Don Curry mischt ein Museum auf
Tag 21: Von Sankt Petersburg nach Peterhof

Veröffentlicht: 21.07.2019
Don Curry hat eine ziemlich dunkle Seite, von der die meisten Menschen gar nichts ahnen. Er spricht auch nicht gern darüber, er tut es einfach; genauer gesagt: er tat es einfach. Denn es ist in der heutigen Zeit recht schwierig geworden. Die Rede ist vom Schmuggeln, vom Einführen von zuviel deklarierungspflichtigen Waren, als eigentlich erlaubt ist. Gern hat er das z. B. bei Reisen durch Andorra gemacht. Die dort zollfrei eingekauften Waren durfte er in der Menge schwerlich nach Frankreich hinüberbringen. Doch stets war ihm selbiges gelungen. Seitdem in fast ganz Europa die Zollschranken und die Grenzkontrollen gefallen sind, macht das Schmuggeln allerdings keinen Spaß mehr. Das leicht angespannte Kribbeln bei der Annäherung an eine Landesgrenze ist ein Gefühl aus der Vergangenheit.
Doch heute sollte es anders sein, heute gab es mal wieder eine richtige Grenze. Noch einem kurzen Besuch beim gediegenen Frühstücksbuffet des Hotels "Samson", das besonders durch seinen giftgrünen Mojito-Saft auffiel, holte Don Curry zunächst ein Vorhaben vom gestrigen Tag nach: den Besuch eines russischen Einkaufszentrums. Dazu musste er zwar 13 km Richtung Sankt Petersburg zurückfahren, doch dafür bot sich das Pearl Center als ausgesprochen riesiger Konsumtempel dar. Don Curry musste etwas suchen, bis er im Untergeschoss den gigantischen Supermarkt fand, deckte sich dort mit 10 l Kwas, einigen russischen (Craft-)Bieren und diversen Wodkas ein. Der Kwas stellte sicherlich kein Zollproblem dar, die Biere vermutlich auch nicht - aber der Wodka? Don Curry verteilte ihn in altbewährter Schmugglertradition auf Reisetasche, Rucksack und diverse Plastiktüten.
150 ereignislose Kilometer verblieben bis zur estnischen Grenze bei Iwangorod/Narwa. Kurz vor Iwangorod meldete sein Auto dringenden Tankbedarf, und Don Curry konnte ein letztes Mal zu den unglaublich günstigen Spritpreisen Russlands volltanken, der Liter für umgerechnet 0,65 €! Dann kam die Grenze. 30 Minuten musste Don Curry vor der russischen Grenze warten, bis er dran war; dann wurden alle Papiere überprüft und kopiert, er durfte in bewährter Manier sämtliche Türen und Hauben öffnen, auch den Reserveradraum. Das Gepäck wurde aber nicht weiter beachtet. Nach 10 Minuten bei überaus freundlichen russischen Zöllnern war er fertig. Nun kam Estland, das eigentliche Zollhindernis. Obwohl die Schlange der wartenden Autos hier deutlich länger war, betrug die Wartezeit nur 10 Minuten. Die estnische Zöllnerin warf nur zwei kurze Blicke in den Kofferraum und auf die Rückbank, kontrollierte ein klein wenig länger seine Dokumente - das war's! Don Curry war in Estland, er war wieder in der EU. Und er hatte endlich mal wieder erfolgreich geschmuggelt!
Knapp 180 km musste er jetzt noch zu seinem Hotel im Lahemaa-Nationalpark an der Nordküste Estlands zurücklegen.
Unterwegs hielt er an bereits bekannten und auch unbekannten Sehenswürdigkeiten: Der mit 26 m höchste Wasserfall Estlands bei Valaste tröpfelte allerdings nur vor sich hin; trotzdem kletterte Don Curry auf vielen Stufen zur dortigen Ostseeküste hinab und anschließend pulssteigernd wieder hinauf.
Fast direkt an der Strecke lag der pittoreske Friedhof von Viru-Nigula. Die Deutschritter-Burgruine bei Toolse gab immer noch ein beeindruckend pittoreskes Bild an der Küste ab.
Die kleine Straße durch den Lahemaa Nationalpark kam manchmal der Ostseeküste so nah, dass Don Curry einfach anhalten musste, um die urtümliche und zugleich friedvolle Landschaft zu genießen.
Etwas mehr Zeit gönnte er dem Gutshof von Vihula, der sich vor einigen Jahren in ein Luxus-Resort verwandelt hatte und mit perfekt restaurierte Gebäuden in einer lieblichen Teich- und Parklandschaft glänzt.
Dann war Viinistu erreicht, der Geburtsort des ehemaligen ABBA-Managers und ehemaligen estnischen Außenministers Jaan Manitski. Der hatte dem 169-Seelen-Dorf ein bedeutendes Kunstmuseum mit angeschlossenem Hotel und Restaurant direkt am Meer beschert. Genau dort hatte sich Don Curry für eine Nacht eingemietet, in einem angenehm hellen Zimmer mit Balkon direkt zum Meer hinaus.
Sein aufgestauter Hunger trieb ihn allerdings zunächst ins Restaurant, wo er auf der Terrasse sitzend eine liebevoll angerichtete Kalte Rote-Beete-Suppe, gefolgt von einem ganzen Flussbarsch an Grillgemüse in Tomaten-Consommé zu sich nahm, alles begleitet von einem aromatischen estnischen Craft Beer aus der Lehe-Brauerei. Als er sich noch ein Dessert gönnen wollte, erklärte die Bedienung, dass die Küche vor 5 Minuten geschlossen habe; also blieb nur ein kräftiger Kaffee als Abschluss dieses angenehmen Mahles.
Auf dem Balkon mit dem prächtigen Meerblick und dem beginnenden Sonnenuntergang würde er noch ein Schmuggelbier zu sich nehmen, denn Schmuggelbier schmeckt doppelt gut...
