Mit dem Frühstück heute am Montag, den Beginn meiner zweiten Woche in Ungarn, musste ich mich beeilen. Ich stand etwas zu spät auf und um 9 Uhr hatte sich Pastorin Eszter angesagt. Sie war insgesamt 5 Wochen unterwegs und davon 4 Deutschland, wo sie bei der Partnergemeinde auch Gottesdienste gehalten hat. Weil sie sehr gut Deutsch sprach, war die Kommunikation sehr einfach. Seit 8 Jahren ist sie in Dabas tätig und hat viel bewegt und erreicht. Sie berichtete, dass sie für rund 300 Gemeindeglieder in der ländlichen Kleinstadt Dabas und noch für zwei weiteren kleinere Orte - wo auch Gottesdienste stattfinden - zuständig ist.
Schon am Abend ist mir der Kinderspielplatz auf dem Gemeindegelände aufgefallen und auch im Gemeindehaus standen zahlreiche Kinderstühle und Spielsachen. Als sie nach Dabas kam, war das Gelände vor der Kirche eher eine Schlammwüste. Sie fragte beim Bürgermeister nach finanzieller Unterstützung für eine ansprechende Umgestaltung und erhielt diese nach ihrer Bewerbung für die Neugestaltung. Ebenso für ihre Idee, eine Kinderkrippe in Trägerschaft der Ev. Kirchengemeinde zu gründen. Weil auf dem Gelände des Kindergartens gleich gegenüber vom Gemeindehaus kein ausreichender Platz mehr war, richtete sie mit Unterstützung der Kommune den Kinderpielplatz neben der Kirche ein, wohin die Kinder täglich kommen und spielen können.
Weil sie nun insgesamt 5 Wochen nicht in Dabas war, wurde sie von der Kindergruppe mit ihren Betreuerinnen am Morgen herzlich begrüsst und wir mussten unser Gespräch für eine halbe Stunde unterbrechen. Einmal in der Woche gestaltet sie für die Kinder eine Art Christenlehre mit biblischen Geschichten und Inhalten. Auch gibt es in der Kirche einige Familiengottesdienste, die natürlich etwas lebendiger sind, als die klassischen Gottesdienste, die jeden Sonntag stattfinden. Für die Jugendlichen der Gemeinde hat sie einen Platz neben der Kirche zum Fußballspielen bereit gestellt. Ihr Pfarrhaus wird gerade mit staatlicher Unterstützung umfassend renoviert und deshalb muss sie zeitweise mit ihrer Familie in einem Ausweichquartier in der Nähe wohnen.
Die zweite große Überraschung in Dabas ist das kleine Museum im Gemeindehaus für den ungarischen Schriftsteller Geza Gyoni, der im Pfarrhaus von Dabas 1884 geboren wurde und im Zuge des 1. Weltkrieges zahlreiche Friedensgedichte verfasst hat, welche jetzt auch im Lehrplan der ungarischen Schulen behandelt werden. Ihm zu Ehren hat Pfarrerin Eszter ein kleines Museum im Gemeindehaus und einen Erinnerungsplatz auf dem Hof errichten lassen, weil der "Soldat des Friedens" - wie sich Gyoni selbst bezeichnet hat - zur Geschichte der Ev. Kirchengemeinde von Dabas gehört.
Im Laufe des Vormittages schauten wir uns auch die Kirche und die Kinderkrippe an. Es ist schon beeindruckend was sie in der kurzen Zeit in der Gemeinde bewegt und gestaltet hat. Anschließend zeigte ich auch einige Fotos und Videos von meiner Arbeit und der Christenlehre in Bereich Diesdorf-Dähre-Osterwohle. Wir unterhielten uns bei ihr zu Hause noch etwas über die aktuellen Themen in Deutschland und dann hieß es Abschied nehmen, weil mein Tagesziel die Kreisstadt Kecskemet war und ich dort ebenfalls mit dem Pfarrer sprechen wollte.
Die rund 50km lange Route führte über kaum befahrene Landstraßen. Es war eine große Freude die Strecke zu fahren, auch weil es überhaupt keine Berge, Hügel oder Ansteigungen gab. In der Stadt angekommen fand ich schnell die Ev. Kirche und traf den Pfarrer an. Er berichtete, dass er in wenigen Tagen in Ruhestand geht und ab 1.September sein Nachfolger kommt und deshalb das Gemeindehaus komplett umgebaut wird, aber noch nicht fertig ist und deshalb auch keine Übernachtungsmöglichkeit besteht. 34 Jahre war er in dieser Gemeinde als Pfarrer tätig und jetzt heißt es Abschied nehmen. Vielleicht war das auch der Grund, warum unser Gespräch und die Besichtung schon nach 10 Minuten zu Ende war. Am Stadtrand fand ich einen nicht gerade schönen Zeltplatz und war der einzige Übernachtungsgast, aber für eine Nacht konnte ich das gut aushalten.