Der Wecker reißt uns um 2 Uhe unbarmherzig aus dem Schlaf. Draußen ist es stockdunkel, und während der Rest von Maui noch tief schläft, schälen wir uns aus dem Bett. Es ist Zeit für eines der größten Abenteuer unserer Reise: den Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Haleakalā-Vulkans.
Um exakt 02:37 Uhr sitzen wir im Auto. Die Straßen sind leer, doch je höher wir uns die endlosen Serpentinen hinaufschrauben, desto konzentrierter müssen wir fahren. Die Dunkelheit ist dicht, die Kurven scharf – die Fahrt fühlt sich an wie die Reise auf einen anderen Planeten.
Gegen 04:50 Uhr erreichen wir schließlich den Summit Parkplatz auf knapp 3.050 Metern Höhe. Perfekt im Zeitplan: Die Fahrt hat knapp über zwei Stunden gedauert, und wir ergattern noch vor 05:00 Uhr einen der begehrten Plätze. Als wir die Autotür öffnen, trifft uns der Schlag – es ist eiskalt! Nun bricht bei mir plötzlich leichte Panik aus: Ich kann meine Jacke im dunklen Auto einfach nicht finden! Zum Glück rettet mich René und leiht mir seine Jacke aus. Ohne die wäre es auch echt ungemütlich geworden. Decken haben wir nämlich keine dabei – stattdessen setzen wir voll auf den Zwiebellook und tragen jeweils zwei Hosen und mehrere Pullover übereinander.
Die tropische Wärme von Maui ist hier oben komplett vergessen.
Am Kraterrand ist bereits einiges los. Wir teilen uns diesen Moment mit vielen anderen Reisenden. Alle stehen dicht nebeneinander, murmeln leise im fahlen Licht der Taschenlampen und starren gespannt in die Dunkelheit. Die Vorfreude in der Luft ist fast greifbar.
Und dann, kurz vor fünf, passiert es: Die Dämmerung setzt ein.
Ein ganz zarter, tiefblauer Streifen trennt plötzlich den pechschwarzen Himmel von den dichten Wolken, die unter uns im Krater liegen. Aus dem Blau wird langsam ein tiefes Violett, das fließend in weiches Orange übergeht. Das Licht verändert sich jede Minute, und das Meer aus Wolken unter uns beginnt zu leuchten.
Wenn die Sonne den Krater flutet
Als die Sonne schließlich den Horizont durchbricht, brennt der Himmel. Ein Raunen geht durch die Menge. Die kargen, marsähnlichen Farben des Vulkankraters werden von den ersten Sonnenstrahlen zum Leben erweckt. In diesem Moment ist jede Minute Schlafentzug und jedes Frösteln absolut vergessen. Es ist ein unfassbar tolles Erlebnis, das man einfach einmal im Leben selbst gefühlt haben muss.
Mein Finger glüht förmlich an der Kamera – am Ende schieße ich bestimmt 200 Bilder, weil sich das Licht im Sekundentakt verändert und jede Perspektive noch schöner aussieht als die vorherige!
Erst als es richtig hell ist und wir zurück zum Auto gehen, klärt sich übrigens auch mein Jacken-Mysterium auf: Sie liegt die ganze Zeit gut sichtbar mitten auf dem Armaturenbrett! In der absoluten Dunkelheit der Nacht hatte ich sie schlichtweg komplett übersehen.
Nach dem überwältigenden Lichtspiel meldet sich der Magen. Wir machen es uns am Auto gemütlich und packen unser mitgebrachtes Frühstück aus. Selten haben selbstgeschmierte Eibrötchen so gut geschmeckt wie hier oben auf dem Vulkangipfel!
Frisch gestärkt wartet das nächste Highlight auf uns. Wir wollen nicht nur von oben herabschauen, sondern die Mondlandschaft hautnah erleben. Also schnüren wir die Wanderschuhe und wandern ein Stück des berühmten Sliding Sands Trails hinab in den Haleakalā-Vulkankrater. Der Weg führt steil hinunter in eine surreale, rot-schwarze Aschelandschaft, die uns völlig fasziniert. Der Rückweg hat es dann allerdings in sich: Bergauf wandern auf über 3.000 Metern Höhe ist definitiv deutlich schwieriger und anstrengender als gedacht! Die dünne Höhenluft lässt den Puls sofort in die Höhe schießen, und der feine Lavasand gibt unter den Füßen immer wieder nach. Jeder Schritt zurück nach oben fühlt sich doppelt so schwer an – wir müssen immer wieder Pausen einlegen, um durchzuatmen.
Der Haleakalā ist ein klassischer Schildvulkan, der vor rund zwei Millionen Jahren am Meeresboden entstand. Über einem heißen Magmastrom – einem sogenannten „Hotspot“ – baute sich der Vulkan Schicht für Schicht aus dünnflüssiger Lava auf, bis er schließlich die Wasseroberfläche durchbrach.
Das riesige Becken auf dem Gipfel, durch das der Sliding Sands Trail führt, ist übrigens streng genommen kein echter Ausbruchskrater. Als der Vulkan eine lange Pause einlegte, haben Wind und heftiger Regen zwei gewaltige Täler in den Berg gefressen, die sich oben getroffen haben. Erst viel später bildeten sich durch kleinere Eruptionen die bunten Aschekegel, die der Landschaft heute ihr surreales Mars-Aussehen verleihen. Der Vulkan ist übrigens nicht erloschen, sondern gilt als schlafend.
Schließlich geht es für uns mit dem Auto wieder den Berg hinunter. Aber wir fahren nicht einfach durch! Auf dem Rückweg legen wir noch Stopps am Lookout und beim Visitor Center ein.
Hier wartet das nächste Ziel der Kids: Sie wollen unbedingt ihre stolze Sammlung erweitern, denn wir haben auf unseren Reisen schon einige Nationalpark-Abzeichen gesammelt. Glücklicherweise müssen die beiden dieses Mal gar nicht mehr viel tun, um die Ranger im Center zu überzeugen. Da wir den Sonnenaufgang miterlebt haben und bereits fleißig im Krater gewandert sind, haben wir die wichtigsten Bedingungen für das Entdeckerheft quasi schon im Schlaf und auf dem Trail erfüllt!
Irgendwann fordert die kurze Nacht dann doch ihren Tribut. Vor uns liegen knapp zwei Stunden Rückfahrt vom Vulkan zurück zu unserer Unterkunft. Während René sich heldenhaft ans Steuer setzt, verabschiede ich mich ziemlich schnell ins Land der Träume – ich schlafe auf dem Beifahrersitz immer wieder ein. René beeindruckt mich einfach jedes Mal aufs Neue, wie fit er nach so einem Mammutprogramm noch am Steuer bleibt!
Für einen kurzen Zwischenstopp im Walmart reicht die Energie dann gerade noch, um ein paar Vorräte aufzufüllen. Gegen 13:00 Uhr schließen wir schließlich die Tür unseres Hotelzimmers hinter uns. Jetzt gibt es nur noch ein Ziel: Augen zu und erst mal ein ausgiebiger, absolut verdienter Mittagsschlaf!
Der restliche Nachmittag verläuft ruhig, uns alle zieht es nach draußen an den Hotelpool.Später am Tag bricht dann doch der unvermeidliche Teil des Reisens an: Wir beginnen langsam, unsere Sachen zu packen. Morgen gehts zur Road to Hana.
Auf einen Blick
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Dauer
1 Tag
Wetter
Trockenzeit
Begleitung
Mit Familie (4)
Stimmung
AbenteuerlichEntspannend
Highlights
Sonnenaufgang auf dem Haleakalā-Gipfel
Wanderung auf dem Sliding Sands Trail
Blick in den Haleakalā-Krater
Ausrüstung
Jackemehrere Pulloverzwei HosenWanderschuhe
Themen
NaturAbenteuerRoadtrip
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Antworten (4)
Claudiavor etwa 1 Monat
Wunderschöne Bilder
vor etwa 1 Monat
Wow....
LG susi
vor etwa 1 Monat
Guten Tag, toller Bericht, farbenfroh geschrieben, da bin ich dabei und kann die Farben sehen. Sehr gut.
Und Glückwünsche an die Kinder zu den neuen Park Ranger Abzeichen .
Liebe Grüße senden Frank und OMaRE
Bettina vor etwa 1 Monat
Der Tag hatte es ja wirklich in sich: mitten in der Nacht aufstehen, um dann mit einem unvergesslichen Sonnenaufgang belohnt zu werden und danach noch die Wanderung!! Hut ab vor René, sich danach noch zwei Stunden ans Steuer zu setzen... ich wünsche euch weiterhin eine unvergessliche Reise, bleibt gesund! Liebe Grüße von den Langbeins