Medan
Auf nach Sumatra! Unser vermeintlich kurzer einstündiger Flug von KL entpuppte sich als Tagesreise - zunächst wurde er verschoben (zum Glück bemerkten wir das gerade noch bevor...


Veröffentlicht: 09.03.2026



























Mit unserem Sammeltaxi ging es einigermaßen komfortabel weiter nach Berastagi, auch wenn die Straßen wirklich nicht dolle waren und wir für 130 km fast 5h brauchten.
Berastagi ist ein beliebtes Ausflugsziel der Medaner, da das Klima hier etwas höher gelegen sehr mild und nicht zu heiß ist. In der Umgebung gibt es zwei aktive Vulkane: den Gunung Sibayak und den Gunung Sinabung. Den ersten kann man besteigen, der zweite ist in den letzen Jahren öfter mal ausgebrochen (das letzte Mal 2021) und deshalb gesperrt. Es gibt wohl auch an seinem Fuße Geisterdörfer, die man besichtigen kann, darauf verzichteten wir aber (auch die normalen Dörfer kamen uns zu Teil halb zerfallen und verlassen vor, daher meinten wir das abstrahieren zu können). Die Sibayak-Besteigung war eigentlich fest geplant, aber seit der Rückkehr aus dem Dschungel ging es Freddy nicht so gut, so dass wir das auch sein ließen, vor allem weil man es zum Sonnenaufgang nach oben schaffen sollte und entsprechend früh aufstehen hätte müssen. Es sollten ja noch ein paar Vulkane auf unserer Reiseroute kommen!
Trotzdem gab es genug in Berastagi zu erleben. Den ersten Abend verbrachten wir mit einer netten Truppe der Tourismus-Behörde aus Medan, die neue Touristenspots identifizieren und vermarkten sollten. Sie luden uns in einem kleinen Straßenrestaurant zum Essen ein (geröstete Ente) und wir hatten ganz nette Gespräche, wenn auch meist über drei Ecken, da nur ein Teil der Gruppe Englisch sprach. Die mitgereisten Praktikantinnen (Marketing-Studentinnen) waren aber völlig schockiert, dass wir in so einem einfachen Hostel wohnten und unsere Unterkünfte nicht auf Tiktok ausgewählt hatten.
Besonders schön war es, sich auf den verschiedenen Märkten der Stadt treiben zu lassen und die Menschen zu beobachten. Der Berastagi Fruit Market wird viel beworben, da in der Umgebung viel Obst und Gemüse angebaut wird. Voller netter Menschen und wir fanden auch eine Schneiderin, die eine von Freddys Hosen flickte. Auf dem Pajak Buah Markt war allerdings viel spannender, voller Second-Hand-Klamotten, eingelegten oder noch lebendigen Fischen, bunt gefärbten lebenden Küken, Fleisch in verschiedenen Frischegraden, Werkzeugen, scharfe Chillisoßen, Betelnüsse. Menschen aus der gesamten Region kommen hier her, um shoppen zu gehen, und man kriegt alles, was das Herz begehrt (wenn man weiß wo).
Das Pusaka-Karo-Museum war gar nicht so schlecht und gab Einblicke in die Karo-Kultur, eines der Batak-Völker Sumatras, die in dieser Gegend zuhause sind. Sie sprechen ihre eigene Sprachen. Trotz der Islamisierung Indonesiens blieben sie lange ihrem animistischen Glauben treu. Die Niederländer eroberten die Gegend jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts und brachten so das Christentum in die Gegend, zunächst waren die Missionierungsversuche aber nicht sonderlich erfolgreich. Spätestens als Indonesien mit einem Anti-Blasphemie-Gesetz eine Religionspflicht einführte, laut der die Bevölkerung zwischen einer der Religionen Islam, Katholizismus, Protestantismus, Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianimus wählen mussten, entschieden sich die Menschen oft für "das, was schon da war", hier eben Christentum, das hier aber mit vielen traditionellen Bräuchen der Karo vermischt wird. Daher findet man viele Kirchen in der Gegend, und die überall umworbende kulinarische Spezialität BPK (Babi Pangang Karo), geröstetes Schweinefleisch. Nicht das, was wir in einem Land mit knapp 90% muslimischer Bevölkerung erwartet hätten, und auch nicht dass Schweinefleisch offenbar so ein wichtiger Faktor ist, um sich vom Islam abzugrenzen (hatten wir ja schon in Malaysia erlebt).
Ansonsten bestiegen wir die Hügel der Stadt und konnten die landwirtschaftlichen und vulkanischen Aktivitäten in der Umgebung gut beobachten. Um Freddy machten wir uns ein bisschen Sorgen, weil uns nicht ganz so klar war, ob er an einer Erkältung brütete oder sich vielleicht was im Dschungel eingefangen hatte.
