Vernunft schlägt Vorsatz
Tag #55 Mittwoch, der 24.06. Von Thessaloniki bis Edessa Land: Griechenland Was für atzende Mücken ... Das war so nervig, dass ich noch bis drei Uhr einen unruh


Veröffentlicht: 28.06.2026





















Tag #56
Donnerstag, der 25.06.
Von Edessa bis
Land: Griechenland
Es ist alles trocken geblieben und so kann ich ein weiterhin leichtes Zelt einpacken.
Nach dem Frühstück geht es los, erstmal ist wieder schieben angesagt, die Steigung zwingt mich dazu.
Ein tolles Gefühl, den selben Weg noch einmal zu machen.
Immerhin habe ich nun, nachdem ich Edessa hinter mit gelassen habe, eine klare Sicht auf die mich umgebenden Berge.
Nach besagtem Dorf komme ich durch Obstplantagen.
Insbesondere die Kirschen sehen verlockend aus und irgendwann muss ich meinem Drang nachgeben und begehe Mundraub, ein paar Früchte werden schon in Ordnung gehen.
Bei nächster Gelegenheit frage ich einen Obstbauern, ob ich mir Kirschen pflücken darf, was er bejaht.
Während ich noch einzelne Früchte abzupfe kommt er und macht das ganze sehr viel energischer, sodass ich bald beide Hände voll und ein Problem hab, alles zu verstauen.
Glücklicherweise habe ich noch eine Brottüte, die nun gut gefüllt ist.
Als ich durch ein Dorf komme, kann ich am Brunnen meine Flaschen auffüllen.
Eine Gruppe Jungs und Männer ist sehr an meinem Fahrrad und mir interessiert.
Wieder einmal ist es hilfreich, dass ich meine ungefähre Route auf Papier ausgedruckt und zeigen kann.
Einer freut sich sehr, dass ich demnächst durch Albanien fahren werde, da er dort herkommt.
Danach geht's wieder steil nach oben und unterwegs halte ich immer mal wieder, um mir an einem der vielen Bäume ein paar Kirschen zu pflücken.
Da bin ich auf den Geschmack gekommen.
Zuerst rennt Felix der Hase an mir vorbei, so schnell, dass ich ihm nur noch einen Gruß hinterher rufen kann.
Kurz danach sehe ich eine Schildkröte, die deutlich langsamer die Straße überquert.
In der Natur mag es sich bewährt haben bei möglicher Gefahr den Kopf im Panzer zu verstecken, da wo Autos fahren ist das eine schlechte Idee und so wird sie kurz fremdbestimmt und von mir auf der anderen Seite im gras abgesetzt.
Weiter geht es durch Obstplantagen, an einem Kirschbaum am Straßenrand greife ich nochmal ordentlich zu und fülle mir einen kompletten Beutel.
Den ganzen Tag schon markiere ich meinen Weg mit Kernen.
Es wechselt sich landschaftlich ab und es kommen Wälder und Berge.
Mir geht bereits die Pumpe bei den Steigungen, was sich nochmal massiv steigert, als ich einen Bären sehe.
Im Unterholz höre ich es krachen und als der Blick nach rechts geht, sehe ich ihn kurzzeitig, während er das Weite sucht.
Zum Glück, denn in der Regel kommt es immer dann zu Unfällen, wenn die Tiere vom Menschen überrascht werden.
So erschreckend die Situation war, hat sie, da glimpflich ausgegangen, auch etwas Gutes.
Zum einen weiß ich, dass ich wieder im Bärengebiet bin und so fange ich damit an alle paar Meter zu klingeln.
Oder ich rede irgendwelchen Unsinn und führe Selbstgespräche, hauptsache irgendwie Aufmerksamkeit generieren.
Immer wieder fallen Schüsse, die von den Berghängen widerhallen.
Ich kann nur vermuten, dass es da einen Zusammenhang gibt.
Während ich mich weiter nach oben arbeite, zieht sich der Himmel immer weiter zu und es gibt einen Platzregen.
Etwas überlege ich noch, da die Auffahrt schweißtreibend ist, doch entscheide ich mich für die Regenklamotten.
Es ist deutlich kühler geworden und so bleibe ich definitiv trockener.
Nach der Auffahrt kommt die Abfahrt und die ist herrlich geschwungen.
Als ich an einer Kirche vorbei komme hat der Regen fast aufgehört und ich nutze die Gelegenheit endlich eine Pause einlegen zu können.
Es wird eine längere Pause, in der ich mich neben der Verpflegung um die Berichte der letzten beiden Tage kümmere.
Es dauert auch deswegen etwas länger, weil manche Orte zu klein und unbekannt sind, als das sie auf der Karte korrekt angezeigt würden.
Und ab dann geht es immer leicht hoch und runter, sodass ich noch ein paar Kilometer schaffe und mich zügig der bulgarischen Grenze nähere.
Während ich guter Dinge weiter die Straße entlang radel, kreuzt vor mir eine Schlange meinen Weg.
Sie faucht mich einmal an und ist dann auch schon im Unterholz verschwunden.
Langsam komme ich mir vor, wie im Zoo und mein Bedarf an wilden Tieren ist ausreichend gedeckt.
Der Übergang funktioniert recht zügig und reibungslos.
Dann fällt mir ein, dass ich unbedingt noch eine neue eSim benötige.
Weil ich in der Nähe des Grenzpostens bin, kann ich noch das griechische Netz nutzen, als ein Bikepackerpärchen vorbei kommt und wir was quatschen.
Es ist bereits früher Abend und Zeit für die Lagersuche, deswegen beschließen wir, das gemeinsam in Angriff zu nehmen.
Muss das Internet warten, Gesellschaft ist mehr wert.
Bald haben wir einen schönen Platz auf einer Wiese gefunden und nachdem alles aufgebaut ist, ist kochen angesagt.
Für mich das erste mal auf der Tour.
Nudeln mit Brokkolisauce.
Lotti und Valle sind bereits seit November unterwegs, erst durch Westafrika, dann in der Türkei und nun Richtung Nordosten. Und so tauschen wir Erfahrungen und Erlebnisse aus.
Es ist eine sehr gemütliche Runde, bis es Zeit ist für das Bett.
Zum Glück habe ich kurz einen Hotspot bekommen und kann Jenni noch schreiben, das es mir gut geht.
Das ist mir noch wichtig und beruhigt kann ich in den Schlafsack krabbeln.
Gute Nacht.
Song des Tages:
Jason Bartsch - Son of Anarchy
