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Neu Delhi in alter Hose

Veröffentlicht: 20.04.2025

Bei der Einreise nach Indien mussten wir das übliche Procedere durchlaufen, d.h. Fingerabdrücke abgeben, sich ablichten lassen, gesundheitliche Erklärung abgeben und auf das Gepäck warten. Hat man erst einmal diese Hürden genommen, wird man anschließend freundlich von dem Reiseleiter begrüßt und ins Hotel gefahren, in dem wir frühstücken und uns frisch machen konnten. Und dann ging es auf zur Sightseeing-Tour. Hier bekamen wir in den 2 Tagen, die wir uns in der Hauptstadt aufhielten einiges zu sehen: Märkte, verschiedene Tempelanlagen, Rotes Fort, das Parlamentsgebäude und Moscheen. Außerdem unternahmen wir einen Rundgang durch die Altstadt. Die verschiedenen Tempelanlagen waren alle wunderschön auf ihre Weise, aber der schönste Tempel, den wir gesehen haben, war der Laxmi Mayaran Tempel. Er war mit seinen Rot-Orange-Gelb-Tönen nicht nur farblich schön gestaltet, sondern war auch architektonisch wunderschön. Er besaß klare Formen, wirkte dadurch offen und freundlich und war innen durchaus schön dekoriert, ohne dabei überladen zu sein. Er hatte genau die richtige architektonische Mischung aus verspielt und streng.

Beim Verlassen des Tempels bekam Frau Waas einen Punkt aus roter Asche auf die Stirn gedrückt, wodurch man sich dem 3. Auge bewusst werden soll. Herr Ärmel zog es vor, diese heilige Stätte nur mit so vielen Augen zu verlassen, wie er auch schon beim Betreten im Spiegel erkennen konnte. Und so blieb er unerleuchtet.

Beim Besuch des Sikh-Tempels wurde Frau Waas ihr safrangelber Schal um den Kopf gebunden, damit die Haare bedeckt sind. Hierzu bedurfte es drei verschiedene Profis in Sachen Schalbinden, da er aus Seide und damit sehr glatt war. Herr Ärmel konnte sich sein Haupt mit seiner Bandana selbständig binden. Dieser Tempel unterschied sich in seiner Schlichtheit sehr von den übrigen Tempeln, die wir zu sehen bekommen haben. Unser Reiseleiter erklärte uns, dass die Sikhs zwar ursprünglich ein Zweig des Hinduismus darstellten, sich nun aber als eigene Religion begriffen. Bei der Besichtigung war es besonders interessant für uns, dass man hier einen Blick in die Gemeinschaftsküche werfen konnte, in der für alle Gläubigen das Essen zubereitet wurde.

Zu unserem Reiseleiter bedarf es indes noch einiger Worte. Er war zwar kultiviert, gebildet mit viel Hintergrundwissen, sprach 6 verschiedene Sprachen und bemühte sich, jeden unserer Wünsche zu erfüllen, aber hatte leider eine große Schwäche: er war total verrannt in seinem religiösen Weltbild. So ließ er keine Gelegenheit aus, die islamische Religion schlecht zu machen: Muslime wären ungebildet, würden viel zu viele Kinder bekommen, würden glauben, dass die Erde eine Scheibe sei, wären aggressiv, hätten ihre Ideen zur Architektur nur gestohlen, wären nicht in der Lage, Türme zu bauen, wären frauenfeindlich, hätten eine vollkommen unlogische Religion und würden immer Kriege anfangen und so geschehe es den Palästinensern aus seiner Sicht recht, dass Israel zurückschießen würde, denn das wäre nur eine ganz natürliche Gegenreaktion. Aber es war auch deutlich zu merken, dass er weder viel von den Sikhs noch von Gandhi hielt. Tja, wie reagiert man am besten, wenn man in einem Land zu Besuch ist und die Menschen dort weder verärgern oder beleidigen will und außerdem das bisschen Zeit, das man für die Stadt hat, nicht mit Diskussionen verbringen möchte... So haben wir die meisten seiner Ausführungen ignoriert und wenn er wieder mit seinen Hasstiraden anfing, haben wir ihm einfach etwas zu einem anderen Thema gefragt. Aber davon abgesehen bemühte er sich unsere teils recht individuellen Wünsche zu erfüllen. So hatten wir z.B. spezielle Restaurantwünsche und so kam es, dass wir in den zwei Tagen zwei sehr unterschiedliche und richtig gute Restaurants kennenlernten. Das eine war etwas traditioneller und hatte eine große vegetarische Auswahl, während das andere eher moderner war und ein gutes südindisches veganes Angebot aufzuweisen hatte. Außerdem brachte er uns zu einem Straßenschuster, der Herrn Ärmels Rucksack für umgerechnet 0,70 Euro reparierte. Ein Erlebnis besonderer Art war der Besuch beim Schneider, der nötig wurde, da Herr Ärmels Hose unterwegs gerissen war. Wie auch schon beim Schuster der Fall gewesen war, handelte es sich hier um einen Straßenschneider, der keine Umkleidekabine besaß. Also sollte Herr Ärmel seine Hose im Auto ausziehen und dort in Unterhose bekleidet auf die Näharbeit warten. Herrn Ärmel wurde in der Zeit Chai Masala gereicht. Frau Waas konnte sich nicht entscheiden, was sie spektakulärer fand: dem Straßenschneider bei der Arbeit zuzusehen oder Herrn Ärmel ohne Hosen in einem Taxi sitzend und Tee trinkend zu bewundern. Und so pendelte sie zwischen den beiden Highlights hin und her. Nach 5 min war die Hose genäht, der Tee getrunken, Herr Ärmel wieder manierlich bekleidet und dann hieß es zurück ins Hotel, um vorzuschlafen für den Nachtflug nach Bhutan...

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Antworten (2)

Edmundvor mehr als 1 Jahr
Wisst ihr, wessen Mausoleum das war?

vor mehr als 1 Jahr
Eines Moghul. Namen vergessen. Quasi der Vkrgänger des Taj Mahal. Die Alpha-Version.

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