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"Und du gehst Rüssel an Schwanz hinterher" (Wir sind Helden)

Veröffentlicht: 27.11.2018

Schon während meiner 10 Tage im Meditationszentrum wird mir klar, dass mir nicht mehr ganz so viel Zeit bleiben würde, um mir Sri Lanka in Ruhe anzuschauen bevor mein Visum ausläuft. Da ich aber auch nicht sehr motiviert bin, direkt nach Colombo zurück zu fahren, wo ich mein Visum verlängern lassen könnte, entscheide ich mich, an meiner Plaung, wie ich sie mir während der ewigen Stunden des Meditierens zurechtbastelt habe, nichts zu verändern und von Kandy aus auf der üblichen Touristenroute weiter zu reisen.

Aber erstmal musste ich ja noch ein bisschen Zeit in Kandy verbummeln. Es war wahrscheinlich nicht die beste Idee, ein Zimmer in einem riesigen Schlafsaal mit 20 Betten zu reservieren. Manchmal wird Sparsamkeit überbewertet. Zum Glück waren aber in der ersten Nacht nicht alle Betten belegt und außerdem hätte ich so die interessante Begegnung mit Vladimir verpasst, einem Russen, der allerdings seit 17 Jahren in Varanasi in Indien lebt und dort, wie er sagt, an der Universität irgendwas mit Pflanzenkunde unterrichtet. Den Namen Wladimir findet er auch nicht so toll und nennt sich deswegen lieber bei seinem deutschen Spitznamen, Klaus. Vladimir ist auch in Kandy, um auf ein neues Visum für Indien zu warten, was in 17 Jahren nicht das erste Mal ist. Ich frage ihn nach einem Tipp wo ich Abendessen kann und - als wüsste er, dass ich Masala Dosa liebe - bringt er mich auf seinem Weg zum Markt in ein kleines Restaurant wo ich für ein paar Cent das wohl bisher größte Dosa meines Lebens bekomme. 

Leider habe ich gerade mal die Hälfte geschafft.

Später sitze ich mit Klaus Wladimir noch in der Gemeinschaftküche vom Hostel. Er redet ziemlich viel, ich verstehe nur die Hälfte, vielleicht etwas mehr. Er erzählt von seiner 19 jährigen Tochter, die er seit Jahren nicht gesehen hat, da er nicht nach Russland fliegt und ihre Mutter sie nicht allein nach Indien reisen lässt; von seinem Leben in Varanasi, das ich mir irgendwie schwer vorstellen kann; von Bergbesteigungen unter dem Einfluss aller möglicher Substanzen und von seinem Hobby, dem Sammeln von Rudraksha Früchten. Aus deren getrockneten Samen, werden die typischen Gebetsketten, Mala, hergestellt, die sowohl Hindus als auch Buddhisten benutzen. Ich habe die Früchte noch nie zuvor gesehen und bin begeistert von ihrer wunderschönen Farbe.

Später lese ich, dass sie auch als "Tränen von Lord Shiva" bezeichnet werden, was ihrer Farbe auf jeden Fall gerecht wird. Klaus hat sie irgendwo an einem geheimen Ort in den Hügeln von Kandy gefunden, sagt er. In seinem Rucksack hat er eine Menge getrockneter Rudraksha Perlen in verschiedensten Größen. Er selber trägt um seinen Hals die größte Mala, die ich jemals gesehen habe. Sie wiegt ein Kilogramm. Nach einer Weile gibt er mir eine Perle und sagt, dass sie mir gehören will. Ich muss nur versprechen, dass ich sie niemals an irgendwen weitergebe. Das mache ich natürlich. Sie ist nicht das erste Geschenk dieser Art, das ich auf meiner Reise erhalten habe und sie wird mich sicher noch einige Male an diese interessante Begegnung erinnern.


Am nächsten Morgen fahre ich dann ins Visa Service Center, um meinen Pass abzugeben. Ich bekomme noch keine Auskuft darüber, ob ich das Visum bekomme oder nicht, sondern muss bis 16 Uhr warten. Vom Visa Center ist der königliche botanische Garten nicht so weit entfernt und ich beschließe, die Wartezeit dort zu überbrücken.

Auf dem Weg laufe ich an einem buddhistischen Tempel vorbei und mir fällt auf, das ständig Menschen aus Bussen, Autos, oder von Motorrädern springen, zum Eingang des Tempels hasten, um dann sofort weiterzu fahren. Ich bleibe eine Weile stehen, um das Ganze zu beobachten und sehe den kleinen Schlitz in der Mauer. Jeder Bus hält hierkurz an, der Ticketverkäufer springt raus, steckt ein paar Rupies in den Schlitz und weiter geht's.


Von dort gelange ich in fünf Minuten zum botanischen Garten, wo ich dann stundenlang wunderschöne, riesige und sehr alte Bäume bestaune.




Hier wachsen drei Bäume aus derselben Wurzel:



Es gibt aber nicht nur schöne Bäume hier:









Sechs Stunden und 300 Fotos später ist es Zeit, meinen Pass abzuholen. Ich bin inzwischen wirklich gespannt und überlege, was ich mache, wenn ich kein neues Visum bekomme. Ganz klar: auf jeden Fall ein bisschen länger in Sri Lanka bleiben und dann aber wahrscheinlich Weihnachten in Deutschland verbringen. Kurze Zeit später hat sich diese Überlegung allerdings erledigt.

Ich habe meinem Pass, in dem nun ein zweites Visum für sechs Monate Indien klebt. Und obwohl die Vorstellung, Weihnachten mit meiner Familie zu feiern schön ist, freue ich mich doch, dass ich nochmal nach Indien einreisen darf. 

Aber erstmal ist Sri Lanka an der Reihe. Noch eine letzte Nacht in Kandy und dann kann ich endlich weiterfahren. Am nächsten Morgen mache ich mich relativ zeitig auf den Weg zum Bahnhof und fahre mit dem Zug nach Hatton. Von dort aus geht es mit dem Bus weiter nach Dalhousie.

Ich liebe ja Zug- und Busfahren. 

Ein Bäcker Tuk Tuk. Leider kann ich hier nicht die dazugehörige Musik abspielen. Die habe ich schon im Meditationszentrum täglich gehört und wusste nie, sie einzuordnen. Damit ist auch dieses Rätsel gelöst. 


Auf dem Weg vom Bahnhof zum Bus treffe ich Emily und Keiran aus Wales, die das gleiche Ziel haben wie ich. Zufällig haben wir sogar in der gleichen Unterkunft unsere Zimmer reserviert. Die beiden sind total nett und wir genießen gemeinsam die Fahrt im überfüllten Bus, wo uns allerdings nach nur kurzer Zeit im Stehen Plätze angeboten werden. Im Hotel angekommen, bekommen wir einen starken Ceylon Tee zum aufwärmen - es ist hier auf 1200 Meter Höhe über dem Meeresspiegel und bewölktem Himmel schon ziemlich frisch. Nach einer Weile verziehen sich die Wolken für einen Moment und geben die Sicht auf den Adam's Peak frei. Wir drei halten kurz gleichzeitig die Luft an: "Oh, da wollen wir heut Nacht hochsteigen? Ernsthaft?" Emily verflucht kurz ihren Freund, dem sie die gesamte Reiseplanung anvertraut hat und fragt was passiert, wenn sie einfach im Bett liegen bleibt. Aber das ist natürlich nicht erlaubt.

Ja, wir wollen nachts, beziehungsweise sehr früh am Morgen die etwa 5200 Stufen zum Adam's Peak hochsteigen, um von dort aus den Sonnenaufganz zu sehen. Der Berg ist in den Monaten von Dezember bis Mai Sri Lankas wohl bedeutenster Pilgerort. Der Berg ist in allen Religionen heilig und besonders an Vollmondtagen pilgern tausende Menschen zu dem Tempel, der auf dem Gipfel steht. Im Moment ist dieser noch geschlossen, so wie auch die Tee- und Essstände, an denen man sich sonst auf dem Weg nach oben verpflegen kann. Ich bevorzuge den Aufstieg in der Nebensaison. Es sind noch ein paar andere Menschen im Hotel und nachdem uns der Besitzer anhand einer Karte ganz genau den Weg beschreibt, verabreden wir uns für 2:30 Uhr in der Nacht und gehen schlafen.

Mit Stirnlampen, warmen Sachen, Wasser und Bananen ausgerüstet kann es losgehen.

Der liegende Buddha - wir sind auf dem richtigen Weg.


Wir brauchen ungefähr drei Stunden, um die 1000 Meter Höhenunterschied und die vielen Stufen zu überwinden und sind pünktlich um 5:30 Uhr auf dem Gipfel, um dieses beeindruckend schöne Schauspiel der Natur zu bestaunen.





Auf dem Gelände des Tempels, der leider im Moment noch geschlossen ist, soll sich ein Fußabdruck befinden, um den sich die verschiedensten Sagen ranken. Buddhisten glauben natürlich, dass Buddha hier seinen Fußabdruck verlassen hat. Christen und Muslime sagen, er gehöre zu Adem, der von Gott hier abgesetzt wurde, um ihm die Ankunft auf der Erde nach der Vertreibung aus dem Paradies leichter zu machen. Der Ausblick von hier oben könnte dabei auf jeden Fall geholfen haben.


Das Dreieck rechts im Bild ist der Schatten des Adam's Peak.


Es ist ziemlich kalt hier oben und nassgeschwitzt vom anstrengenden Aufstieg, den wir übrigens alle gut und rechtzeitig gemeistert haben, fangen wir langsam an zu frieren und klettern die Stufen langsam wieder hinunter. 



Aus dieser Perpektiver kann ich mir nicht vorstellen, dass ich da gerade noch oben war. Emily und Keiran, mit denen ich eigentlich am gleichen Tag weiterreisen wollte, beschließen nach dem anstrengenden Aufstieg, eine Nacht länger in Dalhousie zu bleiben. Ich fühle mich irgendwie immer noch unter Zeitdruck und halte an meinem Plan fest, nach einer heißen Dusche und einem ausgiebigen Frühstück mit dem Bus zurück nach Hatton und von dort mit dem Zug nach Ella zu fahren. An der Bushaltestelle angekommen, sagt man mir, dass der Bus erst in 45 Minuten abfahren würde. Ich realisiere, dass es somit extrem knapp und eigentlich unmöglich wird, den letzten Zug zu erreichen. Treotzdem lasse ich mich nicht von dem hartnäckigen Tuk Tuk Fahrer überreden, mich von ihm zum Bahnhof bringen zu lassen, was statt 100 Rupie fürs Busticket 1500 Rupie kosten würde. Ich lasse es drauf ankommen und bin auch zu müde, mir spontan etwas anderes zu überlegen. Also setze ich mich einfach in die erste Reihe des schon bereit stehenden Busses, freue mich über die interessante Dekoration und schlafe ein.


 Um 14:15 Uhr kommt der Bus in Hatton an. Von der Bushaltestelle zum Bahnhof sind es zu Fuß zehn Minuten, mit Gepäck und schweren Beinen nach einer Bergbesteigung villeicht etwas mehr. Mein Zug fährt laut Plan um 14:30 Uhr. Ich laufe. Irgendwie habe ich ein gutes Gefühl. Am Ticketschalter, den ich um 14:25 Uhr erreichte, sagt man mir, dass ich erst in fünf Minuten ein Ticket kaufen könne, da der Zug nach Ella eine halbe Stunde Verspätung habe. Glück gehabt. Am Ticketschalter treffe ich Alex und Marious aus Duisburg. Die beiden waren auch am Morgen auf dem Adam's Peak und haben das gleiche Ziel wie ich.

Ziemlich genau 30 Minuten später kommt der Zug und los geht es nach Ella, auf einer Bahnstrecke, die als die schönste des Landes gilt. Leider ist es neblig und regnerisch und somit eher dunkel. Es gibt wenig zu sehen, wenn man aus dem offenen Fenster schaut. 

Die anderen Menschen im Zug - hier in der dritten Klasse - zu beobachten, ist deswegen interessanter.



Alex und Marius buchen spontan ein Zimmer im gleichen Hostel, in dem ich für die nächsten zwei Nächte reserviert habe. Als wir nach einer langen Fahrt in Ella ankommen, ist es acht Uhr abends und stockdunkel. Da es in Kandy zum Beispiel um diese Uhrzeit schon schwierig werde kann, etwas zu essen zu bekommen, sind wir alle drei ein wenig nervös. Der Magen knurrt inzwischen und müde sind wir auch und es ist außerdem kalt - keine optimale Kombination. In Ella angekommen sehen wir allerdings sofort, dass die Dinge hier etwas anders laufen als in Kandy. An der Hauptstraße gibt es ein Restaurant neben dem anderen, es sind viele Menschen unterwegs und alles ist hell erleuchtet. Innerlich frage ich mich, wo ich gelandet bin hatte ich doch nach den Beschreibungen anderer Reisender ein beschauliches Dörfchen mit viel Natur erwartet. Egal, ich bin froh, dass es noch was zu Essen gibt, auch neben unserem Hostel, das etwas abseits der Hauptstraße liegt. Danach falle ich nur noch ins Bett und schlafe am nächsten Morgen erstmal aus.

Meine beiden temporären Reisebegleiter sind zur gleichen Zeit wach. Wir bekommen ein leckeres Früstück und beschließen, danach zur "Nine Arch Bridge" zu gehen, die vor allem ein schönes Fotomotiv ist und ziemlich doll an Harry Potter erinnert. Der Mukelkater macht sich bei uns allen an unterschiedlichen Stellen in unterschiedlicher Intensität bemerkbar.


Wir haben sogar Glück und es kommt gerade ein Zug.





Nach dem ausgiebigen Spaziergang merken wir alle drei, dass wir doch ziemlich kaputt sind. Keiner ist wirklich motiviert, auf einen der beiden Berge zu steigen, die es in Ella gibt, obwohl beide nicht mit dem Adam's Peak vergleichbar sein sollen was die Anstrengung betrifft. Aber die vielen kleinen Massagesalons auf dem Rückweg zum Hostel wirken irgendwie gerade attraktiver als weitere Wanderungen und so gönnen wir uns spontan eine Fuß- und Beinmassage. Beim Mittagessen stellen wir fest, dass wir auch für den nächsten Tag zufällig noch das gleiche Ziel haben, den Udawalawa National Park. Ich zeige den Beiden die Unterkunft, in der ich schon mein Zimmer gebucht habe und es ist auch noch ein weiteres Zimmer frei. Ich habe also noch für einen weiteren Tag Begleitung. Abends gehen wir in Ella in eine der vielen Bars mit Live Musik, trinken ein kaltes Bier und gehen wieder zeitig ins Bett, da wir am nächsten Morgen gegen acht los wollen, um den Bus in Richtung Udawalawa zu bekommen. Ich merke inzwischen, dass mich die Art zu reisen, wie ich es in den letzten drei Tagen getan habe, nicht so richtig zufrieden macht. Ich habe zwar immer nette Menschen getroffen aber das ein oder andere Mal habe ich mich trotz Begleitung doch irgendwie einsam gefühlt. Beim Sonnenaufgang auf dem Adam's Peak dachte ich, dass es schön wäre, das jetzt mit einer Person zu teilen, mit der man sich irgendwann nochmal an den tollen Moment zurück erinnern kann. Die typischen Touristenziele und Sehenswürdigkeiten abzuklappern ist irgendwie auch nicht so das Richtige für mich und ich beschließe spontan, mich bei workaway nach einer Ootion zum arbeiten gegen Kost und Logie umzusehen. Wenn ich spontan etwas finde, so der Plan, werde ich nach Colombo fahren, um mein Visum zu verängern und zwei oder drei Wochen länger in Sri Lanka bleiben als geplant. Ich schreibe also von Ella aus drei Anbieter an, die sich gut anhören und ein paar Stunden später habe ich tatsächlich von meinen beiden Favoriten eine Zusage - großartig. Bevor ich endgültig entscheide, wo ich hin möchte, fahre ich erstmal mit Marius und Alex nach Udawalawe. Schon im Garten unserer Unterkunft können wir die ersten wilden Tiere beobachten.




Da wir schon am Vormittag angekommen sind, können wir kurzfristig für den Nachmittag eine Safaritour buchen. Mit einem riesigen Jeep und noch zwei anderen Frauen aus Deutschland (ich habe bisher auf keiner Reise so viele Deutsche getroffen wie in Sri Lanka) geht es dann in den Natonalpark, der hauptsächlich für seine große Population an Elefanten bekannt ist. Wir haben auch tatsächlich richtig großes Glück - wir sind sicher, wir haben alle gutes Karma und das potenziert sich - und sehen nach nur etwa fünf Minuten im Park die ersten Dickhäuter. Und das geht eigentlich in den nächsten drei Stunden so weiter bis es irgendwann gegen Ende der Tour zu regnen beginnt.




Es gibt aber nicht nur Elefanten hier, sondern auch ein paar andere Tiere. Zum Glück haben wir am Eingang des Parks einen Guide mitgenommen, der das ein oder andere Tier entdeckt hat, das wir und unser Fahrer sicher nicht gesehen hätten. Einen Eisvogel allerdings übersehe ich nie, hier ein White Breasted Kingfisher.

Ein Indian Roller, der mich ein wenig an unseren Eichelhäher erinnert:

Und ein Green Bee Eater, einer meiner Lieblingsvögel.


Ich werde inzwischen von den den anderen Leuten im Jeep "Bird Nerd" genannt, weil ich die Namen einiger Vögel weiß. Auch der Parkranger ist neugierig und fragt woher ich das weiß. Ich kann nur sagen: Danke an die Tourguides aus dem Eco Village in den Sundarbans!

Eidechsen gibt es hier natürlich auch. 

Und dann haben wir nochmal Glück und es laufen uns ein paar Schakale über den Weg.

Und noch mehr Elefanten. Auch mit Baby. Ich habe den ganzen Rest des Tages einen Ohrwurm... 



Ich habe heute gelernt, dass Elefanten 200-300 Kilogramm am Tag fressen. Hier vor allem Gras und Blätter. Sie mögen zwar Früchte sehr aber sowas gibt es hier im Park nicht. Außerdem weiß ich jetzt, dass wilde Wasserbüffel gerade Hörner haben wogegen die der domestizierten geschwungen sind. Die kommen tagsüber auch in den Nationalpark, da es hier einen riesigen See gibt. Abends gehen sie dann aber meist brav nach Hause.


In der Trockenzeit hat der See kaum Wasser und man kann ihn mit dem Geländewagen durchfahren. Dann sieht man wohl auch mehr Krokodile aber ich habe zumindest eins gesehen, der Parkranger zwei oder drei aber die habe ich einfach nicht gefunden.


Nach der Tour gehen wir in der kleinen Stadt etwas essen. Alex und Marius fahren am nächsten Morgen weiter in Richtung Süden und so trennen sich nach drei gemeinsamen Tagen unsere Wege. Ich bleibe noch einen weiteren Tag in meiner gemütlichen und ruhigen Unterkunft, überlege, noch eine Safari am frühen Morgen mitzumachen, entscheide mich aber dagegen. Dafür entscheide ich, dass ich, wenn ich in Colombo mein Visum verlängert bekomme, von dort aus für zwei Wochen in ein Eco Hotel im Regenwald fahren werde, um dort ein bisschen auszuhelfen. Die Beschreibung klingt einfach unheimlich schön und der Regenwald war sowieso eines meiner Ziele, das ich in meinen engen Zeitplan quetschen wollte. Jetzt bekomme ich die Chance, dort zwei Wochen zu verbringen. Ich freue mich und gönne mir am letzten Abend in Udawalawa nochmal ein leckeres Essen, gekocht von der Hausherrin. Ich hatte eigentlich gesagt, dass mir ein bisschen Reis mit Gemüse reicht. Ich weiß nicht, ob ich so verhungert aussehe aber diese Mahlzeit hätte ich mit mindestens zwei Erwachsenen teilen können. Es war aber außer mir niemand da.


Am Sonntagmorgen fahre ich dann also wieder nach Colomo. Als ich die Stadt letztes Mal verlassen habe, dachte ich eigentlich, dass ich erst für den Abflug nach Irgendwo zurückkomme. Aber jetzt finde ich es ganz schön, dass ich nochmal einen Tag hier verbringen kann. Die Unterkunft und die umliegenden Straßen fühlen sich fast ein wenig vertraut an. Montagmorgen fahre ich mit dem Tuk Tuk zum Visa Service Center und erlebe dort eine nette, kleine Überraschung. Als ich in das kleine Büro gehe sind noch keine Mitarbeiter da, dafür aber ein Päärchen, dass auch darauf wartet, die Visa zu verlängern. Als die beiden sich umdrehen, schaue ich in vertraute Gesichter. Beim Meditatinskurs waren die beiden zum Helfen da. Sie haben Essen und Tee verteilt, waren für Fragen im Notfall Ansprechpartner und waren irgendwie allein durch ihre Anwesenheit ein beruhigender Faktor, wenn ich dachte kurz vorm wegrennen zu sein. Da mir auch nach Aufheben der edlen Stille noch nicht nach viel Sprechen zumute war, haben wir uns dort nicht sehr viel unterhalten. Jetzt sitzen wir, ziemlich genau eine Woche nach Ende des Kurses, gemeinsam im Visa Center und warten. Die beiden - ehrlich gesagt habe ich die Namen wieder vergessen - kommen aus Australien und sind für mehr als ein Jahr auf Reisen. Im Januar werden sie nach Indien fliegen. Ich habe ihnen auf jeden Fall empfohlen, mich in den Sundarbans zu besuchen. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja ein drittes Mal. 

Irgendwann kommt ein freundlicher Mitarbeiter. Im Gegensatz zu der Beantragung des Indienvisums geht alles sehr schnell. Ich muss nur meine deutsche Adresse angeben, ein Formular unterschreiben, einen Geldbetrag bezahlen und meinen Pass für den Rest des Tages abgeben. Am Nachmittag kann ich ihn abholen. Diesmal ist die Spannung nicht so groß. Ich spaziere auf einigen Umwegen durch die Straßen von Colomo zurück Richtung Hostel.

Die Frauen freuen sich sehr über meinen Zwischenstopp für einen Milchtee. Leider bin ich nicht hungrig und muss das angebotene Mittagessen ablehnen,




Als ich mich am Nachmittag wieder zu Fuß auf den Weg mache, um einen Pass abzuholen, wird hinter meinem Hostel ein riesiger Weihnachtsbaum aufgebaut. Das verwirrt mich ein wenig, fühlt sich doch gerade überhaupt nichts auch nur annährend weihnachtlich an. Aber dann wird mir klar, dass fast der erste Advent ist. Ich erinnere mich an die stehen vielen Krippen, die ich am ersten Januar diesen Jahres beim Spaziergang durch die Straßen Mumbais gesehen habe und frage mich wie ich dieses Jahr Weihnachten verbringen werde.

Aber jetzt habe ich erstmal etwas anderes vor. Morgen fahre ich Richtung Süden, in den Regenwald. Ich rufe noch kurz bei Karina an, die mit ihrem Mann Sam das Hotel betreibt und frage ob alles klar geht. Dann gehe ich mit einer Gefühlsmischung aus Vorfreude, Neugier und Aufregung schlafen. 


...sorry aber es geht nicht ohne das obligatorische Katzenfoto.


Nächstes Mal erzähle ich euch dann von meinen Erlebnissen hier im Dschungel. Mein Arbeitsplatz ist auf jeden Fall schon mal nicht schlecht:


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