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Wo Westen und Osten sich treffen

Veröffentlicht: 18.04.2025

Unterkunft
unbekanntes günstiges Hotel
Hotel · Istanbul
Attraktion
Hagia Sophia
Istanbul, Türkei
Attraktion
Blaue Moschee
Istanbul, Türkei
Tour
Bosporus-Fahrt
Tour
Sehenswert
Kadıköy
Istanbul, Türkei
Attraktion
Ägyptischer Basar
Istanbul, Türkei
Sehenswert
Taksim-Platz
Istanbul, Türkei

Vor über 2500 Jahren gegründet, einst als Byzantion Hauptstadt des Oströmischen Reichs (Byzanz), dann als Konstantinopel bekannt, dann als Islambul, als Stanbol... In der Türkei als die Stadt mit den Sieben Hügeln bekannt, früher als Königin der Städte oder Tor zum Glück oder oder bekannt: Istanbul.

Mit 15 Millionen Einwohner*innen in der Agglomeration, einer uralten wechselvollen Geschichte, einer Lage auf zwei Kontinenten und im Spannungsfeld von Moderne und Tradition, Weltoffenheit, Liberalismus und Islamismus, von Islam, Christentum und Aleviten ist die Vielfalt dieser Stadt unmöglich nach wenigen Tagen in einen einzigen Artikel zu fassen.

Was bleibt sind unsere persönlichen Eindrücke. Wir kamen in einem sehr günstigen Hotel unter (während viele Türk*innen sagen würden, Istanbul sei wahnsinnig teuer), das von einem netten Ehepaar geführt wurde, das uns gerne bei unseren Anliegen half. (Nur das Vegetarier*innen keine Wurst essen, konnte die Dame des Hauses nicht verinnerlichen.)

Die Nachbarschaft wurde in den Google-Kritiken als schlecht beschrieben, aber das war sie nicht: Sie war arm, extrem hügelig (bei Glatteis unpassierbar), die Häuser waren oft verfallen und es gab wahnsinnig viele Katzen. Aber weder die herzlichen Menschen noch die zutraulichen Katzen waren eine schlechte Nachbarschaft. Die eine Katze besuchte uns im Frühstückssaal an einem Morgen allein fünfmal beim Frühstück. Danach waren wir weg - nicht die Katze. In der Nachbarschaft gab es etliche kleine Läden und Schnellrestaurants mit entspannten und herzlichen Betreiber*innen. Die Herzlichkeit endete im Straßenverkehr und wurde durch Herzhaftigkeit beim Hupen, Beschleunigen und Schimpfen ersetzt. Aber es war immer möglich zu Fuß bei Rot noch schnell über die Ampel zu flitzen.

In unserem Viertel verkehrte zu Herrn Ärmels Freude auch die alte Straßenbahn. Etwas weniger gefiel uns südlich von uns die Altstadt mit ihren vielen Läden und dem ägyptischen Basar, in dem uns von den Händlern charmant angeboten wurde, uns etwas von unserer Zeit und einiges von unserem Geld zu nehmen - was ihnen auch gelang. Insgesamt hatte sie aber weniger Charme, dafür aber die Blaue Moschee und die Hagia Sofia und damit bemerkenswerte und historisch beeindruckende Architektur. Die 48€ für Museum und Besuch der Hagia Sofia könnten wir allerdings nicht ganz heraussehen. Zudem grummelte Herr Ärmel, weil er fand, die Pflicht für nichtmuslimische Frauen in der (ehemals christlichen Kirche) Hagia Sophia ihr Haar zu bedecken sei neben dem Ausdruck des Respekts vor den Gläubigen in der Moschee auch Ausdruck einer Respektlosigkeit gegenüber Frauen, während Frau Waas zwar auch Kritik an Teilen des Frauenbildes des Islam hat allerdings fand, dass man als Gäst*in und Tourist*in hier keine Grundsatzdiskussion entfachen müsse und das Kopftuch ohne Probleme anlegte.

Ein besonderes Highlight war für uns die Bosborus-Fahrt mit etlichen Sehenswürdigkeiten (und einer fragwürdigen Obsession mit Nationalflaggen) und der Ausflug ins weltoffene, liberale, junge, bunte und geschäftige Kadiköy auf der asiatischen Seite Istanbuls.

Wo immer wir indes in Istanbul waren gefiel uns unabhängig von der sonstigen Couleur des Stadtviertels der liebevolle Umgang mit den Straßenkatzen, denen man oft kleine Hütten und Futter zu verfügung stellte und ebenso der Umgang mit den übergewichtigen Straßenhunden, die sich angstfrei in der Metropole bewegten und gelegentlich gestreichelt wurden.

Das Essen war gut und günstig und die Süßspeisen waren viel zu süß. Dafür machten sie sich sehr dekorativ in den Auslagen der schön gestalteten Geschäfte und Cafés.

Insgesamt gab es viele verspielte und schön gemachte Ecken, wenngleich an einigen Stellen die Schönheit verblichen war. Minirock und Burka fanden überall wo wir waren (den Stadtrand erreichten wir nicht) nebeneinander und ab und an sogar auch im Gespräch miteinander statt.

Auch schwules Leben war durchaus, wenn auch etwas versteckt, zu sehen, wenngleich es sicher einiges an Mut verlangt in Istanbul seinen Stolz zu zeigen.

Das nicht alles eitel Sonnenschein in Istanbul ist sah man an den Polizei-Absperrungen und Panzerfahrzeugen am Taksim-Platz, die eine*m in Erinnerung brachten, dass der Bürgermeister dieser Stadt in einer politischen Farce von der faschistoiden AKP betrieben im Gefängnis sitzt.

Doch die bedrohte Freiheit ist in dieser weltoffenen, liberalen und schönen Stadt noch deutlich zu spüren und wir rufen den Bewohner*innen dieser Stadt in Angesicht der Bedrohung durch Erdogan zu: Bleib stark, Istanbul, du Schöne!

Auf einen Blick

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  • Museum und Besuch der Hagia Sophia48 €
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