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Zuletzt in SBY

Pattaya – aber nicht wegen des Üblichen

Veröffentlicht: 27.06.2026

Fähre
4000 Inseln im Mekong → Nakasong
Fähre
Bus
Nakasong → Phnom Penh
Laos → Cambodia
Fahrt
Buriram → Pattaya
Thailand
Attraktion
Sanctuary of Truth
Pattaya, Thailand
Sehenswert
Waterfront
Pattaya, Thailand
Sehenswert
Soi 6
Pattaya, Thailand
Sehenswert
Soi 8
Pattaya, Thailand
Sehenswert
Walking Street
Pattaya, Thailand

Nach beschaulichen Tagen auf den 4000 Inseln im Mekong fuhr ich am 4. März 2026 wiederum im Regen mit der Fähre zurück nach Nakasong. Dort bestieg ich den Bus für eine lange Fahrt von fast zehn Stunden nach Phnom Penh. Die Einreise nach Kambodscha wäre fast gescheitert: Zwar hatte ich online eine elektronische Ankunftskarte gelöst und aufs Handy geladen. Die kambodschanischen Grenzbeamten verlangten aber eine ausgedruckte Version in zwei Exemplaren.

Ein kleines Bisschen fühlte ich mich an Kafka erinnert: Wie soll der Mensch ein Formular ausdrucken, wenn es weit und breit keinen Drucker gibt? Man hatte mich vorgewarnt: Ohne eine Handvoll Dollars, diskret aus-gehändigt, würde ich nicht nach Kambodscha einreisen. Ich irrte auf der Suche nach einer Lösung von Büro zu Büro, wurde hier abgewiesen, dort nicht verstanden. Der Schweiss nässte mein Polohemd.

Schliesslich geriet ich ins Büro eines jüngeren Mannes, der ausgezeichnet Englisch sprach und in einem aufgeräumten, angenehm klimatisierten Raum arbeitete. Zwar erklärte er sich für nicht zuständig; ich durfte ihm das Formular trotzdem vom Handy aus mailen, und er druckte es in zwei Exemplaren aus (von denen ich eines nie brauchte). Eine Bezahlung lehnte er ab.

Offenbar hatte sich die Geschichte von dem Alten, der das Zollamt unsicher macht, herumgesprochen. Jedenfalls wurde ich plötzlich bevorzugt be-handelt, an der Warteschlange vorbei zu einem freien Schalter geleitet und dort ohne weitere Umstände abgefertigt – und das alles, ohne dass ein ein-ziger Dollar den Besitzer gewechselt hätte. Manchmal hat das fortge-schrittene Alter auch seine positiven Seiten, zumal in dieser Weltgegend, wo ältere Menschen noch respektiert und nicht, wie zu Hause, als unnütze Profiteure des Rentensystems geschmäht werden.

Bekanntes vertieft

Vielleicht hat auch das mit dem Alter zu tun: Manchmal mag ich nichts Neues entdecken, sondern nur Bekanntes vertiefen. Ich verbrachte also die nächsten gut zwei Wochen zuerst in Phnom Penh, dann in Bangkok und schliesslich in der Region Isaan, die ich alle in früheren Blogs schon ausgiebig beschrieben habe. Von Buriram in Isaan liess ich mich am 22. März 2026 von einem Bekannten im Toyota-Pick-up nach Pattaya chauffieren.

Pattaya? Ja, Pattaya, die thailändische Hauptstadt des Sexgewerbes, verrucht und verrückt. 70.000 Hotelbetten, zehn oder mehr Millionen Tou-risten im Jahr. Natürlich machte auch ich am späteren Abend einen Ab-taucher ins Nachtleben, an die Waterfront, in die Soi 6, die Soi 8 und die Walking Street. Aber ich hatte – unterwegs zur kleinen Insel Koh Samed für weitere entspannte Tage – nicht deswegen einen Zwischenstopp in die-ser gigantischen Tourismusmaschine eingelegt. Vielmehr wollte ich endlich einmal das Sanctuary of Truth besichtigen, das «Heiligtum der Wahrheit».

Monumentaler Holztempel

Das Sanctuary of Truth, eines der grössten ausschliesslich aus Holz (und ganz ohne Metallnägel) gefertigten Bauwerke Asiens. Verbaut wurden vor allem Teak und andere widerstandsfähige tropische Hölzer. Von Nahem wirkt die Struktur, die an der Naklua Beach auf einer Landzunge steht, noch gigantischer, als es jede Fotografie vermitteln kann. Sie reicht bis zu 105 Meter in die Höhe, und schon aus der Entfernung sind die verschachtelten Giebel, die Türme, Figuren und Verzierungen zu sehen.

Das Sanctuary ist allerdings weder eine historische Sehenswürdigkeit noch ein religiöses Heiligtum im engeren Sinn. Vielmehr handelt es sich um ein Bauprojekt, das Architektur, Philosophie, Kunsthandwerk und religiöse Vorstellungen miteinander verbindet. Seit 45 Jahren wird am Sanctuary gearbeitet, weshalb Besucher einen Bauhelm tragen müssen – ziemlich unangenehm in Pattayas feuchter Tropenhitze.

Wir besichtigen also kein fertiges Bauwerk; wir können auch Künstlern und Handwerkern bei der Arbeit in offenen Werkstätten zuschauen. Holz-schnitzer schaffen neue Figuren und Ornamente, oder sie ersetzen Teile, die durch Sonne, Regen und die salzige Meeresluft beschädigt wurden. 

Exzentrischer Visionär

Die Idee für das Sanctuary of Truth geht auf den thailändischen Unternehmer und Mäzen Lek Viriyaphan (1914–2000) zurück, einen ex-zentrischen Visionär, der sich für Kunst, Religion und Philosophie inter-essierte und seine Ideen in monumentalen Bauwerken umsetzte. Viri-yaphan, der auch andere kulturelle Projekte in Thailand initiierte, begann 1981 mit dem Bau. Sein Ziel war es, einen Ort zu schaffen, der die geistigen und philosophischen Traditionen Asiens sichtbar macht.

Architektonisch zitiert das Sanctuary verschiedene asiatische Traditionen: Die Architektur des Königreiches von Ayutthaya vom 14. bis 18. Jahr-hundert, Einflüsse aus dem Buddhismus, dem Hinduismus, der Khmer-Kultur und dem alten China finden sich hier nebeneinander. Hunderte von geschnitzten Figuren bedecken Fassaden, Dächer und Innenräume. Dar-gestellt werden Gottheiten, mythische Wesen, Gelehrte, Tiere und Szenen aus religiösen Überlieferungen. Ein eigenes geschnitztes Denkmal ist dem vorletzten thailändischen König Rama IX., Bhumibol Adulyadej (1927 – 2016), gewidmet. Der Monarch, der unvorstellbare 70 Jahre lang herrschte, ist hier als Fotograf dargestellt.

Im Inneren öffnet sich eine grosse Halle, deren Holzsäulen und Decken vollständig mit Schnitzereien bedeckt sind. Jeder der vier Flügel des Ge-bäudes ist einem Themenkreis gewidmet. Behandelt werden unter ande-rem die Entstehung der Welt, die Bedeutung von Familie und Gesellschaft sowie das Verhältnis zwischen Mensch und Universum.

Anders als viele Tempel in Thailand dient das Sanctuary of Truth nicht in erster Linie religiösen Zeremonien. Es versteht sich als kulturelles Projekt und als Ort der Reflexion. Gewisse Kommentatoren und Blogger haben die Vermutung geäussert, das Sanctuary sei vor allem gebaut worden, um Tou-risten das Geld aus der Tasche zu ziehen. 

Tatsache ist, dass es zu einer wichtigen Sehenswürdigkeit in Pattaya geworden ist, zahllose Besucher anlockt. Aber es verhilft dadurch auch Hunderten von Handwerkern, Künstlern, Tourguides, Restaurant-angestellten, Gärtnern und anderen Menschen zu einem stabilen Ein-kommen. Und es trägt dazu bei, dass gewisse althergebrachte hand-werkliche Fertigkeiten nicht ganz verloren gehen.

Rund um das Hauptgebäude entstand im Laufe der Jahre ein weitläufiges Gelände mit einer üppigen Gartenanlage, Restaurants und einem Elefan-tenpark. Ein wenig wirkt es schon wie Disneyland, zugegeben. Aber trotzdem eindrücklich und ganz ohne Mickey Mouse und Dumbo.

Auf einen Blick

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Regenzeit
KulturellAbseits der Pfade
  • Fähre im Regen zurück nach Nakasong
  • lange Busfahrt nach Phnom Penh
  • Sanctuary of Truth in Pattaya
  • Nachtleben an der Waterfront, Soi 6, Soi 8 und Walking Street
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