschend, schwitzend, über Waldboden, Matsch, Wurzeln. Zunächst hatten wir das Gefühl, uns kaum vom Dorf wegzubewegen, auch weil wir den Muezzin zwischendurch rufen hörten, aber im Nachhinein stellten wir fest, dass wir ganz anders liefen, als wir uns das vorgestellt hatten und völlig die Orientierung verloren hatten. Als wir zwischendurch Pause machten, stellten wir fest, dass Kayla kiloweise Obst für uns dabei hatte (wie auch immer er das noch schleppen konnte, er hatte nämlich die Rationen für alle Tage dabei), das er kunstvoll aufschnitt und auf Bananenblättern drapierte. Später gab es Nasi Ayam im Bananenblatt, auch sehr lecker. So können auch verwöhnte Westler gerade so im Dschungel überleben! Die Anzahl der anderen Touristen wurde sehr schnell weniger, so dass wir immer mal wieder anderen Gruppen begegneten, aber auch viel zu dritt wanderten. Einmal an diesem Tag entdeckten wir noch Orang-Utans, diesmal mussten wir uns noch tiefer durch das Gebüsch schlagen, was gar nicht so einfach war. Dafür sahen wir - deutlich weiter oben in den Bäumen - eine Mama mit ihrem noch recht kleinen Jungen, welches sie immer ein Stück durch die Äste klettern ließ, um es dann wieder einzufangen! Toll, toll, toll! Orang-Utans haben nach den Menschen übrigens die längste Kindheit im Tierreich, sie bleiben nämlich ca. 8 Jahre bei ihren Müttern. Auch ein Männchen mit den ausgeprägten Backenwülsten konnten wir in der Nähe sehen.
Abends in unserer Übernachtungshütte (eher Sichtschutz und Dach über dem Kopf) lernten wir unseren persönlichen Koch Mahadi kennen, der Matratzen und Decken für uns mitgebracht hatte und uns ein wirklich köstliches Mahl mit einer außergewöhnlichen Hingabe, Ruhe und Liebe zubereitete. Das beste Essen in Indonesien gab es im Dschungel, teilweise von ihm hierher transportiert, teilweise in der Umgebung gesammelt (zum Beispiel köstlicher essbarer Farn). Nur das Flusswasser zum Trinken war gewöhnungsbedürftig, wurde zwar abgekocht, schmeckte aber echt komisch und enthielt doch ziemliche viele Feststoffrückstände. Zur Wahrheit gehörte auch, dass Kayla und Mahadi sich anschließend die Hirse wegkifften, was uns aber herzlich egal war, weil wir echt fertig waren. Dschungeltoilette benutzen (Loch mit Sichtschutz), sich im Fluss waschen, Wunden lecken und vergeblich versuchen die Klamotten trocken zu kriegen, dann ging es früh ins Bett. Marike taperte im Dunkeln noch mal barfuss durch eine Feuerameisenstraße, das war mal kurz sehr schmerzhaft, aber schneller vorbei als gedacht. Es war übrigens herrlich ruhig, die wenigen anderen Touristengruppen lagerten jeweils etwas oberhalb oder unterhalb des Flusses, daher hatten wir viel Privatspähre. Bekiffte Guides sind übrigens ein allgemeines Problem hier und eigentlich ein No-go. Allerdings nahmen die zwei ansonsten ihren Job sehr ernst, Kayla führte uns gut, fällte unterwegs Bäume die auf die "Wege" gefallen waren, hatte ein gutes Gepür wo wir Tiere finden konnten, und Mahadi kümmerte sich um den Weitertransport unserer Infrastruktur von Shelter zu Shelter. Wir waren sehr zufrieden mit den beiden!
Unsere nächsten Tage verliefen ähnlich, wenn auch nicht weniger schön. Morgens bekamen wir Banana-Pancakes und Kaffee, unterwegs wieder Obst und Nasi/Bami in Bananenblättern. Orang-Utans trafen wir zunächst nicht mehr, aber viele andere Affenarten und Tiere (auch am ersten Tag, unten eine Liste mit den Arten, die wir identifizieren konnten). Wir wanderten umher, des öfteren am Rande unserer Kräfte, badeten an einsamen Wasserfällen. Nachmittags chillen und baden am Shelter, um dann wieder leckeres Essen serviert zu bekommen. Im Sonnenuntergang Gruppen von Makaken beobachten, die sich vorsichtig von Baum zu Baum bewegen und immer aufeinander warten. Und natürlich kein Handyempfang, also wirklich einfach nur ohne Ablenkung eine andere Welt genießen!
Trotzdem fühlten wir uns am letzten Tag wieder bereit für die Zivilisation. Nach dem Frühstück wurden aufgeblasene LKW-Reifen zusammengebunden, unser gesamtes Geraffel (Kochtöpfe, Matratzen usw) darauf beladen und los ging es den Fluss hinunter. Mahadi übernahm die Führung, der den Fluss und seine Strömungen und Untiefen offenbar sehr gut konnte und sehr geschickt steuerte. Dann gab es noch mal eine Überraschung, als wir an einem größerem Camp vorbeifuhren (bei den kürzeren Touren geht es offenbar nicht so intim wie bei uns zu), Orang-Utan-Sichtung! Wir stoppten also und sprangen hinaus. Und tatsächlich spazierte eine Orang-Utan-Dame ganz entspannt mit ihrem schon recht großen Kind durch die Hütten. Da die meisten Touristen schon aufgebrochen waren, befanden sich nur sehr wenige Menschen in der Nähe und es wir konnten sie ganz in Ruhe beobachten. Die Mutter war sichtlich stolz auf ihr Kind, wir hatten fast den Eindruck dass sie angeben wollte. Der Kleine kletterte immer mal wieder auf einen Baum, um dann wieder zur Muddi zurückzukehren und sich in den Arm nehmen zu lassen. Es war wirklich ergreifend, und wir verstehen warum sie Menschenaffen genannt werden. Wirklich wie ein Spiegel! Völlig beseelt ließen wir uns von unseren Jungs weiter Richtung Dorf schippern. Ganz am Schluss gab es noch mal einen Schreckensmoment, der uns aber zeigte, dass wir in den richtigen Händen waren während unserer Zeit im Dschungel. Kurz bevor wir anlegten, sahen wir eine Gruppe Kinder im Fluss. Ein Junge hatte Probleme mit der Strömung, und bevor wir die Situation überhaupt richtig erfasst hatten, nämlich dass er dabei war zu ertrinken, war Mahadi wie ein Blitz dorthin geschwommen, hatte ihn gepackt und aus dem Wasser gezogen. Was eine Reaktionsfähigkeit! Nach einem Gruppenanschiss (die anderen hatten das nämlich gar nicht gecheckt) war er auch schon wieder bei uns und reichte uns unser Gepäck von den Reifen. Puuh!
Nach einer ausgedehnten Dusche saßen wir entspannt in einem Restaurant bei einem kalten Bier und freuten uns darauf, wieder in einem richtigen Bett zu schlafen. Natürlich kann man an diesen Touren einiges kritisieren und in Bukit Lawang wird nicht alles richtig gemacht. So sind insbesondere die ersten Orang-Utans, die wir trafen, bestimmt keine ganz wilden Tiere mehr, sondern sehr an den Menschen gewöhnt und sie kriegen auch mal die ein oder andere Banane von den Guides zugesteckt, um sich auch in Sichtweite aufzuhalten. Auch bei den anderen Affen gab es einige Individuen, die darauf spezialisiert waren, Essen zu stehlen oder zu erbetteln. Sollte nicht so sein in einem Nationalpark, aber trotzdem hatten wir das Gefühl, dass hier schon verstanden wurde und den Leuten auch klar ist, dass eine intakte Natur und nachhaltiger Tourismus die Voraussetzung für den Fortbestand ihrer Einkommensquelle ist. Ob es die Orang-Utans, oder auch die anderen vorm Aussterben bedrohte Bewohner (Sumatra-Nashorn, Elefanten, Tiger und viele verschiedene Arten an Vögeln, Insekten und Säugetiere) langfristig bei ständig schrumpfendem Lebensraum schaffen, ist leider sehr ungewiss.
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Diese Tiere konnten wir beobachten und auch im Nachhinein identifizieren (soweit wir uns erinnern):
Sumatra-Orang-Utan Pongo abeliiJavaneraffe Macaca fascicularis
Thomas-Langur Presbytis thomasi
Südlicher Schweinsaffe Javaneraffe, Langschwanzmakak oder Krabbenesser Macaca fascicularis
Argusfasan Argusianus argus
Weißhandgibbon Hylobates lar Malayische
Weichschildkröte Dogania subplana
Viele Falter, zB. Kolibrifalter Graphium sarpedon
Stachel-Erdschildkröte Heosemys spinosa
Rhinozeroshornvogel Buceros rhinoceros
Silberner Haubenlangur Trachypithecus cristatus
Waglers Bambusotter Tropidolaemus wagleri
Spinnenläufer Scutigera coleoptrata
