12. Maui - Waihe‘e Ridge Trail
Die erste Nacht auf Maui verläuft ruhig und ich kann heute sogar bis um 7 Uhr schlafen. Gegen 9 Uhr sitzen wir im Auto und starten mit der Fahrt von der Kahana Bay quer rüber...


Veröffentlicht: 11.07.2026
Unser erstes Ziel heute ist ein Ort, der uns bewegt: das historische Lahaina.
Wer heute die Umgehungsstraße in Richtung Süden nimmt, spürt sofort die veränderte Energie. Lahaina bricht das Herz und flößt gleichzeitig tiefe Ehrfurcht ein.
Vor dem Sommer 2023 war Lahaina ein lebendiges Postkartenmotiv. Die legendäre Front Street direkt am Pazifik bestach durch bunte Holzhäuser im Plantagenstil, Galerien und Restaurants. Das Herzstück war der weltberühmte Banyan Tree – ein gigantischer, 150 Jahre alter Baum, der einen ganzen Stadtblock überspannte. Am 8. August 2023 fand die Tragödie statt.
An diesem Tag zerstörte eine verheerende, von Hurrikan-Winden angefachte Feuerwalze das Paradies innerhalb weniger Stunden. Die Katastrophe forderte über 100 Menschenleben. Sie legte rund 3.000 Gebäude und fast die gesamte historische Altstadt in Schutt und Asche.
Bei unserer Fahrt vorbei an den Absperrungen sehen wir eine Landschaft des Übergangs. Die Trümmer sind geräumt, doch der Wiederaufbau ist ein Marathon. Der historische Kern ist weitgehend hinter Bauzäunen verborgen. Die alten Gebäude sind verschwunden, erste Infrastrukturarbeiten laufen. Der schwer beschädigte Banyan Tree lebt! Dank intensiver Pflege schlagen wieder kräftige, grüne Blätter aus den verkohlten Ästen. Links und rechts der Straße sieht man mühsam gepflegte Vorgärten, kleine Mauern und Einfahrten. Doch dahinter herrscht gähnende Leere. Die Fundamente liegen frei, die Häuser fehlen komplett. Es fühlt sich an, als hätte jemand die Gebäude aus einem fertigen Bild herausradiert.
Was uns völlig fasziniert, ist die Kraft der hawaiianischen Natur. Aus anderen Waldbrandgebieten – wie den großen Nationalparks auf dem US-Festland – kennen wir es so, dass die Bäume noch jahrzehntelang als kahle, schwarze Skelette die Spuren der Katastrophe tragen.
Hier auf Maui ist das anders: Die Natur hat sich rasant schnell erholt und man sieht den Pflanzen kaum noch etwas an. Das tropische Klima, der nährstoffreiche Vulkanboden und der Regen haben für eine regelrechte Bevölkerungsexplosion im Grünen gesorgt. Überall sprießt frisches, saftiges Gras, Palmen schlagen neue Wedel aus und bunte Blüten drängen sich ins Licht.
Nach diesen tiefen Eindrücken setzen wir unseren Roadtrip fort und fahren an der Küste entlang nach South Maui. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Während im Westen die Geschichte spürbar nachwirkt, empfängt uns der Süden rund um Kihei und Wailea mit purer, unbeschwerter Urlaubsstimmung, strahlendem Sonnenschein und sanften Passatwinden. Der Strand, Ulua Beach, ist gut besucht und wir erfrischen uns und schnorcheln ein wenig. Heute sind die Wellen stark, sodass es schnell anstrengend wird sich im Wasser zu bewegen. Hier zieht das Riff zwar einige bunte Fischschwärme an, aber ehrlich gesagt: Für uns ist hier nichts Neues dabei.
Weil die Unterwasserwelt uns an diesem Tag keine neuen Überraschungen bietet, packen wir unsere Sachen kurzerhand wieder zusammen und verlassen den Strand recht zügig.
Da die Kids sich beschweren, dass es zu oft Brot gibt, beschließen wir heute mal essen zu gehen. Die Auswahl ist begrenzt und so gibt es Burger. Im Anschluss wählen wir einen weiteren Strand, den Maluaka Beach. Zum Schnorcheln haben wir nach der ersten Enttäuschung ohnehin keine Lust mehr – heute steht reines Schwimmen und Wellen-Spaß auf dem Programm.
Und das Meer liefert ab: Am Maluaka Beach schlagen heute starke Wellen auf den Ufersaum. Die Brandung ist so kraftvoll, dass der Sand wild aufgewirbelt wird. Am Strand pfeift uns ein ordentlicher Wind um die Ohren – der feine Sand weht ununterbrochen über die Decken und prickelt richtig auf der Haut.
Die Bedingungen sind herrlich wild: Während die Erwachsenen sich vorsichtig in die Brandung wagen, um einfach eine Runde im warmen Pazifik zu schwimmen, sind die Kinder voll in ihrem Element. Mit riesigem Gelächter hüpfen sie über die heranrollenden Wellen und versuchen, genau im richtigen Moment abzuspringen.
Bevor es zurück zur Unterkunft geht, wollen wir das Ende der Straße sehen. Wir fahren weiter südlich, vorbei am Makena Beach, bis die asphaltierte Straße schmaler wird und uns direkt in das Ahihi-Kinau Natural Area Reserve führt.
Da die Füße voller Sand sind und wir müde vom Wellenhüpfen, entscheiden wir uns, nur gemütlich mit dem Auto durchzufahren. Und das reicht völlig aus, um sprachlos zu sein: Links und rechts der Straße erstreckt sich eine bizarre, tiefschwarze Lavalandschaft. Es sind die Überreste des letzten Vulkanausbruchs des Haleakala vor Hunderten von Jahren. Die schroffen, kantigen Lavafelder bilden einen extremen Kontrast zum tiefblauen Ozean direkt daneben. Es fühlt sich an wie eine Fahrt über den Mond – ein absolut grandioser, rauer Abschluss für einen Tag voller Gegensätze auf Maui
