Arbeiten im Prem Dan
Auntie, auntie,... dies ist ein Wort, an das man sich bei der Arbeit in einem indischen Altersheim gewöhnen muss. Ein lieber Freund, dem gegenüber man aber Respekt zeigt, ist...

Veröffentlicht: 04.10.2016
Wenn das indische Cricket-Nationalteam als Heimmannschaft aufs Feld läuft, ist das für die Inder wie das Hahnenkammrennen in Kitzbühel fur uns Österreicher. Es brodelt im Stadion und man fühlt hier in jeder Sekunde, dass Cricket der Nationalsport Nummer eins in Indien ist. Vor allem wenn der Kapitän der Mannschaft, M.S. Dhoni, den Rasen betritt, scheint die Stimmung zu explodieren, der Nationalstolz und die Leidenschaft für diesen mir völlig fremden Sport sind an jeder Ecke zu spüren.
Diese besondere Atmosphäre durfte ich vor ein paar Tagen hautnah miterleben, als ich mit Bodhi das zweite Testspiel Neuseeland gegen Indien im Eden Gardens Stadion in Kalkutta besuchte. Dass es nicht gerade alltäglich ist, dass eine blonde Ausländerin inmitten der brodelnden Menge sitzt, ist mir bereits beim Betreten des riesigen Stadionareals bewusst geworden. Viele Zuschauer wollten Fotos mit mir machen und ich hätte mich nur mit Gewalt dagegen wehren können, mir eine indische Flagge auf die Wangen malen zu lassen. Und voilá there it is (siehe Foto), mit anderen hunderten indischen Fans feuerte ich das indische Team an, ohne auch nur die geringste Ahnung von den Regeln zu haben. Aufgrund meiner Unwissenheit diesbezüglich war meine größte Sorge, irrtümlich zu applaudieren, wenn Indien einen Fehler macht bzw. Neuseeland einen Punkt. Daher konzentrierte ich mich darauf, Bodhis Reaktionen auf den Spielverlauf penibelst zu kopieren:-). Zu meinem Leidwesen hat auch das indische Nationalfernsehen bei der Live-Übertragung entdeckt, dass da jemand mit Indischer Flagge auf der Wange im Publikum sitzt, der so gar nicht ins Bild passt, weshalb ich ca 10 Minuten lang frontal gefilmt wurde und vom Kameramann angewiesen wurde, in welche Richtung ich schauen muss, wie ich lachen soll usw.
Der Vormittag im Stadion und der anschließende Kinofilm über den Werdegang des Nationalhelden Dhoni (den wir uns in der Quest Mall angeschaut haben - übrigens eines der hypermodernesten Shopping Centers, das ich je gesehen habe, vergleichbar mit Malls in Singapur, was man in dieser Welt hier so gar nicht erwartet) haben mir die indische Mentalität wieder ein Stückchen näher und vertrauter gemacht und mir ist bewusst geworden, dass trotz aller Kulturunterschiede eigentlich nicht viel Unterschied ist zwischen einem Österreicher, der einen heimischen Abfahrer beim Überwinden der Mausefalle bejubelt und einem Inder, der einen Run eines heimischen Cricketspielers beklatscht...