Go East - Mit dem Fahrrad zu Ev. Gemeinden in Osteuropa
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9. Tag - 17. Juli Besuche im Doppelpack: Pardubice und Hradec Kralove

Nach einem erfrischenden Morgenbad im See packte ich meine „sieben Sachen" und radelte die letzten 18 km nach Pardubice, denn ich wollte ja den 9 Uhr Gottesdienst schaffen. Auf glatter Straße und mit etwas Rückenwind konnte ich etwas Zeit raus fahren und konnte sogar am Elbufer vorher noch Frühstück machen. Nach einer kurzen Irrfahrt erreichte ich die Ev. Kirche der BB, welche als "Eckhaus" zwischen zwei Straßen liegt (Foto) und leicht zu übersehen ist. Am Eingang wurde ich freundlich von einer Frau begrüsst. Offenbar war ich Einigen sichtlich fremd, denn ein Mann aus in der Vorderreihe begrüßte mich sogar mit Handschlag. Als die Orgel einsetzte verstummten die Gespräche der rund 35 Gottesdienstbesucher. Rund ¼ waren Jüngere Familien mit Kindern. Erstaunlich fand ich, dass in der Bankreihe jeweils zwei Bibel zum Nachlesen bereit lagen. Von der kurzen Liturgie verstand ich nichts, ebenso von der Predigt, welche schon nach 10 min begann. Um was es ungefähr inhaltlich ging konnte ich jedoch von einer Wandtafel entnehmen, auf der die beiden Bibeltexte des Sonntages angeschlagen waren. Was mir zudem besonders auffiel war, dass während des Gottesdienstes häufiger aufgestanden wird, als bei uns. Nach schon 40min war der Gottesdienst zu Ende. Ein jüngerer Mann erklärte mir im Anschluss, das der Prediger heute "nur" ein Gastpfarrer ist, weil die zuständige Pfarrerin gerade im Urlaub ist. Weiterhin sagte er mir, dass rund 450 Menschen zu dieser Kirchengemeinde gehören und sonst rund 50-60 Besucher kommen, wenn keine Ferienzeit ist. Zum Stichword "aktuelle Herausforderungen" sprach von Planungen im Kirchenrat zu einem neuen Gemeindehaus. Als zweite Herausforderung erwähnte er die mögliche Zusammenlegung von mehreren Gemeinden, wenn Pardubice sowas wie eine Hauptstelle wird. Dann lud er mich noch ins rund 150m entfernte Gemeindehaus zum Kirchencafe ein, da ließe sich besser reden. Dort angekommen war noch ein  größerer Teil der Gottesdienstbesucher bei Kaffee und Kuchen versammelt. Er zeigte mir die verschiedenen Räume wie Küche, Kinderraum etc. und verabschiedete sich dann, weil seine Frau mit Kleinkind losgehen wollte. Inzwischen hatten auch andere mitbekommen, dass ich ein Besucher aus Deutschland bin und eine Ehepaar - wo die Frau etwas Deutsch konnte - fragte interessiert nach meiner Reise und war erstaunt über meine Reise. Mir wurde auch der Kurator, der GKR-Vorsitzende,  vorgestellt (Foto). Auf meiner Landkarte mir ein anderer jüngerer Mann, wo es weitere Evangelische Gemeinden mit einen Pfarrer gibt. Nach mehr als einer Stunde nach Gottesdienstende verließen die letzten jüngeren Gottesdienstbesucher das Gemeindehaus. So soll das mehr oder weniger immer sein, sagte man mir. Sehr schön, dachte ich.

In einen Cafe im Zentrum lud ich wieder meine Geräte auf und am frühen Nachmittag radelte ich nach Hradec Kralove. Ein Telefonkontakt zum Pfarrer dort kam leider nicht zu Stande. Auf dem Weg in die ca. 27km entfernte Stadt fuhr ich an der landschaftlich sehr schön gelegenen Elbburg Ruby (Foto) vorbei und oberhalb von Pardubice erfreute ich mich auch beim Blick auf die Elbe, die hier noch ein "richtiger" Fluss mit Strömung und Sand- und Kiesbänken sein kann. Vor mehr als 30 Jahren bin ich diesen Abschnitt einmal gepaddelt und konnte mich an die Burg erinnern.

Gegen 17 Uhr kam ich in Königgrätz an, wie Hradec Kralove früher hieß. Recht schnell fand ich die Ev. Kirche, die an einer dicht befahrenen Straße liegt (Foto). Der örtlicher Pfarrer (Foto) hatte am Sonntagabend sogar etwas Zeit und zeigte mir den Innenraum „seiner“ Kirche (Foto). Ein Neubau von 1912, einer Zeit als es noch viel mehr Evangelische in der Stadt gab. Heute hat die Gemeinde rund 450 Mitglieder von denen rund 150 "irgendwie" aktiv sind. Zum Gottesdienst kommen jeden Sonntag rund 40-50 Besucher, wenn ich es richtig verstanden habe. Neben der Orgel erklingen meist auch noch andere Instrumente während des Gottesdienstes. Die Kirche, das Gemeindehaus und die Pfarrwohnung bilden baulich eine integrierte Einheit. Auch in dieser Gemeinde gibt es in der Schulzeit regelmäßig Angebote und auch hier wurden Ukraine Flüchtlinge aufgenommen. Auf die Frage der „Herausforderungen“ ging er nur zögerlich ein, weil dieses „große Denken" nicht seine Herangehensweise ist. Wichtig ist ihm das Wort Gottes zu predigen und die Menschen in ihrem Glauben zu bestärken. Er meinte, das Kirche manchmal Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu Gott abhält, als zu fördern. Es wurde ein interessantes Gespräch über Aufgaben und Sichtweisen, wie man Menschen zum Glauben ermutigen und die Gemeindearbeit gestalten kann. Auch in seiner Gemeinde sind ukrainische Flüchtlinge untergebracht. Erstaunlich war zudem, dass es sogar noch eine zweite Pfarrerin in der Gemeinde gibt. Am Ende hat er mich eingeladen im Kinderraum des Pfarrhauses zu übernachten, wo ich auch duschen kann. Gerne habe ich das Angebot angenommen und schlief zufrieden über den Verlauf dieses Sonntages ein.

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