Eigentlich gehen wir den Tag entspannt an, doch die Parkplatzsuche am Trailhead dämpft die Laune kurz. Alles ist voll. Zum Glück ergattern wir weiter oben an der Straße noch eine Lücke. Während ich die Wanderschuhe schnüre, spüre ich ein deutliches Ziehen: Ein leichter Muskelkater im Schulterbereich erinnert mich an unsere gestrige, grandiose Mantarochen-Tour. Angesichts der Hitze und des steilen Rückwegs kommen mir echte Zweifel, ob diese Wanderung heute die richtige Entscheidung ist.
Wir wandern trotzdem los. Der Weg führt uns steil bergab durch hohes Gras und über unebenes Lavagestein. Die Sonne brennt unbarmherzig, und die Knie müssen einiges abfedern. Jeder Schritt hinunter erinnert mich daran, dass wir diesen ganzen Weg nachher wieder hinaufsteigen müssen. Doch als das tiefe Blau der Kealakekua Bay zwischen den Bäumen aufblitzt, verfliegen die Zweifel langsam.
Unten angekommen stehen wir vor dem strahlend weißen Monument, das an den britischen Entdecker James Cook erinnert. Cook war ein Pionier der Seefahrt: Auf seinen drei großen Expeditionen kartografierte er als erster Europäer
Neuseeland sowie die Ostküste Australiens und bekämpfte erfolgreich die Seefahrerkrankheit Skorbut.
Genau hier an dieser Bucht endete im Februar 1779 sein Leben. Der Konflikt eskalierte, als die Briten nach einem Sturm zur Reparatur unerwartet zurückkehren mussten, was das Verhältnis zu den Hawaiianern stark belastete. Nach dem Diebstahl eines britischen Beiboots verlor Cook die Geduld und versuchte, den hawaiianischen Oberhäuptling Kalaniʻōpuʻu als Geisel zu nehmen. Am Strand eskalierte die Situation völlig – die aufgebrachte Menge verteidigte ihren Häuptling, und Cook wurde im seichten Wasser getötet.
Die historische Kulisse ist beeindruckend, aber das eigentliche Highlight wartet im Wasser: Das Schnorcheln im glasklaren Pazifik zwischen bunten Fischen und intakten Korallenriffen ist die perfekte Abkühlung für meine müden Muskeln. Die Erfrischung tut unglaublich gut und gibt uns neue Kraft für den Rückweg. Gegen 14:00 Uhr brechen wir schließlich auf und treten den gefürchteten Rückweg an. Doch wir haben riesiges Glück: Der Himmel zieht zu und es ist nun bewölkt. Ohne die brennende Mittagssonne ist der steile, schattenlose Aufstieg über das Lavagestein zwar etwas erträglicher, verlangt uns aber dennoch alles ab. Der Weg geht extrem in die Beine und fordert meinen ohnehin schon strapazierten Muskelkater heraus.
Es ist unglaublich anstrengend. Wir müssen immer wieder anhalten, um zu verschnaufen, und legen einige dringend notwendige Pausen ein. Schritt für Schritt kämpfen wir uns die Steigung hinauf, während unser Wasservorrat rasant schrumpft – am Ende reicht es gerade so aus. Nach quälenden zwei Stunden reinem Aufstieg erreichen wir keuchend, aber überglücklich, unser Auto an der Straße. Was für ein absolut schweißtreibendes, grenzwertiges, aber unvergessliches Abenteuer!
Nach diesem Kraftakt steigen wir ins Auto, drehen die Klimaanlage auf und fahren direkt nach Kona. Als Belohnung für die Strapazen gönnen wir uns erst mal ein riesiges, eiskaltes Shave Ice – die perfekte Rettung nach diesem harten Aufstieg. Im Anschluss erledigen wir noch fix den Einkauf für die nächsten Tage.
Bei unserem Apartment nutzen wir den Pool und freuen uns über den Hot Tube. Dann heißt es wieder alles packen, morgen ziehen wir weiter.