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Gesegnetes Land

Veröffentlicht: 22.04.2025

Flug
unbekannt → PBH
Drukair · Economy
Fahrt
Paro → Punakha
Bhutan

Von Paro nach Punakha

Über 5 Jahre mussten wir aufgrund der Corona-Maßnahmen warten, bis sich unser großer Reisewunsch Bhutan endlich erfüllte. Das Warten hat sich unbedingt gelohnt.

Das Erlebnis Bhutan begann für uns bereits im Flugzeug. Die traditionell gekleideten Flugbegleiterinnen waren ausgesprochen freundlich, und über den Wolken konnten wir die Gipfel des Himalaya in der Ferne bewundern. Die Sichtung des Mount Everest durch einen Mitreisenden können wir weder bestätigen noch widerlegen - sachdienliche Hinweise bitte nach Betrachten der Fotos.

Beim Landeanflug auf den Flughafen im Dorf Paro setzte entspannende Meditationsmusik ein. Die mag die eine oder der andere gebraucht haben in Anbetracht des spektakulären Anflugs über Baumwipfel, deren Träger aus Umweltschutzgründen nicht gefällt werden dürfen und über Häuser, bei denen man fast durchs Küchenfenster schauen konnte. Aufgrund der besonderen Geographie dieses Flughafens darf er auch nur von speziell ausgebildeten Pilot*innen der staatseigenen Fluggesellschaft Drukair angeflogen werden.

Um den Flug noch besonderer zu machen, wurde zu unserer Überraschung die Königliche Majestät an Bord begrüßt, von der wir, als sie das Flugzeug verließ, jedoch nur den Regenschirm und Hinterkopf sahen sowie wie das sich niederknieende Begrüßungskommitee.

Der Flughafen, in den wir sodann traten, war der schönste Flughafen auf dem wir je waren und - selbst, wenn man mit Zukunftsvorhersagen vorsichtig sein soll - auch je sein werden. Wir lassen die Fotos für sich sprechen.

Nachdem wir Geld umgetauscht hatten (auf Geldautomaten darf man in Bhutan nicht zählen) wurden wir herzlich von unserem Guide Yin und unserem Fahrer Yang* (*Namen von der Redaktion geändert) begrüßt, die uns auf unserer Reise begleiten. Dies ist eine Vorschrift in Bhutan, damit wir nicht unbeaufsichtigt (oder unbeabsichtigt, wie die Autokorrektur vorschlägt) einen Tempel schänden, Natur zerstören oder uns sonstwie daneben benehmen. Außerdem sorgt die Regierung so dafür, dass nur Menschen nach Bhutan kommen, die sich wirklich für Land und Leute interessieren und nicht nur auf hedonistisches Vergnügen aus sind.

Wir erhielten als Begrüßungsgeschenk beide jeweils einen weißen seidigen Schal als Zeichen des Segens.

Auch wenn die meisten Bhutaner*innen im Alltag längst westliche Kleidung vorziehen und das traditionelle Gewand nur zu besonderen Anlässen tragen, so gilt dies nicht für bestimmte Berufe. So müssen Hotelangestellte aber auch unser Guide und unser Fahrer das traditionelle Gewand Bhutans tragen.

Dieses spezielle Outfit muss man z.B. auch tragen, wenn man eine Behörde betritt. Verstöße gegen diese Regel scheinen undenkbar.

Eine weitere Regel ist es auch, dass Bhutaner*innen beim Betreten von Tempeln und Dzongs (gleich mehr dazu) ebenfalls traditionelle Kleidung tragen müssen. Weltliche Menschen aus Bhutan müssen weiterhin eine weiße Schärpe tragen, während Mönche eine gelbe Schärpe tragen. Menschen, die nicht aus Bhutan sind, müssen lediglich angemessene langärmelige Kleidung tragen.

Man darf zwar in den Dzongs (großen Gebäudekomplexen mit Kloster, Tempel und weltlicher Verwaltung, die typisch für Bhutan sind und sich auch jeweils auf der Rückseite der Geldscheine finden) aber nicht in ihren jeweiligen Tempelbereichen sowie generell nicht in Tempeln fotografieren. Deswegen gibt es hier keine Fotos vom Inneren der Tempel und wird es auch vom Inneren des berühmten Tigernests hier keine Bilder geben. Ohne Kamera hat man indes mehr Zeit und innere Ruhe, sich auf das Gesehene einzulassen.

Bhutan insgesamt ist wie die Tempel ein Land voll Ruhe und Innenschau mit einer liebenswerten und friedvollen Atmosphäre. Auch hier lohnt es sich, von Zeit zu Zeit die Kamera zu vergessen - auch wenn dies Herrn Ärmel schwer fiel, wie die Fülle an Bildern zeigt.

Was wir hier in den ersten Tagen vor allen Dingen besichtigten sind Buddhistische Tempel, Stupas und Dzongs. Tempel erklären sich noch von selbst, Stupas sind quasi Darstellungen des buddhistischen Glaubens, die man immer links umwandert und manchem vielleicht unter dem tibetischen Namen Choerte oder als Pagode bekannt sind. Dzongs haben wir bereits versucht zu erklären. Es gibt allerdings keine buddhistische Staatsreligion in Bhutan.

Während die Dzongs allesamt schön und verziert aber übersichtlich gestaltet sind, wirken die Tempel von innen oft fast überbordend mit Wandgemälden, Statuen und einer uns unvertrauten Erzählsystematik. Erst nach und nach erschließen sich uns als nicht BuddhistInnen mehr Details wie erster Buddha und zweiter Buddha, Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsbuddha, Mitgefühlsmantra auf den Gebetsmühlen, die 21 weiblichen Buddhas (Tara genannt), die heilige Zahl 108, Buddhas Ohren, Körper und Kleidung und anderes mehr.

Auch besuchten wir eine Stupa an einem Bergpass, von dem aus wir einen Blick auf den höchsten noch unbestiegenen Berg der Welt mit über 7000 Metern gehabt hätten, wenn die Wolken denn mitgespielt hätten. Haben sie aber nicht, und so blieb uns nur die Wanderung zu einer Höhle, bei der wir auf ca. 2400 Meter Höhe erstmals auf dieser Reise (aber wahrlich nicht das letzte Mal) erlebten, wie wenig Sauerstoff einem Höhenluft so in die Lungenflügel spült.

Dies erlebten wir im Folgenden wieder beim Aufstieg zu verschiedenen Tempeln. Hier hatten wir ferner Zeit (beim Luftholen) die Landwirtschaft Bhutans etwas kennen zu lernen. Bhutan ist der einzige Staat auf Erden mit 100% ökologischer Landwirtschaft. Tiere dürfen nicht geschlachtet werden und erst nach einem Tod durch Altersschwäche oder Unfall zum Essen zerlegt werden. So gibt es viele Hähne, die sich eines entspannten Lebens erfreuen und alte Kühe und alte Stiere die oft sehr abgemagert aussehen, aber sich frei an und auf Straßen bewegen dürfen. Man darf die Rinder immerhin mit der Hand wegscheuchen, aber ansonsten heißt es warten.

Schön ist auch die abwechslungsreiche Bepflanzung der Felder die sehr arbeitsintensiv auf Stufenfeldern betrieben wird. Große Monokulturen scheinen in Bhutan undenkbar, und so fühlt man sich wie in einem Anime und erwartet halb, dass gleich Totoro um die Ecke gebogen kommt, um einem zu signalisieren, dass alles gut ist.

Das stimmt natürlich nur bedingt, denn auch wenn Bhutan als einziges Land der Welt klimapositiv ist, macht der Rest der Welt halt unverzeihliche verheerende Fehler, und der Klimawandel macht sich so auch in Bhutan bemerkbar, z.B. mit einer verspäteten Rhododendronblüte, so dass wir über diese vielleicht erst in einem der nächsten Artikel schreiben.

Von Punakha müssen wir uns noch etwas für den nächsten Artikel aufheben, da dieser Artikel sonst zu lang wird. Wir müssen aber noch kurz etwas zu den befremdlichen Penis- und Dildobildern sagen: Der Phallus ist ein Fruchtbarkeitssymbol im bhutanischen Buddhismus und „ziert“ in der Tat viele Häuserwände. Auch in Tempeln sind Holzphalli ab und an zu besichtigen. Die oft angepriesenen Holzdildos werden allerdings für Tourist*innen produziert und haben wenig mit der echten Kultur Bhutans zu tun. Über diese schreiben wir im nächsten Artikel weiter, zum Beispiel über Schulkinder, Bogenschießen, Gesundheitswesen und Bruttoglücksprodukt. Bis dann. Wir grüßen euch aus diesem gesegneten Land, genießen einen Abend auf der Terrasse mit atemberaubendem Ausblick und freuen uns einfach, dass es dieses gesegnete Land gibt.

Auf einen Blick

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Begleitung
In der Gruppe
KulturellAbenteuerlichEntspannend
  • Flug nach Paro mit Blick auf den Himalaya
  • spektakulärer Anflug auf den Flughafen Paro
  • erste Eindrücke von Tempeln, Stupas und Dzongs
  • Fahrt von Paro nach Punakha
  • Abend auf der Terrasse mit Ausblick
KulturGeschichteNaturAbenteuerTransit
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Antworten (2)

Edmundvor mehr als 1 Jahr
Auf dem zweiten Bergbild vom Flugzeug aus müsste der linke Gipfel der Mount Everest sein, der rechte der Makalu (8485 Meter, fünfthöchster Berg der Erde). Bei den Affen handelt es sich wohl um Assam-Makaken. Der braun-weiße Schmetterling dürfte ein Athyma Jina sein(wissenschaftlicher Name), auf English Bhutan Sergeant.

vor mehr als 1 Jahr
Vielen Dank!