Bomstadbaden => Husabergsudde Camping
Guten Morgen aus Bomstadbaden! Als ich erwachte, begann es gerade heftig zu regnen. Ein richtig s


Veröffentlicht: 05.08.2025










Guten Morgen vom Husabergsudde-Campingplatz!
Als ich erwachte, schrie dieser Henri noch immer seine Parolen a la Die Toten Hosen in meinem Kopf. „Mehr, gib mir mehr“. Ich entgegnete ihm, dass er jetzt erstmal raus ist aus der Nummer. Wie ich später von Kadir erfuhr, erging es ihm an diesem Morgen sehr ähnlich. Gut, dass die Flasche nun leer war und wir gar nicht mehr in die Versuchung kommen konnten.
Ich organisierte meinen Besuch in den nahen Sanitärräumen und war gespannt, ob der arme Tropf von letzter Nacht noch immer dort sitzen würde. Als wir gegen 2:12 Uhr noch einmal dort vorbeischauten, hockte auf einer der Bänke ein - so vermutete ich - völlig durchnässter und entkräfteter Fahrradreisender. Alle Haken waren mit nassen Klamotten belegt und so auch alle verfügbaren Steckdosen, in denen Powerbanks, Smartphone und wer weiß noch für Gerätschaften geladen wurden. Ich hatte kurz überlegt, ob ich ihm den zweiten Schlafplatz auf der Liegewiese des Kapitäns anbiete. Diese Idee hatte ich dann aber relativ schnell wieder verworfen.
Ich ging also los und grüßte freundlich die beiden Nachbarn auf Platz 37, welche sich nur in tiefster Gangart in ihrem einem Tunnelsystem ähnlichen Zeltgebilde bewegen konnten. Trotz des schwedischen Kennzeichens grüßte mich die Frau auf deutsch. Nach ihrem Gruß hatte sie aber noch etwas auf dem Herzen. Sie fragte mich, ob wir die „Musik-Macher“ seien. Ich zögerte eine Sekunde, habe ihr aber doch nicht erklärt, dass wir die Music-Maker sind. Bevor ich überhaupt antworten konnte, die Frage war ja zu mindestens 99,97% rhetorisch, erklärte sie mir, dass wir „beim nächsten Mal bitte nicht zwischen elf und zwei Uhr so laute Musik“ machen sollten. Ich war maximal verwirrt. Wollte sie mir mitteilen, dass wir lieber um 2:01 Uhr hätten beginnen sollen? Meinte sie womöglich eigentlich die Mittagszeit, die hier ja unter Umständen auch anders gelagert sein kann als in einer konservativen Kleinstadt in unserem Land. Oder wollte sie einfach nur ihrem Ärger darüber Luft machen, dass sie sich mit ihrem Begleiter in diesem Schlauch aufhalten musste oder einfach nicht die Traute hatte, an unserem Koloss zu klopfen und eine freundliche Bitte - der wir natürlich umgehend nachgekommen wären - auszusprechen. Ich lächelte jedenfalls freundlich, sagte „okay“ und zog weiter. Ich bin wirklich alt geworden.
Wir plauderten noch bei einem vom Barista produzierten Kaffee sehr nett mit unserer Nachbarin zur anderen Seite (die übrigens nicht wirklich was von uns gehört hatte). Dann war es Zeit für uns weiterzuziehen. Gleichzeitig bedeutete das für Petra, dass sie fortan wieder ohne Strom aus unserem Kabel klarkommen musste. Wir machten uns darüber aber keinerlei Sorgen. Alles Gute für dich an dieser Stelle.
Als wir den Platz verließen, verzichteten wir darauf, uns beim Platzwart abzumelden und zu verabschieden. Sooo herzlich waren wir ja nun auch wieder nicht empfangen worden. Ich machte als Bordnavigator den Vorschlag, auf kleinen Straßen zu unserem heutigen Ziel zu fahren. Da es sich um eine reine Verlegungsfahrt handelte, hatten wir ohnehin keine beeindruckenden Sightseeing-Spots für heute eingeplant. Die Fahrt erzeugte erneut eine große Freude bei allen an Bord. Wald, Wasser, Schotter und sehr wenige Autos und viel weniger Menschen. Manchmal wirkte es, als würden wir durch die Kulissen von Michel oder Pippi fahren.
Ohne besondere Vorkommnisse kamen wir unserem Ziel, dem Kärrasands Camping immer näher. Der Platz an einem großen See hatte hervorragende Bewertungen in unserer Lieblings-App und bei Google. Als Buchungsoffizier hatte ich dem Military-Benz und uns schon während unserer Anreise online einen Platz reserviert. Als wir vor dem Eingang hielten, sahen wir beinahe ausschließlich deutsche Kennzeichen. Man spricht also deutsch. Bei Eintritt in die Rezeption fragte mich die sehr freundliche Frau „Swedish, English or german?“ Ich entschied mich heute mal für schwedisch. Musste allerdings umgehend zurückrudern, da mir natürlich ausschließlich dieser eine Satz einfiel, den uns die Schwedinnen seinerzeit auf Tjörn beigebracht hatten. Wir unterhielten uns entspannt auf deutsch und bekamen auch hier wieder unseren Lieblingsplatz Nummer 36 zugeteilt. Mein Captain ließ den Tarnkappen-Benz auf den Campingplatz rollen und war zufrieden mit der Platzauswahl, da die Waschräume direkt gegenüber lagen. Etwas schwierig gestaltete sich die Suche nach dem Stromanschluss für unsere rollende Herberge. Wir waren kurz davor, die gesamte Beleuchtung des grünen Riesen anzufeuern. Allerdings hätten uns Karl-Heinz aus Bernau und Günther aus Wanne-Eickel wahrscheinlich Kraft ihres Daseins als Dauercamper mit Verdienstorden am Band für sechzigjährige Treue umgehend bei der südschwedischen Camping-Polizei gemeldet. Der Anschluss versteckte sich in einer Hecke, so dass wir kurz darüber nachdachten, ob wir die Büsche nicht einfach mit unseren All-Terrain-Reifen… es funktionierte aber auch herkömmlich.
Als wir aus dem Brocken ausstiegen, nahmen wir einen sehr spezifischen Geruch wahr. Ein Schild bestätigte unseren Verdacht. „Latrin“ stand da in Großbuchstaben. Nach kurzer Diskussion über die Lage, entschied der Kapitän, dass es a) doch auszuhalten sei und wir uns b) aufgrund des beginnenden Regens ohnehin im Wohnzimmer unserer Villa aufhalten werden. Wir organisierten uns wie gewohnt. Bei einem gemeinsamen Rundgang über das Gelände nahmen wir den besonderen Charme dieses Platzes wahr. Direkt an einem See gelegen und etwas in die Jahre gekommen ist hier noch relativ urbanes Camping angesagt. Dieser Eindruck bestätigte sich auch beim Blick in die Wasch- und Serviceräume. Laut der eigenen Beschreibung auf der Homepage legen die deutschen Betreiber auch genau darauf großen Wert.
Der gestrige Abend und die Nacht mit Henri hing uns noch etwas in den Kleidern. Daher gab es nur ein großes Gläschen Weißwein für jeden von uns. Anschließend zauberte Smutje Kadir mal wieder eine wundervolle Bretterjause auf den Fliesentisch. Wir lungerten anschließend ein Stündchen auf den Loungemöbeln im Westflügel herum. Da wir noch Material auf den elektronischen Geräten hatten, wurden die Music-Maker wieder aktiv. Wir zauberten und waren mit dem Ergebnis sehr glücklich. Ich wies als Gesundheitskoordinator auf die Bedeutung der Selbstfürsorge hin, so dass alle Mitreisenden trotz des intensiven Niederschlags der aus meiner Sicht obligatorischen Zahn- und Mundpflege nachkamen. Wir verabschiedeten uns in die siebte gemeinsame Nacht und ergötzten uns getrennt voneinander noch einmal an unseren musikalischen Produkten.
Sleep well, my Captain
