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Das neue Semester ist mit Anlauf in Trondheim reingeplatzt und die letzten Wochen waren überladen mit Aktivitäten. Die Coronasituation lässt dieses Semester mehr zu als Anfang diesen Jahres und die Stadt erscheint lebendiger denn je. Die neuen norwegischen Studenten haben als Einführungswoche die Fadderuke („Vaterwoche“) gehabt, bei denen ein alteingesessener Student neue Studenten in das Leben an der Uni einweist. Das heißt jede Menge sportliche Betätigung und Parties. Einen Tag lang war Trondheim mit in Togas gekleidete Studierende gefüllt. So zogen diese durch die Stadt, bevor am Abend die große Togaparty den Tag hart ausklingen ließ.

Auch ich nutzte die Gelegenheit, meine Kenntnisse aus dem vergangenen Semester an neue Austauschstudenten weiterzugeben. Wanderungen, Tischtennispartien und Parties waren alle Bestandteile der Einführungswochen. Mit zum Teil denkwürdigen Situationen. Bspw. als ich eine Wanderung in die Bymarka ausrief und dann aufgrund von gestauten Straßen 30 Minuten zu spät am abgemachten Ort eintraf. Bei einer kleinen Gruppe hätte mir das nicht so zu schaffen gemacht… Jedoch warteten 50 Leute auf mich als Guide, sodass sich eine gewisse Unruhe bei mir ausbreitete. Der Hike verlief hingegen bei angenehmen Wetter und die Strecke war für Beginner wie Fortgeschrittene hübsch anzuschauen so dass alle auf ihre Kosten kamen.

Cabintrips sind natürlich fester Bestandteil, wenn es darum geht neue Leute zu treffen und zusammen etwas zu unternehmen. Da die neuen Studenten des Semesters jedoch noch nicht wussten, worum es sich bei den Cabins überhaupt handelt, ergriff ich die Gelegenheit und reservierte 2 Wochenenden hintereinander jeweils die 2 größten, welche dazu noch eine Sauna besaßen. So besuchte ich mit 17 weiteren Leuten vom 20. Bis zum 22.08 erneut die gute alte Heinfjordstua.

Im Vergleich zu unserem Besuch im März, sah die Landschaft grün aus und der See war aufgetaut. Auch war die Gruppengröße mit 18 doch ebenfalls von einer anderen Größenordnung. Gleich nach unserer Ankunft stürzten sich alle (vor allem die Mädels) auf die Holzäxte und begannen wie verrückt Feuerholz zu spalten. Den Eifer, den sie an den Tag legen habe ich selten erlebt. Wir zogen auch ein altes Blechboot aus dem Schuppen am See, um die Wassertauglichkeit zu prüfen. Überraschenderweise war das Boot in schwimmfähigen Zustand, so dass ich mit ein paar anderen die Ruder schnappte und zur Insel im See hinausfuhr. Die Abende verliefen aktiv mit einer gewissen Menge and Bier und Wein, welche wir zur Hütte transportierten. Die Sauna, welche im März noch geschlossen war, war fertiggestellt und professionell. Sie heizte gut hoch und brachte uns eine heiße Zeit. Nach dem Schwitzen stürzten wir zu dem 50 Meter entfernten See. Im Halbdunkel und aufgrund der Steigung und Wurzeln kein leichtes Unterfangen. Erst recht nicht mit etwas Alkohol im Blut. Alles in allem wieder ein gelungenes Hüttenwochenende, dieses Mal nur mit mehr Party und weniger Wanderungen.

3 Kilo Nudeln zum Abendessen für alle
3 Kilo Nudeln zum Abendessen für alle
"Rage-Cage" Trinkspiel zum Abend
Ausblick nach einer kleinen Wanderung
Ausblick nach einer kleinen Wanderung
Anlegen an der Insel
Anlegen an der Insel

Truppe der Heinfjordstua

Truppe der Heinfjordstua

Holmsåkoia war die Cabin, die ich für das folgende Wochenende reserviert hatte. Dieses Mal lud mein iranischer Mitorganisator Mohammad ein paar neue Leute ein. Ich ließ mich also überraschen, wie sich die Gruppe dieses Mal zusammenstellt. Wir waren insgesamt 15 Leute. Wohingegen in der Heinfjordstua von 18 Leuten 10 Deutsche waren, so gestaltete sich die Zusammensetzung in Holmsåkoia doch internationaler. Sogar eine Britin hatten wir dabei, was bei der geringen Zahl der Engländer in Trondheim durchaus überraschend ist. Das witzige dabei: Von allen internationalen Studenten hat sie einen der stärksten Akzente im Englischen. So richtig typisch britisch! Das bringt eine interessante Abwechslung. Auch kam mein norwegischer Mitbewohner Clas mit, so dass er die norwegische Kultur repräsentierte. Und dabei wird er als gebürtiger Nordnorweger den Stereotypen mehr als gerecht. Das Wetter der Tage war schön und sonnig. Direkt neben der Cabin floß ein Fluss, welcher sich zum Abkühlen nach der Sauna eignetet. Diese war etwas älter als die der Heinfjordstua aber dennoch in gutem Zustand. Am Abend unserer Ankunft merkte ich, dass die neue Gruppe noch verrückter war als die der vergangenen Woche. So bewegte sich der Alkoholpegel auf gefährlich hohem Niveau. Der Fluss war von der Sauna etwa nur 15 Meter entfernt, jedoch mit einem wurzeligem und steilen Hang, der jeden Gang zum Abkühlen zur Herausforderung werden ließ. Und auch der kleine Fluss selbst stellte mit einer ordentlichen Strömung doch ein gewisses Hindernis zwischen uns und die ersehnte Abkühlung. Mehr als einmal führte die Kombination aller dieser Umstände zu blauen Flecken und Schürfungen aber am Ende überlebten es alle ja doch. Die Landschaft war naturnah und ruhig. Im umgebenden Wald wuchsen Pilze und allerhand Beeren. Selbst meine Jagd nach den seltenen und begehrten „Moltebeeren“ hat sich gelohnt. Auch gab es am Samstag einen kleinen Badeabstecher zum nahegelegenen See, der sich aufgrund des Schmelzwassers immer noch als eiskalt herausstellte. Obwohl es immer noch August war konnten wir ebenfalls, dank einer starken Sonnenaktivität die ersten grünen Schleier am Himmel in der Nacht erspähen. So haben uns die Nordlichter das erste Mal seit dem Sommer wieder begrüßt.

Aufbruch zur Holmsåkoia
Aufbruch zur Holmsåkoia
Unser Badefluss neben der Holmsåkoia
Unser Badefluss neben der Holmsåkoia
Die Sauna der Holmsåkoia
Die Sauna der Holmsåkoia
Spaß im eiskalten Wasser
Spaß im eiskalten Wasser
Beerenvielfalt
Beerenvielfalt
Moltebeere
Moltebeere

Auch nach dem Wochenende unternahm ich mit diesen Leuten noch sehr viel, so dass diese mittlerweile den „Kern“ der Leute darstellen, mit denen ich dieses Semester Aktivitäten planen werde. So ergab sich in der folgenden Woche ein Kletterausflug an den Klettersteig Munkstigen. Über 400 Meter erklimmt man durch einen felsigen Wald und an der bloßen Felswand den Berg Munken. An der blanken Felswand mit einer weiten Aussicht über den Fjord zu hängen war wahrlich atemberaubend. 

Auch probierten wir kürzlich ein Sushi-All-You-Can-Eat Restaurant, bei dem man sich sein Sushi an den Tisch bestellt. Da bei unserem letzten Besuch die Küche überraschenderweise sehr zeitig geschlossen wurde, bestellten wir nun gleich beim ersten Mal riesige Teller mit Sushi-Stücken. Wer hätte es gedacht – es blieben 60 Stück übrig die wir mitnehmen mussten. Natürlich mit einer Gebühr, denn ansonsten würden die Kunden ohne Rücksicht auf Verluste generell zu viel bestellen. So bezahlte jeder 5 Euro extra und wir wankten, schwindelig vom Essen in die nächste Gaststube, um uns bei etwas Wasser auszuruhen. 

Mit dieser Truppe geht es kommendes Wochenende auch wieder in die Heinfjordstua. Dieses Mal mussten wir sie uns hart „erkämpfen“. Clas wartete von 22:00 bis 4:00 und danach übernahmen andere im Schichtwechsel, so dass wir pünktlich um 8:00 vor Ort buchen konnten. Mittlerweile haben sich die Cabins herumgesprochen und um die Wunschcabin zu erhalten, sollte man wohl die gesamte Nacht für sie warten.

Mittlerweile hat sich die Dunkelheit in den Nächten auch wieder in Trondheim eingefunden und ab dem 21. September werden die Nächte länger als in Deutschland. Es gibt nichts atmosphärischeres als auf einem der Elektroroller vom Stadtzentrum nach Hause zu fahren. Mit dem Fahrtwind im Gesicht blickt man auf die sich entfernende, tieferliegende Innenstadt mit dem Dom, den Brücken und den unzähligen Lichtern im schwarzen Schleier der Nacht.

Die Festung Kristiansten in dem ABendlicht
Die Festung Kristiansten in dem ABendlicht

Auch gewählt werden muss natürlich!
Auch gewählt werden muss natürlich!
Trübes Wetter sorgt für nebelumhangene Bergflanken
Trübes Wetter sorgt für nebelumhangene Bergflanken
Trondheim Pride Parade
Trondheim Pride Parade
Auch schön - der Legotisch in der Universität

Neben den Freizeitaktivitäten konnte ich auch beginnen für meine Masterarbeit Wärmepumpenkreisläufe zu simulieren und die Einarbeitung läuft gut. Trotz der ganzen Touren und Parties die ich hier unternehme tut es doch gut ein Projekt zu haben für das man arbeiten kann. So lernt man nebenbei auch die Freizeit mehr zu schätzen. 

Kommentare

Thomas
vorbildlich, mein Sohn, dass Du Dein Wahlrecht ausübst 🙂👍🏼 Wieder tolle Eindrücke, auf die wir uns schon sehr freuen 🤩😍