Dibbeldabbeldour-Südsee-Teil 2

kleiner Reisebericht von Maike und Wolf

23.-26.05.2019 # Noumea / Neukaledonien, Sydney, Kuala Lumpur

Wir müssen schon vor dem Frühstück aus dem ‚Moorings‘ auschecken, denn unser Flug mit Air Vanuatu nach Noumea soll schon um 9.30 Uhr gehen. Zum Glück macht der beste Bäcker der Stadt schon eher auf und so gönnen wir uns ein letztes frisches Croissant auf unserer Terrasse.

Der Flug ist recht angenehm und nach nur reichlich anderthalb Stunden haben wir in Neukaledonien wieder einmal Neuland unter unseren Füßen. Ursprünglich als zweiwöchiger Aufenthalt mit einem Abstecher auf die vorgelagerte Insel Lifou geplant, werden es nun lediglich zwei Tage in der Hauptstadt Noumea auf Grande Terre. Schuld daran sind einerseits diverse Flugverschiebungen der dortigen Airline Aircalin und andererseits Probleme bei der Suche nach Unterkünften außerhalb Noumeas sowie Mietwagen etc., die mich bei der Vorbereitung seinerzeit ziemlich entnervt haben. Den Zweitage-Stop machen wir trotzdem, weil wir den Anschlussflug nach Sydney nicht auch noch umbuchen wollen. Und natürlich um wenigstens einen kleinen Einblick in das Land der Kanaken, wie die Ureinwohner hier heißen, zu bekommen. Auch wenn es schon eine Weile zu den französischen Überseegebieten zählt.

Die Einreiseformalitäten am La Tontuta Aiport sind schnell erledigt, einer der Zöllner spricht sogar ein wenig deutsch. Der ist wohl nicht von hier. Glücklicherweise sind gerade keine Taxen vor Ort. Als ich an der Information nach einer Transportmöglichkeit frage, der Flughafen liegt weit außerhalb von Noumea, werde ich an den Shuttle-Service ‚Arc en ciel‘ gleich um die Ecke verwiesen. Und siehe da, wir stehen sogar auf deren Liste. Da habe ich doch glatt verdrängt, dass wir mit dem Hotel schon einen Transfer vereinbart hatten. Ein Taxi wäre uns sicherlich teuer zu stehen gekommen.

Nach etwa einer Stunde Fahrzeit mit dem 13-Sitzer werden wir am Hotel ‚Beaurivage‘ an der Lemon Bay (oder Baie de Citrons, wie man in der Uckermark sagt) abgesetzt. Eigentlich noch weit vor der offiziellen check in time, ist unser Zimmer angenehmerweise schon bezugsfertig und wir können uns sofort drin breit machen. Es wird wohl das letzte Mal für eine ganze Weile sein, dass wir vom Balkon direkt aufs Meer schauen. :-(

Wir verlieren keine Zeit und machen uns gleich daran, die Umgebung zu erkunden. Direkt vor dem Hotel ist eine Haltestelle und wir entern den erstbesten Bus, der kommt, um ins Stadtzentrum zu fahren. Das an dem ‚Hop on Hop off‘ steht, irritiert uns nicht im Geringsten, denn das gibt es in anderen Städten auch. Komisch nur, dass alle Insassen grüne Armbänder und teilweise umgehängte Kärtchen haben. Die werden wohl zu dem, na klar, Kreuzfahrtschiff gehören, dass wir bei unserer Fahrt zum Hotel haben liegen sehen. Der Fahrer spricht nur französisch und das Fragezeichen über seinem Kopf wird immer größer als ich zwei Tickets verlange. Er geht kurz in sich, murmelt etwas von ‚Ship‘ und erklärt sich schließlich bereit, uns für 1000 XPF (~8,38 €) p.P. mitzunehmen. Irgendwann erschließt sich uns das Ganze. Diese Linie wird nur eingerichtet, wenn ein Kreuzfahrer in der Stadt ist. Die Leute können dann den ganzen Tag damit durch Noumea fahren und ein- bzw. austeigen wo es ihnen gerade gefällt. Dafür ist der Preis schon angemessen. Später erfahren wir, dass eine Einzelfahrt gerade mal 210 XPF (~1,76 €) kostet. Da hat er uns ganz schön übers Ohr gehauen, der Schlingel. Denn Armbänder für eine weitere Nutzung der Linie an dem Tag gibt er uns nicht.

Egal, dass Schiff liegt in unmittelbarer Nähe des Zentrums und so sind wir wenigstens schon mitten im Geschehen, als wir am Kai aussteigen. Nach einem Bummel durch die Gassen lassen wir uns an einem Kiosk im Stadtpark zu einem Kaffee und einem Hotdog nieder. Das Südsee-Flair fehlt hier ein wenig, man fühlt sich eher ein bisschen, wie in Marseille, was die Architektur und die Leute ringsum angeht. Zumindest, wie wir uns das vorstellen, denn wir waren noch nie dort. Gleich nebenan versuchen sich ein paar Jugendliche in Breakdance, oder dem, was sie dafür halten. Etwas weiter sitzen ein paar ältere Herren beim Schwatz zusammen. Wenn sie nun noch Boule spielen würden, käme man sich wirklich wie in Europa vor.

Den Rückweg zum Hotel wollen wir zu Fuß absolvieren. Die Karte, die wir dabeihaben sieht dafür ungefähr 30 Minuten vor, kein Ding also. Allerdings müssen wir drei Buchten passieren und die Zeit ist nur zu schaffen, wenn man dîe Abkürzung quer durch die Stadt nimmt. Da wir aber immer am Wasser entlang gehen, zieht sich der Weg ziemlich in die Länge und wir kommen relativ pflastermüde und durstig am Hotel an. Allerdings halten wir uns dort nicht lange auf. Ein paar hundert Meter weiter beginnt eine Restaurantmeile. Nach kurzer Suche lassen wir uns im ‚Les 3 Brasseurs‘ nieder. Das bedeutet soviel wie die 3 (Bier-) Brauer und macht seinem Namen alle Ehre. Das hauseigene Pils ist leckerer, als man es von französischem Bier erwarten durfte. Die Musik aus der Konserve trifft genau unseren Geschmack und so haben wir keinen Grund für einen weiteren Standortwechsel.

Später fängt eine Drei-Mann-Band an, ihr Equipment aufzubauen. Da gibt es wohl noch Live-Mugge. Die Jungs scheinen ziemlich bekannt zu sein, denn die Kneipe füllt sich zusehens. Wir sind gespannt und entscheiden uns dafür, gleich vor Ort noch ein kleines Diner in Form eines Flammkuchens zu nehmen. Das Ausharren lohnt sich schließlich. Mit Gitarre, Geige und Cachon (Sitztrommel) spult die Band ein mitreißendes Repertoire von Bob Marley bis Nirvana ab. Gut, die Einlagen in französischer Sprache hätten sie sich sparen können, aber den locals scheint es zu gefallen, denn sie singen teilweise begeistert mit. Uns gefällt es trotzdem, deshalb fällt es nicht leicht, die Bar schon vor Ende der Darbietung zu verlassen. Der lange Tag fordert seinen Tribut und wir sind mittlerweile ziemlich geschafft.

Der nächste Morgen beginnt mit einem enttäuschenden Frühstück im Italiener gleich neben unserem Hotel. Für völlig überteuerte 1800 XPF (~15 €) bekommt man ein aufgebackenes Baguette vom Vortag und ein ebenso altes Croissant, dazu etwas Marmelade und Butter. Der Automatenkaffee ist so lala, dafür kann man sich bei Bedarf nachschenken. Das Beste am Ganzen ist noch ein frischer Orangensaft. Für mein Rührei muss ich nochmal knapp 5 € extra drauflegen, unverschämt. Da muss für den nächsten Tag eine andere Lösung her.

Der Himmel ist etwas trübe, als wir uns auf den Weg machen, um die Küstenstraße entlang zu laufen. Eine Bucht weiter in entgegengesetzter Richtung zum Stadtzentrum soll es am Anse Vata Strand eine Promenade geben, wo man schön bummeln, shoppen und essen kann. Die ist unser Ziel. Natürlich fängt es an zu gießen, kaum dass wir ein paar Schritte getan haben. Mit knapper Not retten wir uns in ein Cafè und lassen den Schauer bei einem guten Heißgetränk vorübergehen.

Bis zur Promenade laufen wir eine gute Dreiviertelstunde. Auffällig ist, dass man öfter Leute in Sportkleidung die Straßen entlang flanieren, ohne dass sich dabei einer heftig bewegt. So kann man sich wohl auch ein gutes Gewissen holen :-) Inzwischen knallt die Sonne runter als gäbs kein Morgen und wir sind uns einig, dass wir den Rückweg keinesfalls zu Fuß zurücklegen werden. Aber es lohnt sich. Die ein oder andere Klamotte wird gekauft, bevor wir uns bei einem leckeren italienischen Mittagessen von den Strapazen erholen.

Zurück zum Hotel fahren wir mit dem Bus. Bei zwei Einheimischen, die vor uns einsteigen, schauen wir uns ab, wie es geht. Nur beim Preis müssen wir passen, also drücke ich dem Fahrer in der Eile ein paar von den ungewohnten Münzen in die Hand, bis er nickt und zwei Fahrkarten rausrückt. Glücklicherweise steht der Tarif drauf, so dass wir beim nächsten Mal schon passend bezahlen können.

Dank unserer neu erworbenen Kenntnisse in Bezug auf den ÖPNV fahren wir am Nachmittag noch einmal ins Stadtzentrum. Ein paar Patches für unsere Taschen müssen noch besorgt werden. Als Alternative für das Frühstück morgen holen wir uns außerdem noch ein frisches Baguette. Die letzte Büchse Leberpastete aus Vanuatu muss eh noch weg, bevor es Ärger mit dem australischen Zoll gibt. Passt doch alles wunderbar zusammen. Am Abend schauen wir noch einmal bei den 3 Brauern rein. Allerdings ist die Livemusik heute eher von der Sorte ‚Mühe allein genügt nicht‘ und so bleiben wir auch nicht länger als notwendig.

Das war es dann auch schon wieder mit Neukaledonien. Für den nächsten Morgen haben wir wieder einen Transport mit ‚Arc en ciel‘ zum Flughafen gebucht. Einen Tag eher als ursprünglich geplant fliegen wir über Sydney und Kuala Lumpur nach Jakarta. Das, was eigentlich als ein einziger, zusammenhängender Trip gebucht war, wird sich nun über zwei Tage hinziehen. Eine Flugverschiebung, diesmal durch Air Asia, sorgt dafür, dass wir zwei zusätzliche Übernachtungen brauchen. Entschuldigt haben sie sich zwar für any inconvenience aber bei der Kostenfrage bleiben sie konsequent hartleibig.

Der Abholer ist überpünktlich kurz vor 9.00 Uhr am ‚Beaurivage‘, diesmal allerdings mit einem ausgewachsenen Reisebus. Da wir so ziemlich die ersten sind, die einsteigen, bedeutet das sicherlich eine größere Abholrunde. So kommt es denn auch, wir kreiseln eine geschlagene Stunde zwischen diversen Hotels, bis wir endlich alle eingesammelt haben und die Stadt in Richtung Flughafen verlassen. Am Check in ist gar nicht so viel los, trotzdem warten wir eine gefühlte Ewigkeit. Das mag auch daran liegen, dass eine junge, engagierte Mitarbeiterin die Vorschriften allzu genau nimmt und ständig irgendwelche Gepäckstücke zur Messschablone bringt. Als ich mitbekomme, dass sie einem Mitreisenden vor uns die Mitnahme seiner Ukulele als Handgepäck verweigert, wächst mir schon eine Feder und ich wappne mich innerlich für eine ausufernde Diskussion. Zum Glück kommt es nicht soweit. Am Schalter, an dem wir dann einchecken, sitzt ein freundlicher älterer Herr, den unsere Instrumente nicht die Bohne interessieren. Das wird uns später am Gate noch einen verwunderten bis verwirrten Blick des Mannes einbringen, der sein Case (halb so groß wie meines) als Gepäck aufgeben musste.

Schließlich verlassen wir Frankreichs Ableger pünktlich und sind nach rund zweieinhalb Stunden mal wieder in Australien. So schließt sich denn in Sydney der Kreis fast zwei Monate nachdem wir zum ersten Mal in Perth gelandet sind. Das ‚Rydges Hotel‘ ist gleich gegenüber vom Terminal und der train station, keine 3 Minuten zu Fuß. Das kommt uns entgegen, denn wir wollen gleich noch in die Stadt fahren. Vom Tower Eye, dem Fernsehturm, soll man einen wunderschönen Blick über Sydney haben. Es ist mittlerweile schon nach 16.00 Uhr und wir beeilen uns, damit wir davon noch etwas haben, bevor es dunkel wird. Ein Einzelticket für die ca. zwanzigminütige Fahrt zur St. James Station kostet stolze 18,70 AUD, ganz schön happig. Zum Tower Eye sind es dann nur noch wenige hundert Meter. Dummerweise liegt der Eingang in einer Mall und ist vergleichsweise schlecht gekennzeichnet, so dass wir erst ein paar Minuten suchen müssen, bis wir den Ticket-Schalter erreichen. Der Eintritt kostet 29 AUD p.P., wenn man nicht online vorgebucht hat. Vor uns stehen gar nicht sooo viele Leute in der Schlange, trotzdem dauert es gefühlt eine Ewigkeit, bis wir endlich dran sind. Keine Ahnung, ob die Tickets einzeln von Hand geschrieben werden. Ich bin mir sicher, dass die Sonne inzwischen schon untergegangen ist. Glücklich, weil wir mit dem nächsten Schwung nach oben können, mache ich mir immer noch Hoffnungen, etwas mehr als eine Million Lichter von oben zu sehen. Doch bevor wir zum Fahrstuhl geleitet werden, gibt es noch einen kleinen 4-D Film zu sehen. So erschließt sich auch der Sinn der Brille, die es zum Ticket dazu gab. Die Animation ist zwar ganz nett und eine geniale Technik, aber im Moment völlig unpassend. Natürlich dämmert es schon kräftig, als wir endlich das Observation Deck erreichen und wir sehen noch die letzten Reste des Sonnenuntergangs am Horizont. Nicht ganz dass, was wir uns erhofften, doch es war den Ausflug wert. Fotografieren ist gar nicht so einfach. Hier hat sich die Unsitte eingebürgert, dass man sich auf dem umlaufenden Podest vor den Panoramascheiben niederlässt und sich in Ruhe den sozialen Medien oder ähnlichen wichtigen Dingen widmet, völlig ungeachtet dessen, dass man anderen damit den Blick nach draußen verwehrt. Sehr rücksichtsvoll. Wir drehen eine Runde und nachdem wir alles gesehen haben, machen wir uns schon wieder auf den Weg nach unten. Im nächsten Convenience-Store gleich um die Ecke kaufen wir noch ein paar nötige Kleinigkeiten und sitzen eine reichliche Viertelstunde später schon wieder in der Bahn zum Flughafen. Die Option, noch etwas Zeit in der Stadt zu verbringen verwerfen wir nach kurzer Überlegung. Obwohl wir den ganzen Tag über nicht wirklich viel getan haben, sind wir doch ziemlich kaputt. So essen wir in der hoteleigenen Sportsbar noch eine Kleinigkeit und gehen mal zeitig ins Bett.

Der Flug mit Air Asia nach Kuala Lumpur am nächsten Tag geht erst um 11.00 Uhr. Daher lassen wir uns am Morgen viel Zeit und genießen das ausgezeichnete Frühstück im ‚Rydges‘. Im Flieger dann ein kleiner Schock. Wir haben Plätze in der letzten Reihe der Quiet-Zone gebucht. Da habe ich wohl bei der Buchung übersehen, dass die Reihe keine Fenster hat. Naja, kann man verschmerzen. Schlimmer ist, dass auf dem Gangplatz unserer Dreierreihe schon ein Mensch mit der Figur eines Profiringers sitzt. Das kann ja eng werden. Zu unserer Erleichterung sind in der Mittelreihe neben uns zwei Plätze frei. Als sicher ist, dass keiner mehr einsteigt wuchtet der Hüne seine gut 100kg über den Gang und wir sitzen plötzlich alle sehr bequem. Glück gehabt. So lassen sich die 9 Stunden bis KL ganz gut aushalten. Wir erstehen noch zwei Tablets, um wenigstens etwas Entertainment zu haben. Das die Akkus nur 5-6 Stunden halten sollen, geschenkt.

Für die Nacht mieten wir uns im Tune Hotel direkt am KLIA 2 Terminal ein. Dort haben wir früher schon ein paarmal übernachtet. Der große Vorteil, man kommt bequem zu Fuß hin. Mittlerweile ist es jedoch vergleichsweise teuer, deshalb meiden wir es inzwischen meist und bevorzugen andere Hotels in Sepang. Unser Flug nach Jakarta am nächsten Morgen geht jedoch schon um kurz vor 7 Uhr, da ist uns die Nähe zum Gate wichtiger. Unser Gepäck ist ja schon durchgecheckt, sodass wir quasi direkt aus dem Bett zum Boarding gehen können.

Um in die Stadt zu fahren, ist die Zeit zu kurz. Also verbringen wir die Zeit bis zum Schlafengehen am Hotel. In den letzten zwei Tagen haben wir drei verschiedene Zeitzonen erlebt. Irgendwie macht sich das schon bemerkbar und der Abend ist entsprechend kurz. Mittlerweile sind wir der Zeit zuhause nur noch 6 h voraus, so wenig wie seit zwei Monaten nicht mehr. Morgen wird es noch eine weniger. Java, wir kommen.
#noumea#sydney

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